Kirchheim. So bunt wie das Leben präsentieren sich die Ehrenamtlichen, die unter dem Dach der Sanwald-Stiftung zusammengefunden haben, um Menschen in Heimen zu besuchen: Unterschiedliche Motivation führte sie zur Sanwald-Stiftung, auf ganz unterschiedliche Weise sind sie dort in ihr Engagement hineingewachsen.
Eine, die ganz gezielt ein ehrenamtliches Betätigungsfeld gesucht hat, ist Margareta Jahns aus Wendlingen. „Ich arbeite seit Kurzem nicht mehr“, erzählt die Rentnerin, „aber mir war klar: Ich möchte etwas Sinnvolles machen.“ Gesagt, getan: Margareta Jahns fragte direkt bei einem Heim an. Dort wurde sie zum einen mit einer Schlaganfallpatientin bekannt gemacht, zum anderen auch an den Besuchsdienst der Sanwald-Stiftung weitervermittelt. „Ich konnte gleich loslegen“, freut sie sich. Seit mehreren Monaten besucht sie nun zweimal wöchentlich für einen ganzen Vormittag „ihre“ Patientin. Reden kann sie nicht, den Part muss voll und ganz die Besucherin übernehmen. Doch gibt es vieles, was die beiden Frauen verbindet: „Wir hören beide gern Roy Black“, hat Margareta Jahns herausgefunden. So lauschen die beiden gemeinsam der Musik: „Ich freue mich, wenn sie dann lächelt.“ Rundfahrten mit dem Rollstuhl oder das Betrachten von Fotoalben gehört ebenfalls zum Programm. Dass der Patientin die Besuche guttun, steht für die Besucherin außer Frage. Schließlich hat sie auch schon echte Erfolgserlebnisse zu verbuchen: „Neulich hat sie die Medikamente aus der Hand einer Pflegerin abgelehnt – von mir hat sie sie angenommen“, berichtet sie voll Stolz.
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Ganz zufällig beim Kegelabend hat Hansi Spaar vom Besuchsdienst erfahren und sich entschlossen, mitzumachen. Das war im Jahr 1996. Seither ist die rüstige Rentnerin aktiv und hat schon eine ganze Reihe von alten Menschen begleitet. „Man beschnuppert sich erst, und wenn man sich sympathisch ist, dann entsteht daraus oft eine richtig enge Beziehung“, erzählt sie. Meist wird sie schon erwartet, wenn sie einmal in der Woche bei ihrem „Schützling“ auftaucht. „Wir haben ein sehr nettes Verhältnis“, berichtet sie. Immer wieder hat sie schon die Erfahrung gemacht, dass mit den Besucherinnen der Sanwald-Stiftung über ganz andere Themen geredet wird, als wenn die Enkel vorbeischauen. „Viele wollen ihre Familie nicht mit ihren Problemen belasten“, sagt Hansi Spaar. Auch für die Besuchsdienstfrauen gibt es belastende Momente. Da hilft es dann, bei den gemeinsamen Treffen reden zu können – natürlich anonym, denn Verschwiegenheit ist das oberste Gebot für die Besuchsdienst-Mitarbeiter.
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Belastende Themen bekommt Ilona Borchardt selten anvertraut. Die 16-Jährige ist eine der jüngsten Mitarbeiterinnen im Besuchsdienst. Gemeinsam mit anderen Schülern betreibt sie in einem Heim das beliebte „Lautercafé“, das regelmäßig sonntags stattfindet. „Bei uns drehen sich die Gespräche weniger um Probleme oder Krankheiten, sondern eher um die Frage, ob der Kakao schmeckt“, berichtet die Schülerin. Sie freut sich, ein bisschen gute Laune und Abwechslung in den Alltag der Heimbewohner bringen zu können und kennt schon die regelmäßigen Kaffeegäste, darunter auch ganze Stammtische. Manchmal setzt sie sich auch einfach an einen der Tische und hört den Gästen zu. Hin und wieder trifft sie auch einen Heimbewohner in der Stadt und hält ein kurzes Schwätzle. „Schön ist, dass man das Gefühl hat, etwas Sinnvolles zu tun“, meint Ilona Borchardt und findet, dass sich der Zeitaufwand in Grenzen hält. Sie ist etwa einmal im Monat im Einsatz.
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Einen ganzen Strauß an Aktivitäten bietet Marlene Lämmle an. Sie hat schon vor vielen Jahren gute Erfahrungen mit dem Besuchsdienst gemacht, als ihre Schwiegermutter in einem Heim in Kirchheim lebte. „Damals dachte ich: Wenn ich mal Zeit hab‘, dann mach ich so was auch!“ Gesagt, getan: Die ehemalige Gastwirtin lebt mittlerweile im Betreuten Wohnen. Neben etlichen Besuchen bei alten Bekannten in Heimen steht der Betrieb der 14-tägigen Cafeteria fest auf ihrem Programm. „Da back‘ ich immer mehrere Kuchen selbst“, verrät sie augenzwinkernd. Doch damit nicht genug: Marlene Lämmle hat kurzerhand auch eine Singgruppe gegründet. Dort werden eifrig Volkslieder geschmettert, darunter auch einige, die selbst die Gruppenleiterin nicht mehr kannte, etwa „Und wieder blüht die Linde“. Die Singabende heitern alle auf, auch die zupackende Leiterin: „Wenn ich heimgeh‘, könnte ich selbst vor Freude singen“, berichtet Marlene Lämmle und lacht mitreißend.
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Einer der wenigen Hähne im Korb des Sanwald-Besuchsdienstes ist Horst Helbing, denn Männer sind hier Mangelware. Doch Horst Helbing hat gemeinsam mit seiner Frau seine Aufgabe gefunden, als er im Ruhestand aus Aalen nach Kirchheim zog und sich von einem Haus mit Garten auf eine Wohnung verkleinerte. „Da haben wir viel Zeit gewonnen, die wir nutzen wollten“, berichtet er. Ein Flyer, in dem für soziales Engagement geworben wurde, kam da gerade recht. Die Helbings besuchten zunächst einen Kurs der Diakonie und entschieden sich dann für den Besuchsdienst. Zwei Jahre lang kümmerte sich Horst Helbing um einen blinden Herrn und betont, dass dieses Miteinander ein Geben und Nehmen war. Auch er habe viel gelernt, etwa wie man sein Schicksal auch bei großen Einschränkungen gut meistern könne. Als sein Schützling starb, ging ihm das sehr nahe. Auch hier ist die Unterstützung durch den Besuchsdienst wichtig. Fortbildungen helfen beim Umgang mit dem Tod sowie mit schwierigen Herausforderungen. Der Kontakt zu ähnlich Denkenden erleichtert die Seele und schafft auch neue Freundschaften. Heute kümmert sich Horst Helbing im Wächterheim vorwiegend um die dort lebenden Männer, unterstützt das Cafeteria-Team und hilft auch mal als Begleitperson aus, wenn zum Beispiel ein Ausflug auf den Weihnachtsmarkt ansteht. Dass das Personal in den Heimen stark eingespannt ist und Entlastung braucht, ist eine Erfahrung, die alle Besuchsdienst-Mitarbeiter bestätigen.
Wer sich für die Arbeit des Besuchsdienstes der Sanwald-Stiftung interessiert, kann unverbindlich bei Besuchsdienstleiterin Anne-Katrin Stuth anfragen unter der Telefonnummer 0 70 21/73 69 69.
