Handball
Auf der Suche nach dem Königsweg

Corona Die Handballer des VfL Kirchheim sind ein Musterbeispiel für die aktuelle Probleme rund um pandemiebedingte Spielabsetzungen. Von Reimund Elbe

Die verschärfte Pandemielage im Kreis Esslingen hat unter anderem die Verbandsliga-Handballer des VfL Kirchheim hart erwischt. Die Teckstädter stehen noch ohne ausgetragenes Spiel da, auch am Wochenende ruht der Ball. Abteilungsleiter Uwe Hamann fordert nun ein einheitliches Vorgehen des Handballverbandes Württemberg (HVW) und warnt vor einem Flickenteppich. „Vereinen seitens des Verbandes freizustellen, ob sie spielen oder nicht, das ist problematisch“, sagt der Funktionär, deshalb benötige die hiesige Handballszene einen Plan B inklusive einheitlichem Vorgehen.

Vereinsintern sei bis auf Weiteres vorgesehen, erst wieder bei einem Landkreis-Inzidenzwert von unter 50 zu spielen. Hamann sieht es grundsätzlich ähnlich wie Marcus Masching, Handball-Abteilungsleiter des TV Reichenbach. Jener hatte Mitte der Woche die Absage der Partie gegen den VfL damit begründet, dass einerseits Kinder in der Schule Masken tragen müssten, andererseits am Wochenende „hechelnde Handballer aufeinandertreffen“. Dies passe nicht zusammen. Uwe Hamann bringt eine Saisonunterbrechung plus einen Re-Start der Ligen im kommenden Januar ins Spiel - falls sich bis dahin die Pandemie-Situation gebessert habe. „Es könnten dann an Wochenenden zum Beispiel Doppelspieltage stattfinden“, sagt der VfL-Abteilungsleiter.

VfL-Trainer Engelbert Eisenbeil hat wegen personeller Engpässe bereits das donnerstägliche Training absagen müssen. „Grundsätzlich bleibt mein Ziel, das Training aufrechterhalten“, betont er, der für ein besonnenes und pragmatisches Vorgehen in der Handballszene plädiert. „Wir dürfen niemanden einen Vorwurf machen, die Lage ist kompliziert“, wirbt der Coach der Kirchheimer Verbandsliga-Mannschaft um Verständnis. Niemand, auch der Verband, habe offenbar einen Königsweg zu Beginn der zweiten Coronawelle gefunden.

Der VfL-Trainer könnte sich ebenfalls mit einer Unterbrechung des Ligabetriebs anfreunden, weil der Gesundheitsschutz vorgehe. „Zum Bumerang wird nun allerdings, dass die Handballsaison recht spät begonnen hat, somit jetzt erst wenige Spieltag absolviert sind“, sagt Eisenbeil. Als eines der Hauptprobleme betrachtet der Coach, den Spannungsbogen bei den Spielern aufrechtzuerhalten: Seit dem 7. März, dem 33:24-Sieg im Landesligamatch gegen Bad Saulgau, hat der VfL kein Punktspiel mehr absolviert. „Zudem haben schon jetzt einige Teams in den Ligen deutlich mehr Partien ausgetragen als andere“, urteilt er über das Thema Chancengleichheit.

Einheitliches Vorgehen angemahnt

Bezirksspielleiter Roland Dotschkal hatte schon vor einigen Wochen zu bedenken gegeben, dass an einen störungsfreien Rundenbetrieb zu Pandemiezeiten kaum zu denken sei. Das Kirchheimer Beispiel zeige nun, wie schwierig sich die Situation aktuell im regionalen Handball darstelle. In der aktuellen Situation plädiert Dotschkal für eine einheitliche Vorgehensweise in den Vereinen. „Es ist widersprüchlich, wenn in manchen Klubs einige Männerteams spielen, die Frauen nicht und umgekehrt“, sagt der Spielleiter, zumal es auch im Jugendbereich unterschiedliche Handlungsweisen gebe.

Immerhin gibt es einen Hoffnungsschimmer. Seit dem steilen Anstieg der Infektionszahlen im Kreis Esslingen habe es laut Dotschkal weniger als fünf Positivtestungen unter aktiven Handballern gegeben, allerdings deutlich mehr Quarantänefälle. Der Idee, Handballspiele bei einem eventuellen Re-Start auch wochentags auszutragen, steht der Bezirksspielleiter skeptisch gegenüber. Zum Einen gebe es die Anfahrtsproblematik, zum Anderen müssten auch genügend Schiedsrichter unter der Woche zur Verfügung stehen.

Uwe Hamann treiben noch weitere Sorgen um. „Ein Verein ist Dienstleister. Wenn zu lange kein Angebot besteht, laufen womöglich Mitglieder davon“, sagt der VfL-Abteilungsleiter - ein weiterer Aspekt, der aufzeigt, wie knifflig sich die aktuelle Lage darstellt.