Die Schülerzeitung „Carpe Diem“ räumt einen Preis nach dem anderen ab
Auf Erfolgskurs

Die „Carpe Diem“ scheint den (Wettbewerbs-)Erfolg abonniert zu haben: Jedes Jahr zeichnen die Kultusministerien die Redaktionen der landesweit besten Schülerzeitungen aus. Und nahezu jedes Jahr dürfen auch Schüler der Kirchheimer Jakob-Friedrich-Schöllkopf-Schule (JFS) im Neuen Schloss in Stuttgart einen Preis für ihre jährlich erscheinende Zeitschrift entgegennehmen.

Kirchheim. Besondere Höhepunkte hielt das Jubiläumsjahr 2012 bereit. Während das Redaktionsteam an der 20. Ausgabe arbeitete, wurde die 19. in Berlin vom Bundesfamili­enministerium in der Kategorie „EinSatz für eine bessere Gesellschaft“ ausgezeichnet.

„Als ich 2003 die Leitung der Schülerzeitung vom Gründer Klaus Schenk übernommen habe, standen wir etwas unter Zugzwang; seit den Anfängen vor zwanzig Jahren hat die Zeitung Preise gewonnen. Dieses Niveau will man natürlich halten“, erzählt Elke Claß. Gemeinsam mit Sonja Weiß und Claudia Häfner betreut sie die Redaktion der Schülerzeitschrift. Das Konzept hat sich über die Jahre nicht geändert: Ein übergeordnetes Leitthema – die Jubiläumsausgabe trug den Titel „Genieße den Tag, genieße die Bewegung“ – als kleinster gemeinsamer Nenner aller Inhalte und ein Schulteil mit Lehrerinterviews, Austauschberichten und Klassenfotos bilden das Rückgrat der weit über hundert Seiten starken Hefte.

Mit einer dreitägigen Arbeitsphase in Bad Urach begann im Oktober des vergangenen Jahres für die 13 diesjährigen Redakteure die Arbeit an Ausgabe 21. Die Themen- und Titelfindung sei dabei wie immer reibungslos verlaufen, meint Anne-Marie Peper, neben Adriana Schmitt, Laura Knödler und Nadine Schmitt in der Chefredaktion. „Wir sind da sehr demokratisch. Jeder bringt Ideen mit, und am Ende stimmen alle ab. Nach einem gemeinsamen Pokerabend haben wir uns dieses Mal für den Titel ,Full House‘ entschieden.“

Elke Claß hebt hervor, dass es bei der Hierarchie im Team vordergründig um Arbeitsteilung und Organisation geht: „Von unserer Chefredaktion erwarten wir Verantwortungsbewusstsein. Wir setzen Treffen an, aber vorne stehen sollten die Schüler.“ Auch wenn es am Ende ans Setzen und Layouten geht, sollten im Idealfall nicht die Lehrer Druck machen müssen, sondern die jungen Chefredakteure. „Wenn die vier in der Gruppe akzeptiert sind, gelingt uns das meistens“, sagt Elke Claß.

Korrekturgelesen und redigiert wird dennoch von den Deutschlehrkräften. Sonja Weiß erklärt den Ablauf so: „Die Schüler schreiben, wir lesen drüber, geben die Texte mit Anmerkungen zurück und lassen sie von den Autoren noch einmal überarbeiten und schließlich setzen. Nach dem Probedruck haben alle dann noch einmal die Möglichkeit, Verbesserungsvorschläge einzubringen.“ Ausgerechnet zur Jubiläumsausgabe hat dem Team der Zeitdruck einen Strich durch die Rechnung gemacht. Klassenarbeitstermine und Abgabefristen kollidieren allzu oft, so musste am Ende die unbearbeitete Testversion in der endgültigen Auflage von 400 Stück gedruckt werden.

„Die guten Leute sind meist nicht nur in der Schülerzeitung“, meint Claudia Häfner, „Terminengpässe müssen also immer einkalkuliert werden.“ So gehört neben dem Texte­schreiben das Werben um Anzeigenkunden zu den Aufgaben aller Redakteure. Dabei ist Hartnäckigkeit gefragt, weiß Nadine Schmitt: „Die Bereitschaft, in Schülerzeitungen zu werben, ist nicht sonderlich hoch. Wir müssen immer wieder vorbeigehen, nachfragen, Klinken putzen.“ Bislang hat sich jede Ausgabe finanziell getragen; Verkäufe, Anzeigeneinnahmen und vor allem die Geldpreise aus den Wettbewerben – wie zuletzt auch vom Lionsclub – reichen in den meisten Jahren gerade so aus.

Angesichts der Finanzierungsschwierigkeiten müssten die Verantwortlichen immer einen „Kompromiss zwischen Schülerorientierung und Juryzeitung“ finden, meint Elke Claß. Zudem verhindere das einmalige Erscheinungsdatum am Ende des Schuljahres, dass aktuelle schulbezogene Themen behandelt werden könnten. „Wir verstehen die Zeitung eher als Spielwiese für literarische Formen. Wir können uns ausprobieren, verschiedene Stile und Textformen wählen. Es gibt sachliche Erörterungen, persönliche Erfahrungsberichte, Interviews bis hin zu Gedichten und Bildergeschichten“, fasst Lisa-Marie Kron zusammen. Wie Daniel Meyer schreibt sie dieses Jahr im Autorenteam. Er meint: „Interessant an unserer Arbeitsweise ist ja, dass jeder seine Nische im übergeordneten Thema findet. Jeder bringt seine Interessen ein; im Gesamten haben wir dann unglaublich viele Aspekte ausgeleuchtet und eröffnen den Lesern so hoffentlich neue Facetten und Zugänge zu den Themen.“

Erschwert wird die Arbeit an der Schülerzeitung, da sind sich Lehrerinnen und Schüler einig, hauptsächlich durch die fehlende Identifikation der meisten Schüler mit ihrer Schule. „An allgemeinbildenden Gymnasien ist das wahrscheinlich anders“, glaubt Sonja Weiß. Gern wäre man als Schülerzeitung Bindeglied zwischen den verschiedenen Vollzeitschularten der Jakob-Friedrich-Schöllkopf-Schule, sagt sie, bislang rekrutiere sich die Redaktion erfahrungsgemäß jedoch zum größten Teil aus Wirtschaftsgymnasiasten. Claudia Häfner ergänzt: „Wir können eben nicht kontinuierlich von der fünften Klasse an mit den Schülern arbeiten. Die meisten kommen für die letzten drei Jahre hierher, haben privat Hobbys, dazu kommt der Abistress, für AGs fehlt dann vielen einfach Zeit und Energie.“

Was motiviert die Nachwuchsjournalisten, sich diese Zeit dennoch zu nehmen? „Wer Interesse am Schreiben hat, kann hier durch Kritik und Lob – übrigens von Lehrern wie von Mitschülern – besser werden. Das reizt mich“, sagt Helen Flöck. „Wir haben relativ viele Freiheiten hier und können uns auch mit großen gesellschaftlichen Themen befassen“, erzählt Lilli Popp. Laura Knödler und Bianca Latzel meinen: „Es macht auch einfach Spaß, in so einem homogenen Team mitzuarbeiten und am Schuljahresende ein fertiges Produkt zeigen zu können.“ Und nicht zuletzt könne die Mitarbeit an einer erfolgreichen Schülerzeitung später bei Bewerbungen einmal eine wichtige Referenz sein, ergänzt Elke Claß.