Zum „Geburtstag“ bekommt das Owener Geschichtshaus Geschenke – vor allem ein Stadtmodell
Auf Owen schauen wie einst Mörike

Am Samstag hat die Stadt Owen Geburtstag gefeiert – nicht etwa den 751. im Jahr nach den Jubiläumsfeierlichkeiten. Nein, es war der allererste Geburtstag, und das „Geburtstagskind“ war das Geschichtshaus der Stadt. Wie es sich für einen solchen Anlass gehört, gab es auch reichlich Geschenke.

Owen. „Dieses Haus soll mit Leben gefüllt sein“, sagte Bürgermeisterin Verena Grötzinger zum Beginn der Veranstaltung, um mit berechtigtem Stolz festzustellen: „Das haben wir geschafft.“ Immer wieder seien die Ausstellungen so zu ergänzen, dass es sich für alle Besucher lohnt, wenigstens einmal im Jahr vorbeizuschauen. Was bei den aktuellen Ergänzungen besonders augenfällig ist, das ist das neue Stadtmodell, das Owen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zeigt. So wie auf dem Modell zu sehen, muss sich das Städtchen auch dem 25-jährigen Eduard Mörike präsentiert haben, als er Ende 1829 erstmals als Vikar nach Owen kam.

Landrat Heinz Eininger beglückwünschte die Stadt Owen zu ihrem Geschichtshaus und berichtete, wie sich auf seiner Fahrt kurz vor Owen plötzlich der Nebel lichtete und die Sonne zum Vorschein kam – und es wirkte beinahe so, als ob er Napoleons Sonne von Austerlitz beschrieben hätte. Jedenfalls empfand er diesen „Sonnenaufgang“ als symbolisch für den Owener Bürgersinn, der speziell auch im Geschichtshaus sichtbar werde. „Geschichte schafft Identität“, stellte der Landrat fest, lobte die Owener aber gleichzeitig dafür, dass sie selbst in ihrem Geschichtshaus nicht nur nach hinten blicken. Vielmehr werde die Ausstellung dynamisch ergänzt, denn schließlich werde Geschichte „manchmal auch neu geschrieben“.

Mit diesem Stichwort schlug Heinz Eininger einen Bogen zwischen seiner Zeit als Kirchheimer Bürgermeister und dem Geburtstag des Owener Geschichtshauses. In Kirchheim sei Museumsleiter Rainer Laskowski im Schnitt einmal pro Jahr bei ihm erschienen und habe aufgrund neuester Ausgrabungen zu ihm gesagt: „Wir müssen die Geschichte der Stadt ganz neu schreiben.“

Inzwischen ist Rainer Laskowski in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Förderkreises „Alt-Owen“ auch im Geschichtshaus aktiv. Seine vielfältigen Kontakte sorgten dafür, dass er nun der Bürgermeisterin das Porträt eines ihrer Amtsvorgänger übergeben konnte. Eine Familie Mohr aus Tübingen hatte das Bildnis gestiftet, auf dem Amtmann Christoph Friedrich Faber zu sehen ist, der von 1794 an bis zu seinem Tod 1820 als Verwaltungsbeamter in Owen gewirkt hat. Rainer Laskowski bemerkte zu diesem Gemälde: „Wenn es einen Ort für Geschichte gibt, kommt das, was erhalten ist, langsam wieder zurück.“

Letzteres gilt auch für ein prachtvolles Buch: eine Bibel, die 1729 bei Cotta in Tübingen gedruckt worden war. Erika Jaeger, eine alte Owenerin, die schon seit vielen Jahren in Mannheim lebt, hatte diese Bibel im Nachlass ihres Vaters gefunden. Jetzt hielt sie den richtigen Zeitpunkt für gekommen: „Die Bibel soll wieder zurück in meine Heimatstadt.“

Als „modern und auch geschichtsbewusst“ bezeichnete Christof Leuze die Owener. Als Zweiter Vorsitzender des Förderkreises „Alt-Owen“ dankte er allen Unterstützern, die es möglich gemacht haben, dass es nun ein Modell der Stadt Owen im Geschichtshaus gibt. Voldemar Hailer habe das Modell in jahrelanger Arbeit geschaffen, und ganz Owen sei stolz darauf.

Nicht weniger stolz ist der Modellbauer selbst auf sein Werk. Die Anregung dazu sei vom verstorbenen Stadtrat Günther Diez gekommen, sagte Voldemar Hailer. Besonders dankte er Christof Leuze dafür, dass er den „Druck der Fertigstellung rausgenommen“ habe, und Fritz Nuffer für seine Owener Geschichtskenntnis. Nur ihm habe er nämlich die Details über Gebäudehöhen und First­richtungen zu verdanken. Zum Fertigstellungstermin beruhigte Bürgermeisterin Grötzinger den Modellbauer: „Das war genau richtig zum Geburtstag des Geschichtshauses.“