Kreis Esslingen. Sollte die Regelung kommen, würde dies für Patienten aus Nürtingen, Kirchheim oder Lenningen bedeuten, dass sie bei einem augenärztlichen Notfall nachts oder am Wochenende unter Umständen bis nach Stuttgart fahren müssen, je nachdem, welcher Augenarzt Bereitschaft hat.
Die Mediziner, die für die Zusammenlegung der Notfalldienstbezirke sind, argumentieren mit einer nicht mehr zumutbaren zeitlichen Belastung. Zehn Augenärzte aus dem Raum Nürtingen, Wendlingen, Köngen, Kirchheim und Filderstadt stellen die Notfallversorgung außerhalb der Sprechzeiten sicher. Jeder von ihnen habe im Jahr etwa 35 Tage Notdienst, sagt der Kirchheimer Augenarzt Peter Enke. Das bedeute fünfmal im Jahr sieben Tage Einsatz rund um die Uhr, bei gleichzeitiger täglicher Praxisarbeit von zehn bis zwölf Stunden.
Enke und seine Kollegen berufen sich auf eine Gesetzesänderung vom Juli zur Reform des Bereitschaftsdienstes, mit der die Belastung reduziert und außerdem eine vergleichbare Dienstbelastung zwischen Ärzten auf dem Land und in der Stadt geschaffen werden soll.
Im Frühjahr wurde bereits der Notdienstbezirk Esslingen-Stadt, zu dem auch Plochingen gehört, an den Bezirk Stuttgart angegliedert. Die dortigen 80 Augenärzte hätten seither nur noch vier bis fünf Notdiensttage im Jahr, sagt Enke. Diesem Bezirk wollen nun auch die Augenärzte im Altkreis Nürtingen angegliedert werden. Doch sie fühlen sich von der KV stiefmütterlich behandelt. Mehrere Anträge seien gestellt worden, aber die KV habe nicht reagiert. Enke hat nun auch im Namen seiner Kollegen einen offenen Brief an den Landrat, Landtagsabgeordnete und Oberbürgermeister geschrieben und um Unterstützung gebeten.
Zwar hätten die Betroffenen in Gesprächen mit Vertretern der KV immer wieder den Eindruck gehabt, dass man dort dem Anliegen positiv gegenüberstehe. Entschieden sei aber bislang nichts. Dies obliegt der Notfalldienstkommission der kassenärztlichen Vereinigung. Die Nürtinger und Kirchheimer Ärzte wollen eine Veränderung ab 2013. Dass eine Zusammenlegung der Notfalldienstbezirke längere Fahrtstrecken für die Patienten bedeutet, halten sie für zumutbar. Laut KV seien Strecken von 50 Kilometern hinnehmbar.
Dies sieht man bei der KV aber anders. „Eine Zusammenlegung der Notdienstbezirke hätte zur Folge, dass Patienten aus Neuffen oder Schopfloch bis nach Zuffenhausen fahren müssten, und umgekehrt“, sagt Pressesprecher Kai Sonntag. Deshalb habe die Kommission den Wunsch der Ärzte abgelehnt. Aus Sicht der KV sei bei einer Ausweitung auf den Landkreis Esslingen eine zentrale Anlaufstelle für den augenärztlichen Notdienst erforderlich.
„Wir möchten eine gütliche Einigung“, sagt Augenarzt Enke. Es sei klar, dass eine Lösung mit einer zentralen Notfallpraxis Geld koste und auch nicht bis zum Jahresende zu schaffen wäre. Fakt sei, dass der jetzige Zustand nicht andauern könne.
