Arbeitskreis fordert mehr Ausbildungsplätze für junge Menschen mit einer Behinderung
Ausbildung muss inklusiv sein

Der Arbeitskreis der Vertrauenspersonen der schwerbehinderten Menschen hat sich mit dem Thema „Ausbildungsplätze für junge Menschen mit einer Behinderung“ beschäftigt.

Kreis Esslingen. Laut Arbeitskreis gibt es vielfältige Hilfen, um junge Menschen mit Behinderung in Ausbildung zu bringen. Dennoch sind Vorurteile immer noch weit verbreitet. Programme mit ständig veränderten Namen wie Integration und Inklusion seien wichtig. Noch lieber wäre es dem Arbeitskreis, wenn es mehr Normalität im Umgang mit behinderten Jugendlichen gäbe.

Eindrucksvoll schilderte Georg DuMont, Vertrauensperson der Firma Gehring, seine Erfahrungen mit der Ausbildung eines schwer hörbehinderten Auszubildenden. Hilfen, Verständnis und viel Energie seien erforderlich gewesen. „Es war eine Bereicherung für alle, die wir nicht missen möchten“, sagte DuMont.

50 Vertrauenspersonen aus Verwaltungen und Betrieben im Land­kreis Esslingen informierten sich bei der letzten Schulungsveranstaltung in diesem Jahr über die Hilfsangebote der Agentur für Arbeit und des Integrationsfachdienstes. Zu Gast waren die Vertrauenspersonen bei Bosch Thermotechnik in Wernau. Werkleiter Armin Schwab stellte den Teilnehmern den Betrieb vor. „Wettbewerbsfähigkeit stärken und zugleich soziale Verantwortung zeigen, ist wichtig“, sagte Armin Schwab. Menschen mit Behinderungen sind für ihn nicht leistungsschwächer, der richtige Einsatz sei entscheidend. Im Unternehmen sind sieben Prozent der Beschäftigten Menschen mit Behinderungen – eine vorbildliche Quote.

Rainer Lippmann, Teamleiter Reha/SB der Agentur für Arbeit Göppingen, erläuterte die Fördermöglichkeiten der Agentur. Berufsorientierung bedeutet vertiefte Eignungsfeststellung und Vorbereitung der Berufswahlentscheidung. Weitere Fördermöglichkeiten sind berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen und die Durchführung betrieblicher Praktika. Ausbildungsbegleitende Hilfen sind Maßnahmen zum Abbau von Sprach- und Bildungsdefiziten, Förderung fachpraktischer und fachtheoretischer Fertigkeiten und sozialpädagogische Begleitung. Für Arbeitgeber gibt es den Ausbildungszuschuss.

Der Integrationsfachdienst ist für die Vertrauenspersonen ein wichtiger und verlässlicher Partner. „Ausbildung Inklusiv“ heißt ein neues, vielversprechendes Förderprogramm in Baden-Württemberg. Es hat eine Laufzeit von über fünf Jahren. Gabi Marschall, Teamleiterin des Integrationsfachdienstes Esslingen, stellte es den Teilnehmern vor. In zunächst neun Modellregionen im Land werden Angebote einer vertieften Berufsorientierung für junge Menschen mit Seh-, Hör-/Sprach- und Körperbehinderung, mit Epilepsie oder Autismus erprobt. Ab dem Schuljahr 13/14 sollen sämtliche Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf in dieses Programm einbezogen werden.

Anschließend verabschiedete Michael Köber Beate Schweinsberg-Klenk, die als Sprecherin den Arbeitskreis 15 Jahre leitete und 45 Veranstaltungen durchführte. „Mit viel Herzblut und Kompetenz, im Interesse der behinderten Menschen haben sie diese Aufgabe erledigt. Dafür gilt unser besonderer Dank“, sagte Michael Köber. Neuer Sprecher ist Thilo Matt, der von Heidrun Bay unterstützt wird.bs