Göppingen. Der Ausbildungsmarkt ist im Umbruch – das wurde gestern bei der Pressekonferenz zum Ausbildungsjahr 2011/12 in der Göppinger Agentur für Arbeit deutlich. „Die demografische Entwicklung und der zunehmende Bedarf an Fachkräften machen es notwendig, sich als Unternehmen im Wettbewerb um junge Nachwuchskräfte frühzeitig zu positionieren“, sagte Bettina Münz, stellvertretende Leiterin der Göppinger Arbeitsagentur.
Insgesamt präsentierte sie eine erfreuliche Bilanz zum Ausbildungsjahr 2011/12. Der Göppinger Bezirk der Agentur für Arbeit, zu dem die Landkreise Esslingen und Göppingen gehören, „steht sehr gut da“. Die anhaltend stabile wirtschaftliche Lage in der Region habe den Ausbildungsstellenmarkt weiter positiv geprägt. Die gemeldeten Ausbildungsstellen hätten im Vergleich zum Ausbildungsjahr 2010/11 nochmals deutlich zugenommen. Demgegenüber sei die Zahl der Jugendlichen, die sich bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz an die Agentur für Arbeit gewandt hatten, gesunken. Die Anforderungen der Ausbildungsbetriebe hätten allerdings nicht in allen Fällen zu den Jugendlichen gepasst. Einige Arbeitgeber hätten deshalb auch vermeintlich schwächeren Jugendlichen eine Chance gegeben. Oft hätten sich diese in der Praxis aber gut entwickelt, freute sich Bettina Münz.
Die stellvertretende Agenturleiterin vermeldete noch eine weitere erfreuliche Nachricht: Zwar konnte sie aus statistischen und datenschutzrechtlichen Gründen keine genaue Zahl verkünden – aber es sei überaus positiv, dass „weniger als drei Jugendliche zum 30. September 2012 keinen Ausbildungsplatz oder ein Alternativangebot erhalten haben“. Dies sei auch den Beratern der Arbeitsagentur zu verdanken, die an allen Schulen präsent seien und die jungen Leute bei der Suche nach einem geeigneten Ausbildungsplatz unterstützen.
Bettina Münz räumte allerdings auch ein, dass 303 Jugendliche bei der Bewerbung um einen Ausbildungsplatz nicht erfolgreich gewesen seien. Für diese jungen Leute habe es aber Alternativangebote gegeben: Sie begannen Fördermaßnahmen oder Praktika, um ihre Chancen für das kommende Ausbildungsjahr zu verbessern. In der Statistik der Arbeitsagentur treten diese Jugendlichen dann im nächsten Jahr als sogenannte Altbewerber auf – also als Jugendliche, die auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz sind, aber nicht unmittelbar von der Schule kommen.
Die Zahl der „Altbewerber“ sei zum 30. September 2012 zurückgegangen, betonte Volker Seitz, Teamleiter für die Berufsberatung der unter 25-Jährigen – und zwar um 7,4 Prozent auf 1 638 Jugendliche. „Es gibt Jugendliche, die noch nicht ausbildungsreif sind und eine Zwischenstufe benötigen. Aber wir schieben hier keine Bugwelle vor uns her“, wies Bettina Münz den Vorwurf zurück, dass zu viele junge Leute eine Warteschleife nach der anderen drehen. Freilich gebe es darüber hinaus auch Jugendliche, die keinen Ausbildungsplatz erhalten, sich trotz Aufforderung aber auch nie bei der Agentur für Arbeit gemeldet hätten, fügte Bettina Münz hinzu. Sie appellierte an diese jungen Leute, die Beratung der Arbeitsagentur in Anspruch zu nehmen: „Meldet euch, lasst euch helfen!“
Rechnerisch kamen im nun abgelaufenen Ausbildungsjahr 1,17 Stellen auf einen Bewerber. Zum Vergleich: Im Vorjahr waren es 1,08 Stellen. „Die Chance, einen Ausbildungsplatz zu finden, war gut. Wir hatten auch schon zwei Bewerber auf eine Stelle“, sagte Bettina Münz.
Zu beobachten sei darüber hinaus, dass sich immer mehr Jugendliche zum Beispiel nach dem Haupt- oder Realschulabschluss für einen weiteren schulischen Weg entscheiden. Auch die Möglichkeit, an Werkrealschulen die zehnte Klasse zu besuchen, werde verstärkt genutzt. Auch deshalb sei die Nachfrage der Unternehmen nach Auszubildenden höher als das „Angebot“.
Die Arbeitslosigkeit der 15- bis 25-Jährigen liege im Göppinger Agenturbezirk aktuell bei drei Prozent, informierte Bettina Münz weiter. Damit könne man sich absolut glücklich schätzen. Die stellvertretende Agenturleitern verwies hier auf Länder wie Griechenland und Spanien, die eine Jugendarbeitslosigkeit von etwas über 50 Prozent zu beklagen hätten.
„Es ist wichtig, weiterhin allen Jugendlichen eine neutrale und langfristig angelegte Beratung anzubieten“, blickte Bettina Münz schließlich in die Zukunft. Hinzu komme eine weitere Aufgabe: „Wir müssen uns verstärkt Gedanken darüber machen, wie der Fachkräftebedarf gesichert werden kann.“
