Weilheim. Es gibt sie wirklich, die immer und überall gerne zitierten Menschen, die ihr Glück in dem Moment fanden, als sie es wagten, tatsächlich das geliebte Hobby zum Beruf zu machen. Werner Feirer wollte sich dabei wohl seiner Sache ganz
besonders sicher sein, denn er hat für die Erfüllung seines Lebenstraums gleich zwei seiner Leidenschaften miteinander verbunden. Welchen Erfolg der passionierte Fotograf der Lüfte damit hat, ist derzeit im Foyer des Weilheimer Rathauses zu sehen.
Was sich hinter dem lapidaren Titel „Luftbildfotografien“ verbirgt, wurde bei der offiziellen Ausstellungseröffnung am Donnerstagabend deutlich, kann aber auch auf eigene Faust noch bis zum 28. März während der üblichen Öffnungszeiten des Rathauses entdeckt werden. Hauptamtsleiter Marcus Launer verortete in seinem Grußwort die 50 ausgestellten faszinierenden Aufnahmen zunächst im zugrunde liegenden Konzept einer erfolgreichen Reihe, die immer wieder „Künstlerisches und Besonderes mit einer Beziehung zur Stadt Weilheim“ bieten wolle.
Das Besondere, das die aktuell ausgestellten Arbeiten auszeichne, erkannte Marcus Launer im gewählten Fortbewegungsmittel für die Suche nach der richtigen Perspektive für oft klar vorgegebene Motive. Ein Gleitschirm mit Motor erlaube Werner Feirer, viel näher heranzukommen und an ganz andere Positionen für seine Aufnahmen zu gelangen, als dies ein Flugzeug je schaffe. Zudem könne er seine hervorragenden Detailaufnahmen aus spektakulären Blickwinkeln dank der Wendigkeit des Gleitschirms so lange wiederholen, bis er sein angestrebtes Optimum erreicht habe.
Kreisarchivar Manfred Waßner richtete das Augenmerk des Publikums naturgemäß zunächst auf die historische und damit dokumentarische Dimension eines Mediums, das auf eine durchaus kriegerische Vergangenheit zurückblicke. Den größten Sprung nach vorn habe die Fotografie aus der Vogelperspektive der Zeit ihres ersten Einsatzes im Ersten Weltkrieg zu verdanken, weshalb auch die Bezeichnung „Kriegsperspektive“ durchaus gerechtfertigt sei.
Für einen neuen Aufschwung habe zweifellos die Demokratisierung des inzwischen längst zur Selbstverständlichkeit gewordenen Luftbildes gesorgt. Über „Google Earth“ komme heute jeder an solche Aufnahmen heran, während früher jedes einzelne Luftbild vom Regierungspräsidium habe genehmigt werden müssen. Dass diese leidigen Zeiten überwunden sind, erleichtert dabei nicht nur die Arbeit in Archiven sondern auch in Zeitungsredaktionen, die angesichts früherer Restriktionen lange lieber gar kein, als ausgerechnet ein mit großem bürokratischem Aufwand verbundenes Luftbild abzudrucken.
Erfreuliche Folge der Abschaffung jeglicher Genehmigungspflicht war, dass sich nicht nur ein neuer Markt entwickelte, sondern auch immer mehr Profis in eine Ecke drängten, die dank der rasanten Entwicklung auf dem Feld der Digitalisierung auch qualitativ immer attraktiver wurde. Immer klarer sei mit der Zeit auch erkannt worden: „Abstand schafft Einsicht – vor allem von oben . . .“, stellte Laudator Waßner fest.
Dank eines Könners wie Werner Feirer sei es heute ganz einfach, mit dem Medium der Luftfotografie auf einen Blick zu zeigen, wie weit sich beispielsweise ein neues Baugebiet erstreckt oder wo genau die neue Eisenbahntrasse verlaufen soll. Auch wenn bei vielen der ausgestellten Luftaufnahmen die dokumentarische Funktion überwiege, sei dieser nüchterne Zweck aber immer untrennbar mit einem optisch-ästhetischen Reiz verbunden.
Die fließenden Grenzen zwischen diesen Kategorien jedes Mal neu auszuloten, ist ihm offensichtlich wichtig. Ein Luftbild der Limburg faszinierte ihn deshalb ganz besonders, weil hier deutlich die Spuren der einstigen Burg zu erahnen seien, während bei anderen Exponaten ihrer landwirtschaftlichen Tätigkeit nachgehende Menschen oder die am Schießplatz ihre Bogen spannenden Schützen erst durch ihre die Bilder bestimmenden Schatten erkennbar würden. Wer aufmerksam die Bilder Revue passieren lässt und nach diesem Raster bewertet, wird vor allem bei den Regenbogen- und Inversionswetterlagen-Bildern auf eine ganz besonders dramatische Verbindung aus Dokumentation und Ästhetik stoßen.
Laudator Manfred Waßner attestierte Werner Feirer große Flexibilität und Alltagstauglichkeit, lobte vor allem aber, dass er ein offenes Auge für interessante Dinge habe. Er dankte ihm für neue Einsichten in eine schöne Gegend und sensibilisierte für den Mut, der dazu gehöre, unter einem fliegenden Motordrachen zu arbeiten.
Seit rund sieben Jahre ist Werner Feirer hauptberuflich auf diesem Gebiet tätig. Dass er dabei schon einige „brenzlige“ Situationen erlebt hat, räumt er ein, macht aber nicht viel Aufheben darum. 60 000 Aufnahmen hat er bei bislang etwa 190 Motorflügen geschossen. Im Schnitt machte er bei seinen etwa zweistündigen Flügen rund 300 Bilder.
Bei drei Litern Verbrauch pro Stunde hielt er sich daher mit 8,5 Litern an Bord bislang für gut mit Reserven ausgestattet. Seit er nach einer ganz normal verlaufenen Landung feststellen musste, dass er nicht einen Tropfen mehr im Tank hatte, sorgte er sofort für mehr Sicherheit. Mit einem Rückspiegel kontrolliert er seither gewissenhaft den Pegelstand im transparenten Tank.
Dass einst über Weilheim ein Kolbenfresser für einen plötzlichen Motorausfall sorgte, war nicht vorab zu erkennen und zu verhindern. Froh war er daher, dass er genügend Höhe hatte, um nach einem Gleitflug mit einer Sinkgeschwindigkeit von eineinhalb Metern pro Sekunde festen Grund ansteuern und sicher landen konnte.
Bei einer anderen glücklich ausgegangenen Notlandung hatte er selbst in der Luft wegen eines plötzlichen Störgeräusches im Bereich der Hahnweide den Motor ausgeschaltet und den rettenden Gleitflug eingeleitet. Wie sich zeigte, hatte sich ein Metallteil gelöst und schlug daher gegen den rotierenden Propeller.
Die Gelegenheit, mit dem bescheidenen Kameramann zwischen Himmel und Erde ins Gespräch zu kommen, wurde gerne genutzt, und die Chance wahrgenommen, vor allem den Blick auf Weilheim aus unterschiedlichsten Höhen ohne jede damit verbundene Anstrengung zu genießen. Für die gelungene musikalische Umrahmung der Feierstunde zur Ausstellungseröffnung hatte Katharina Maier mit ihrem Alt-Saxofon gesorgt. Nach dem Stück „Au Fil du Vent“, in dem sich der Komponist Roland Kernen mit dem auch für Werner Feirer bei seiner Arbeit nicht unwichtigen Thema „Wind“ beschäftigte, schloss sie den Abend stimmig mit Whitney Houstons „One Moment in Time“.
Das einfühlsam interpretierte Stück passt tatsächlich thematisch sehr gut zu den im Rathausfoyer präsentierten Reigen unvergessener und „einmaliger Momente“, die bei einer atemberaubenden Vorauswahl aus 60 000 möglichen auf 50 ganz besonders spannende eingefrorene Augenblicke verdichtet wurden.
