In der DJ-Szene wird Tel Aviv in einem Atemzug mit New York und Paris genannt. Viele Jugendliche leben hier für die Musik, andere für das Skaten. Zwei Jugendszenen, die auch in Esslingen viele Anhänger haben. Warum also nicht zwei junge Subkulturen über einen Austausch verbinden, dachte sich Ralph Rieck, Geschäftsführer des Esslinger Kreisjugendrings.
JULIA MARLEN LANG
Esslingen. „Viele Institutionen und Vereine wie die Jugendfeuerwehr oder das Jugendrotkreuz organisieren für ihre Mitglieder Ausflüge und interessante Reisen. Ich finde es wichtig, dass auch andere Jugendliche die Chance bekommen, etwas von der Welt zu sehen“, erklärt Rieck.
Nachdem er vor einem Jahr die Geschäftsführung des Kreisjugendrings übernommen hatte, erinnerte er sich an die lange Beziehung zwischen dem Kreisjugendring (KJR) und Israel. Der ehemalige Geschäftsführer Otto Weinmann hatte bereits 1966 eine erste Gruppe nach Israel geschickt. Rieck versuchte darum zunächst, wieder einen traditionellen Austausch auf die Beine zu stellen. Das hatte zuletzt im Jahr 2000 geklappt. Keine Chance, sagte ihm sein Vorgänger Kurt Spätling, die israelische Verwaltung sei mittlerweile noch undurchdringlicher als die deutsche. „Gut, dachte ich mir, umgehe ich eben die Verwaltung und suche nach einem neuen Ansatz“, sagt Rieck.
Mit finanzieller Hilfe des Landkreises organisierte er eine einwöchige Israelreise für 14 junge Skater und Musiker. Er hofft, dass sich während dieser Reise neue Freundschaften ergeben, um diese neuen Bekanntschaften später nach Deutschland einzuladen. Organisatorische Hilfe bekam er von Jörg Freitag, einem Sozialpädagogen des Esslinger Jugendhauses „Komma“ und dem 19-jährigen Moritz Kuhn, der dort gerade ein Freiwilliges Soziales Jahr absolviert. „Zufälligerweise kenne ich Israel seit vielen Jahren und weiß, wie groß diese beiden Jugendkulturen vor allem in Tel Aviv sind“, sagt Freitag. 14 Jugendliche aus dem direkten Umfeld des „Komma“ wählte er dann für den Israelaustausch aus. Auch Moritz Kuhn fliegt mit. Eine konkrete Erwartung an Israel hat er nicht und so geht es den meisten Mitreisenden. Einer von ihnen, Benjamin Fischer, glaubt zu wissen, warum das so ist: „In den Nachrichten wird immer nur die politische Seite von Israel gezeigt, nie das wirkliche Leben der Menschen dort. Kein Wunder also, dass wir keine Vorstellung in unseren Köpfen haben, wie bei einer Reise nach Italien.“ Der 21-jährige DJ freut sich darauf Gleichgesinnte kennenzulernen und gemeinsam mit ihnen die berühmte Klubszene von Tel Aviv zu erleben.
Die Studentin Louise Domhan hat sich für ihren Aufenthalt im Nahen Osten etwas anderes vorgenommen: „Skaten, skaten, skaten und sonst nichts.“ Die 19-Jährige ist schon gespannt darauf, auf welche Skaterbahnen sie ihre israelischen Bekanntschaften entführen. Schon vor Reiseantritt erste Kontakte zu knüpfen, war für die Jugendlichen nicht schwer. „Wir haben einfach ein paar Leute im Internet angeschrieben“, erklärt Fischer. Die meisten Türen öffneten ihnen jedoch die Mitglieder der Band „Die Nerven“, die ebenfalls mitfliegen und in der Musikszene über die deutschen Grenzen hinaus bekannt sind.
Die Erlebnisse der Gruppe werden in einem Dokumentarfilm festgehalten. Filmstudenten der Lette Akademie Berlin und der Stuttgarter Hochschule der Medien werden die Jugendlichen begleiten. Vor ein paar Wochen hat die Gruppe das Filmteam kennengelernt. Nach einem gemeinsamen Frühstück folgte der erste Dreh zum Thema Erwartungen. Nach der Reise sollen die Jugendlichen noch einmal Stellung beziehen. Damit möchte das Filmteam festhalten, ob sich das Bild von Israel bei den jungen Skatern und Musikern während der Reise verändert hat.
