Anwohner lehnen Freilegung der Weppach kategorisch ab – Räte fassen entsprechenden Beschluss
Bürgerwille und Ökologie

Nach Wunsch der Anlieger soll die Notzinger Straße in Kirchheim saniert werden, ohne jedoch die Weppach zu öffnen. Deswegen ist der Technische Ausschuss nun dem Bürgerwunsch gefolgt und hat gegen eine Öffnung des Gewässers votiert. – Ob dies wasserrechtlich durchgeht, bleibt abzuwarten.

Kirchheim. Nach der Beteiligung der Öffentlichkeit am Bebauungsplan Notzinger Straße und einem Vor-Ort-Termin fasste Stadtplaner Gernot Pohl die Ergebnisse zusammen: Die Notwendigkeit, die Wepp­ach zu öffnen, wird von den Anwohnern massiv infrage gestellt. Nach wie vor sieht die Verwaltung allerdings die Weppach-Öffnung gemäß gemeinderätlichem Beschluss vom Vorjahr als richtig an. Alternativ sei es aber auch denkbar, derzeit geschotterte und beparkte Flächen, unter denen die Weppach läuft, den Anliegern als Vorgärten zur Verfügung zu stellen und auf deren Kosten Zäune zu errichten. Dadurch würden keine Erschließungsbeiträge anfallen, ebenso wenig wie für die Weppach-Öffnung. Anders sähe es nur bei der Anlage von Verkehrsgrün in öffentlicher Hand aus. Planerisches Ziel ist jedenfalls, die Straße durch mehr Grün zu gestalten.

Albert Kahle (FDP/KIBÜ) betonte, dass ausnahmslos alle Anwohner die Freilegung der Weppach strikt ablehnten. Die Weppach führe seit Jahrzehnten kein Wasser mehr, weshalb es unverantwortlich sei, für dieses Vorhaben 90 000 Euro an Steuergeldern auszugeben. Wenn die Wepp­ach-Öffnung beschlossen werde, sei dies ein Beispiel für Missachtung des Bürgerwillens. Für die CDU schloss sich Dr. Thilo Rose der Meinung an, man solle nicht gegen den Willen der Anwohner entscheiden. Und auch SPD-Fraktionssprecher Walter Aeugle sah keinen Anlass für eine „Zwangsbeglückung“, wenn die Weppach-Öffnung eben nicht erwünscht sei.

Ganz klar für die Öffnung sprach sich aus Gründen der Biotopvernetzung Karl-Heinz Schöllkopf von den Grünen aus. Auch Hanns-Karl Schühle, sachkundiger Bürger in Umweltfragen, zeigte sich als Verfechter der Weppach-Öffnung, die jenseits der L 1200 schon erfolgt sei, damals übrigens als Ausgleichsmaßnahme: „Man hat im vorderen Bereich schon A gesagt und will jetzt auf B verzichten.“ Eva Frohnmeyer-Carey von der Frauenliste gab zu bedenken, dass die Zeiten vorbei seien, in denen der Lebensraum der Autos in den Städten geschützt werde, und plädierte ebenfalls für die Öffnung. Dem schloss sich CIK-Vertreter Hans Kiefer an. Auch Hagen Zweifel, Sprecher der Freien Wähler, meinte, wenn Bürger gezielt beteiligt würden und dann klare Aussagen machten, sollte man sich danach richten. Gemeinsam mit dem CDU-Fraktionsvorsitzenden Helmut Kapp plädierte er allerdings für offene Vorgärten ohne Zäune.

Bürgermeister Günter Riemer verwies darauf, dass der Verzicht auf die im vergangenen Jahr beschlossene Weppach-Öffnung erst mit dem Landratsamt besprochen werden müsse. Das Wassergesetz des Landes verlange nämlich die Öffnung. Im Schreiben des Landkreises, das noch vom Öffnungsvorhaben ausgeht, steht: „Die Offenlegung der Weppach wird sehr begrüßt.“

Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker ließ schließlich über eine ganze Reihe von Anträgen abstimmen: Das entscheidende Ansinnen von Albert Kahle, die Weppach nun doch nicht freizulegen, erhielt mit elf Pro-Stimmen eine klare Mehrheit. Mit 17 Stimmen abgelehnt wurde allerdings Kahles Antrag, offene Passagen der Weppach jetzt zu verdolen. Die Stellen, an denen die Wepp­ach derzeit unterirdisch läuft, sollen den Anwohnern gemäß dem Antrag von Hagen Zweifel künftig ohne Umzäunung als Vorgärten zur Verfügung gestellt werden, wobei Parken hier ausgeschlossen wird. Ansonsten bleibt es bei dem bereits gefassten Beschluss, die Notzinger Straße auszubauen, wofür Erschließungsbeiträge anfallen. Die Verwaltung bereitet nun die öffentliche Auslegung vor.

„Es kann keine Ökodiktatur geben!“ – Absage Walter Aeugles an eine Entscheidung nach ökologischen Kriterien entgegen klar geäußertem Bürgerwillen.