Kirchheim. Die Max-Eyth-Schule Kirchheim ist Teil eines deutsch-französischen Austauschprogramms. In Zusammenarbeit mit dem französischen Lycée Saint Exupéry aus Bellegarde-sur-Valserine entwickeln die Schüler im gemeinsamen Austausch Solarö
fen.
Bereits im Jahr 2008 entstand die Projektidee, als sich Lehrer deutscher und französischer Schulen in Freiburg zu einer Fortbildung trafen. Schnell war ein gemeinsames Projekt in Planung. Hintergrund des Gedankens war die Förderung der deutsch-französischen Gemeinschaft. „Die Schüler sollen die deutsche Sprache und die deutsche Kultur kennenlernen“, sagte der französische „Professeur technique“ Michel Sandon.
Nach der vorerst separaten Planung der Öfen kam es als Nächstes zu einem Austausch der deutschen Schüler nach Frankreich. Die Beteiligten sahen sich zum ersten Mal unterschiedlichen Ideen und Herangehensweisen gegenüber. Aus dieser Erfahrung entwickelten die Schulen die verschiedenen Solaröfen weiter.
Die Ergebnisse der Klassen sprechen für sich. Die französischen Klassen 2nd und 1ere Professionnelle Maintenance Industrielle brachten drei selbst entwickelte Solaröfen zum Gegenbesuch nach Deutschland mit. Fünf weitere Öfen entwarfen die Klassen TGTJ 1 und TGIJ 1 der Max-Eyth-Schule. Im gegenseitigen Austausch der unterschiedlichen Methoden und Materialien sollen nun die Solaröfen gebaut werden. Die Öfen, die sich allein durch die Wärme der Sonne erhitzen, sind bewusst einfach gehalten. Trotzdem erreichen sie bei günstiger Sonneneinstrahlung Temperaturen von 100 bis 150 Grad Celsius. Um die Sonnenwärme optimal zu nutzen, sitzen die Klassen im Gespräch über einen Drehmechanismus. Dieser soll das Gerät nach der Sonne ausrichten und so für die maximale Nutzung der Sonnenstrahlen sorgen. Das erste Ziel ist der Versuch, in den selbst entwickelten „Fours solaires“ Brezeln backen zu können.
Aber trotz der Zusammenarbeit und der Kommunikation der zwei Kulturen gibt es einen Konkurrenzkampf der Länder: Im ständigen Vergleich werden die Temperaturen der Öfen und der Temperaturanstieg gemessen.
Gemischte Kleingruppen sollen die Stärken der verschiedenen Erfahrungen der Schüler kombinieren und somit das beste Ergebnis erzielen. „Am Anfang war es schon ein bisschen schwer. Aber jetzt reden wir deutsch und englisch und ein bisschen französisch. Und sonst eben mit Händen und Füßen. Das geht schon irgendwie“, meinten die Schüler. Ansonsten dienen Zeichnungen zur Verständigung. Von der Planung der Mechanismen und dem verwendeten Material über die Zeichnungen bis hin zur Umsetzung der Ideen sind die Schüler für alles selbst verantwortlich. Das Ziel des Projekts ist die gemeinsame Entwicklung eines Solarofens aus vorhandenen und möglichst billigen Materialien. „Mit den vorhandenen Gegenständen soll das Bestmögliche erzielt werden“, erklärte Professeur Sandon, immer mit dem Gedanken im Hintergrund, die Öfen in Afrika einsetzen zu können.
Außerschulische Aktivitäten sollen zusätzlich die Gemeinschaft der Gruppen fördern. „Zum Beispiel hatten wir einen gemeinsamen Grill abend. Und es gab ein Fußballspiel“, erzählt die Französischlehrerin Regina Hein. Die anfänglichen Kontakt- und Sprachbarrieren wurden dadurch teilweise überwunden. Doch nicht nur die Lehrer der beteiligten Schulen halfen. Die Schüler engagierten sich sehr für den Austausch, und besonders bei den außerschulischen Veranstaltungen zeigten einige großes Engagement.
Das Interesse aller Schüler spiegelt sich ebenfalls bei den Präsentationen wider. In Kleingruppen werden die Planungsideen zuerst erarbeitet und anschließend der gesamten Gruppe vorgestellt. Während einige Redner ihre Pläne auf Deutsch erklären und im Anschluss die Übersetzung erfolgt, halten andere ihre Vorstellung zweisprachig.
Das Projekt „Four solaire“ soll jedoch nicht nach der Entwicklung eines Ofens beendet sein. „Im nächsten Jahr sollen die Öfen verbessert werden“, sagt Michel Sandon. In zwei Jahren ist dann der Bau eines Parabolischen Spiegels vorgesehen. Der deutsch-französische Austausch wird demnach auch in Zukunft weiter bestehen.
