Kirchheim. Wer es schafft, bei strahlendem Sonnenschein, blauem Himmel und sommerlichen Temperaturen, Kinder ab fünf Jahren und ihre Begleitpersonen gleich in Scharen in einen Buchladen zu locken und sie von Anfang an genauso zu begeistern, wie die Erwachsenen, muss sein Handwerk einfach gut verstehen. Dass es Thomas Hänsel immer wieder gelingt, allerbestens zu unterhalten, hat er in Kirchheim schon oft erfolgreich unter Beweis gestellt.
Im Rahmen der Kinder- und Jugendtheatertage „Szenenwechsel“ gastierte der Leiter des Marotte-Figurentheaters aus Karlsruhe am Samstagnachmittag in der Buchhandlung Zimmermann und sorgte mit von Findus geangelten Barschen und einem riesengroßen angsteinflößenden Hecht für großes Hallo.
In der Rolle des unheimlich neugierigen schnauzbärtigen Nachbarn Gustavsson – der unbedingt eine Rohrzange ausleihen wollte – und mit seiner auch für spektakuläre „Außen-Szenen“ optimal geeigneten „Puppen-Theaterstube“ konnte der einfallsreiche Theaterleiter von Anfang an alle in seinen Bann ziehen. Das kurzweilige temporeiche Stück – das manchen der Kinder sicher schon bekannt war, weil es ihnen vorgelesen wurde und sie sich an den originellen Bildern erfreuen konnten – machte vergessen, dass es draußen so schön sonnig ist wie am fiktiven Angelsee von Pettersson und Findus.
„Pettersson zeltet“, war das muntere Schönwetterprogramm überschrieben, das den Kindern offensichtlich noch viel mehr Vergnügen bereitete, als die von Angelika Kutsch ins Deutsche übertragenen Bücher von Sven Nordqvist. Bevor der 1946 im schwedischen Hesingborg zur Welt gekommene Erfolgsautor sich entschieden hatte, Bilderbuch-Künstler zu werden, hatte der fantasievolle Erfinder von so berühmten „Persönlichkeiten“ wie „Pettersson und Findus“ oder „Mama Muh“ Architektur studiert und als Dozent gearbeitet.
Dass er dann doch einen ganz anderen Weg gegangen ist als zunächst vorgesehen, freut längst Kinder und Eltern in der ganzen Welt. Neben seinen erfolgreichen Bilderbüchern ist Sven Nordqvist aber auch als Illustrator zahlreicher Sachbücher für Kinder bekannt, die offensichtlich das auch in Schweden nicht eben beliebte Lernen zum reinen Vergnügen machen. Dass Sven Nordqvist auch Juroren mit seinen lustigen Einfällen leicht überzeugen kann, belegen zahlreiche wichtige Auszeichnungen, zu denen unter anderem auch der schwedische Astrid-Lindgren-Preis und der renommierte August-Strindberg-Preis gehören.
Das schon vielfach ausgezeichnete Ausgangsmaterial war also schon ein erster Erfolgsgarant des lustigen Nachmittags. Was Thomas Hänsel sich aber darüber hinaus einfallen ließ, um das, was in dem originellen Bilderbuch erzählt wird, auch auf seiner Figurentheaterbühne gut erzählen zu können, war erstaunlich.
Eigentlich will der erfinderische Pettersson in dieser Geschichte ja nur seine frisch erfundene Flitzbogenwurfangel ausprobieren. Da sein Kater Findus sich aber vor allem für die „große grüne Wurst“ interessiert, in der ein lange nicht mehr genutztes Zelt steckt, verwandeln die beiden kurzerhand den von Hühnern bewohnten Hinterhof in einen Campingplatz. Während die Hühner die schräge Zeltbahn als willkommene Rutsche nutzen, sorgt vor allem auch Kater Findus mit seinen verrückten Einfällen immer wieder für großes Gelächter, egal, ob er nun „mit windigen Methoden“ die Hühner aus dem Zelt vertreibt oder auch nur lautstark das Lagerfeuer löscht . . .
Was Thomas Hänsel aus seiner kleinen aber ungemein gut ausgestatteten Theaterbühne alles herausholte, überzeugte rundum – und war natürlich allen viel zu schnell vorbei. Auch wenn noch immer die Sonne lockte, nutzten die Kinder auch nach dem Ende der kurzweiligen Aufführung gerne noch die Gelegenheit, das Theater mit seinen vielen einfallsreichen Requisiten zu inspizieren und auch einmal ganz vorsichtig hinter die Kulissen dieser vielseitigen und auch musikalisch sehr gut ausgestatteten „Wanderbühne“ zu schauen.
