Kirchheim. Wenn Fleischskandale die Schlagzeilen dominieren, hat auch ein grundsätzlich siegessicherer „Hans im Glück“ es nicht leicht, wenn er kurzerhand statt einem Pferd lieber eine Kuh hätte. Im Rahmen der Kinder- und Jugendtheater-
tage „Szenenwechsel“ gastierte das „Blinklichter Theater“ auf Einladung des Kulturkreises Ötlingen im dortigen evangelischen Gemeindehaus und wollte dabei offensichtlich mit dubiosen Tauschgeschäften möglichst gut über die Runden kommen.
Im Kreis aufgeweckter und auch zu kreativer Mitarbeit bereiter Kinder brachte „Märchenonkel“ Wolfgang Messner aber doch alles wieder souverän auf die Reihe. Ausgangspunkt der bevorstehenden Geschichte war ein eindrucksvoller Goldklumpen.
In sieben Jahren harter Arbeit hatte sich der „Hans im Glück“ diesen Lohn mühevoll verdient und war doch auch sofort immer wieder bereit, ihn situationsbedingt und ohne langes Überlegen spontan einzutauschen. Dass er ohne langes Nachdenken unbedingt ein beim besten Willen von ihm nicht beherrschbares „wildes“ Pferd gegen eine vergleichbar in sich ruhende Kuh eintauschte, machte Sinn – auch wenn die begeisterten Kinder vor Ort hautnah miterlebten, dass der angeblich so wilde Mustang eigentlich nicht viel mehr war als eine über einen Besenstil gezogene Socke.
In der genauso begeistert gefeierten Hauptrolle einer Kuh brillierte dann – fast oscarverdächtig – ein Bügelbrett, das auf offener Bühne mit übergeworfenem Tuch, einem mit Filzstiftmalereien aufgehübschten Eimer, Kleiderbügel-Hörnern und einem Gummihandschuh-Euter zweifellos eine gute Figur machte – und ohnehin schnell wieder gegen ein anderes angesagteres Tier eingetauscht wurde.
Da die Kuh bühnentechnisch ja recht flott daherkam, verständlicherweise aber partout keine Milch absondern wollte, war bei Hans berechtigterweise nachhaltiges Nachdenken vor allem darüber angesagt, ob er sich nicht doch lieber gegen eine Kuh aussprechen sollte.
Nicht ganz unbegründet war dann auch das anfängliche Misstrauen von Hans, als ausgerechnet ein Metzger die zur Disposition stehende Kuh ohne langes Fackeln gegen ein Ferkel eintauschen wollte. Da hatte der permanent tauschbereite Hans einmal mehr nicht nur Glück, sondern zwischenzeitlich auch etwas Schwein gehabt, sich aber konsequent wieder von allem getrennt und zuletzt seine Zukunft an einem schweren Schleifstein festgemacht, der dann allerdings auch wieder überraschend schnell verschwand . . .
Für Menschen ab vier Jahren empfohlen, konnte das kurzweilige und einfallsreich inszenierte Stück erkennbar auch ältere Semester zur Mitarbeit für den angestrebten Gesamterfolg motivieren. Da wurde auf Abruf lauthals gesungen oder auch eine zuvor vereinbarte dialektlastige Textzeile rezitiert, dass es eine wahre Freude war.
Letzten Endes galt es aber, nach einer kurzweiligen Aufführung nur noch zur Kenntnis zu nehmen, dass eine zuvor eher anonyme Zuschauermasse von einem überaus gut aufgestellten „Mitschunkler“ ganz leicht dazu motiviert werden konnte, gemeinsam und generationsübergreifend einen vergnüglichen Nachmittag zu verbringen.
