Kirchheim. Das offerierte Angebot hätte eigentlich nicht unterschiedlicher und spannungsreicher sein können. Dass trotz extrem frühlingshafter Temperaturen fast alle im Max-Eyth-Haus zur Verfügung ste-
henden Plätze voll ausgebucht waren, machte unmissverständlich deutlich, dass die neue Veranstaltungsreihe „Forum“ zweifellos ein interessiertes und aufgeschlossenes Publikum findet.
Die Idee des Literaturbeirats der Stadt, Autoren aus der Region ein Forum für öffentliche Auftritte in angenehmer Atmosphäre und lockerem Rahmen zu bieten, sorgte für einen interessanten und sehr abwechslungsreichen Nachmittag.
Gretel Anna Schwämmle eröffnete den Reigen dreier unterschiedlichster Vorstellungen und entführte das interessierte Publikum zunächst mit ihrem Buch „Häuser meiner Jugend“ in Erinnerungen an ihre Kindheitstage und die bei ihrer Großmutter und ihrem Großvater in Hermaringen verbrachte Ferienzeit. Sie schloss ihren Beitrag mit der überzeugten Feststellung, dass ihre Kindheit von Glückseligkeit erfüllt war und sie diese Zeit keinesfalls mit einem Kind tauschen wolle, das heutzutage seine Ferien „zwischen den Liegestühlen von Tunesien verbringt“.
Im Gespräch mit Renate Treuherz, der Sprecherin des veranstaltenden Literaturbeirats der Stadt, wurde auch ein anderes von ihr geschriebenes Buch thematisiert. Mit „Briefe an Rosine“ ist Gretel Schwämmles „biografisches Fragment auf kulturhistorischen Spuren“ überschrieben, in dem sie sich einfühlsam mit dem Leben und dem ihr bis zu ihrem 30. Lebensjahr verheimlichten Suizid ihrer Großmutter auseinandersetzt und in Liebe und Dankbarkeit ihre Lebensleistung würdigt.
Stefanie Wiese sensibilisierte die Besucher der Begegnung mit Autoren aus der Region für die Schönheit der Natur, die sie in eindrucksvollen Fotografien festhält und in anrührenden und tiefgründigen Reimen poetisch auf den Punkt bringt. „Alles Große entsteht in der Stille“ ist Susanne Wieses Buch überschrieben, mit dem sie sich der Schönheit und Einzigartigkeit der Jahreszeiten in bezaubernden Bildern und faszinierenden Texten nähert, um ihre Mitmenschen dafür zu sensibilisieren, die Natur und das Leben wertzuschätzen und ihren Herzen zu folgen.
Zu den liebsten Motiven der in Neidlingen lebenden ambitionierten Poetin und Fotografin gehören die sie immer wieder aufs Neue faszinierenden Streuobstwiesen am Fuße der Schwäbischen Alb. „Sie sind einzigartig und berührend, zu jeder Jahreszeit ergreifend schön“, findet Susanne Wiese. „Dadurch, dass die Natur ihren eigenen Rhythmus hat und sich nicht nach uns Menschen richtet, nimmt sie sich die Zeit, die sie braucht.“
Ganz andere Töne schlug anschließend Professor Rolf Walter an, der in seiner „autobiografischen Spätlese“ auch den Banalitäten des Alltags den ihnen gebührenden Raum bot. Mit „Herr Professor. Sie sind ein Lausbub“ und dem erfolgsbedingt nachgereichten „Band 2 der Bad-Boy-Geschichten“ mit dem Titel „Lausbuaba elende“ versetzte er das Publikum gut gelaunt in die 50er- und 60er-Jahre und damit in Zeiten, in denen er und andere „böse Buben“ unter anderem mutwillig dafür sorgten, dass bei dem im direkten Wohnumfeld angebotenen Goldbarsch immer wieder einmal das „B“ abhanden kam, Umkleidekabinen durchlöchert wurden und ein gewissenhafter Bademeister immer wieder aufs Äußerste gefordert wurde, um für Ordnung in den ihm anvertrauten Schwimmbecken zu sorgen.
