Schlesische Kammersolisten beeindrucken das Kirchheimer Mietepublikum
Begeisternder Auftakt der Konzertsaison

Kirchheim. Mit der Verpflichtung der Schlesischen Kammersolisten der Kammerphilharmonie Kattowitz für das Einstiegskonzert der Konzertmiete, bestehend aus Primarius


Dariusz Zboch (erste Violine), Jakub Łysik (zweite Violine), Jaroslaw Marzec (Viola), Katarzyna Biedrowska (Violoncello) und Krzysztof Korzen (Kontrabass) – bei Schuberts „Forellenquintett“ statt zweiter Violine erweitert um den als Solist in großen Orchestern und als versierter Kammermusiker gefragten Pianisten Christoph Soldan – bewiesen die Verantwortlichen des vhs-Kulturrings ein glückliches Händchen. Mit Werken von Mozart, Dvorák und Schubert boten sie an diesem Abend ein überwiegend heiter grundiertes und nicht allzu schwer zugängliches Programm.

Am Beginn der Konzertfolge stand mit Wolfgang Amadeus Mozarts dreisätzigem Divertimento in F (KV 138) von 1772 ein kurzes, von gesanglicher Melodik geprägtes und apollinische Leichtigkeit verströmendes Werk, das zusammen mit den Divertimenti in D (KV 136) und dem in B (KV 137) den dreiteiligen Zyklus der sogenannten „Salzburger Sinfonien“ bildet. Die Schlesischen Kammersolisten präsentierten das einleitende Allegro mit wenig Vibrato, leichtem Strich, gelungenen dynamischen Abschattungen und kristalliner Transparenz bei den zahlreichen, federnd gestalteten Läufen. Dem schlichten, kantablen Andante, das dynamisch zurückgenommen, aber gleichwohl expressiv und den melodischen Gehalt betonend gestaltet wurde, folgte das abschließende Presto mit seinem rhythmisch aparten Charakter und silbrig perlenden Laufwerk, das vom Ensemble leichthändig und quirlig wie ein Elfenspuk vorbeihuschend dargeboten wurde.

Das Konzert setzte sich fort mit Antonin Dvoráks 1875 komponiertem, gewichtigem Streichquintett G–Dur (op. 77), das seinen unverwechselbaren klanglichen Reiz unter anderem aus seiner ungewöhnlichen Besetzung mit Kontrabass bezieht, der in dieser Komposition nicht nur schlichtes Rhythmusinstrument ist. Der durch diese Besetzung mögliche fünfstimmige Satz erweitert die Klangpalette nach unten und rundet den Gesamtklang zum Beispiel durch Oktavführung von Cello und Kontrabass entscheidend ab.

Dieses pralle Klangspektrum, gespeist aus sattem Bassfundament, war so auch gleich im eröffnenden Allegro con fuoco zu vernehmen, das

Mal mit Feuer, mal ruppig und dann
wieder lieblich

vom Ensemble der Satzbezeichnung entsprechend „mit Feuer“ und großem Schwung musiziert wurde. Viele musikalische Einfälle bietet das folgende Scherzo in Sechs-Achtel-Takt, das abweichend vom üblichen Kompositionsschema hier statt des langsamen Satzes an zweiter Stelle steht. Einem fast ruppig daherkommenden Hauptteil mit eigentümlicher Rhythmik folgt ein geradezu liebliches Trio, das von den Kammersolisten mit feinen Akzentuierungen und effektiver an- und abschwellender Tongebung präsentiert wurde.

Geradezu berückend wurde der langsame Satz Poco Andante vom Ensemble intoniert. Dabei muss der feine Klang in der weitschweifig angelegten Kantilene der ersten Violine besonders erwähnt werden, zu der die übrigen Streicher das begleitende Kolorit lieferten, durchwirkt von präzise gesetzten Pizzicati des Kontrabasses. Selbst der äußerst heikle, in hoher Lage höchst exponierte Satzabschluss gelang ohne intonatorische Trübungen. Sprühend vor konzertantem Schwung schließlich das Finale (Allegro assai) in schnellem Zwei-Viertel-Rhythmus mit betont tänzerischem Tenor, wo Krzysztof Korzén am Kontrabass seine solistisch anmutenden Passagen bravourös meisterte. Es gab für diesen mitreißenden Auftritt der gesamten Formation schon vor der Pause den verdienten, lang anhaltenden Beifall.

Mit dem fünfsätzigen und rund vierzigminütigen Klavierquintett („Forellenquintett“) in A-Dur (D 667), das Franz Schubert im Jahre 1819 mit 22 Jahren komponierte, gelang ihm eine quasi idealtypische Verbindung von unterhaltsamer und trotzdem höchst kunstvoller Musik. Den Beinamen erhielt das Werk deshalb, weil der Komponist dem vierten Satz das Thema seines Kunstlieds „Die Forelle“ zugrunde legte. Auch dieser Komposition, in der Klaviersatz und erste Geigenstimme fast gleichmächtig behandelt werden, gibt die Einbeziehung des Kontrabasses an vielen Stellen seinen eigentümlichen Klangreiz.

Im vorwiegend heiter grundierten Eingangssatz Allegro vivace erklangen zwischen erster Violine und Klavier alternierende, rasante, jedoch fein abgestimmte Laufketten, für die die übrigen Streicher den Klanghintergrund boten, im Kontrast zum sanften Pulsieren des Piano-Mittelteils. Im melodiebetonten Andante, das in verschiedene Tonarten moduliert, bestachen der durch Echowirkung verfeinerte Dialog zwischen Klavier und erster Violine, fein verzögerte Phrasenübergänge, die fast uhrwerkartige Akkuratesse der Begleitfiguren in den Streichern und der sensibel retardierte Satzabschluss. Temperamentvoll und mit kolossalem auftaktigem Schwung wurde der Hauptteil des Scherzos dargeboten, in schönem Gegensatz zum Lang-Kurz-Wiegerhythmus des Trios.

Mit dem Variationensatz, dem Andantino, bei dem in sechs Variationen das bekannte Thema in immer neuen Abwandlungen, Begleitfiguren und Klangfarben variiert wird, kam fast erwartungsgemäß der Höhepunkt dieses Werks. Die Kammersolisten

Kammersolisten mit bezaubernd schönem Streicherklang

musizierten diesen Satz in seiner Gesamtheit in bezaubernd schönem Streicherklang – herausragend das Violinsolo von Dariusz Zboch in der zweiten Variation –, während Christoph Soldan am Klavier in der ersten und dritten Variation mit pianistischer Brillanz und höchst virtuosem Zugriff aufwartete und auch im abschließenden Allegretto, der sechsten Variation, die souveräne Beherrschung seines Instruments manifestierte. Vor allem die dritte Variation wurde in einer das Publikum begeisternden, fast reißerischen Tempogestaltung musiziert, im Kontrast zu der agogisch zurückgenommenen, schön ausgespielten vierten Variation, wo Katarzyna Biedrowska mit sonorem Celloton in den Vordergrund trat. Ein Hauch von Wiener Kaffeehausmusik dann im Finale (Allegro giusto) mit fulminantem Figurenwerk im Klavier und in den Streichern und einem höchst effektiv hingesetzten Satzabschluss. Donnernder Applaus der Zuhörer, der in einer Zugabe noch mit einer „Kurzfassung“ des Scherzos belohnt wurde.