Teckboten-Serie „Beste Freunde“ – Heute: Doris Neef und Daniel Heim
Beim Spaziergang hat‘s gefunkt

Bissingen. Doris Neef und Daniel Heim sind ein ungewöhnliches Paar. Doch die 52-Jährige und der 21 Jahre


jüngere Mann mit leichter geistiger Behinderung machen einen glücklichen Eindruck. Sie kümmern sich nicht darum, was andere Leute sagen oder ob sie vielleicht mit dem Finger auf sie zeigen könnten. Das haben sie sich schon vor längerer Zeit abgewöhnt.

Die beiden sind Arbeitskollegen und bei der Firma Reinert Kunststofftechnik in Bissingen beschäftigt. Daniel Heim ist dort seit dem Jahr 2002 tätig, ein Jahr später stieß Doris Neef dazu. Beide sind als sogenannte Maschinenarbeiter im Einsatz: Sie kont­rollieren Kunststoffteile, verpacken und montieren sie.

In den ersten Monaten seiner Tätigkeit bei der Firma Reinert besaß Daniel Heim noch keinen Führerschein und musste jeden Tag irgendwie von Holzmaden nach Bissingen kommen. „Mein Chef fragte mich dann, ob ich den Kollegen nicht mitnehmen könnte“, erzählt Doris Neef, die damals täglich von Weilheim nach Bissingen fuhr. „Man ist ja ein hilfsbereiter Mensch. Das habe ich dann gemacht“, fügt sie hinzu. Und so kam es, dass sich Doris Neef und Daniel Heim während den Autofahrten besser kennenlernten und schnell feststellten: „Wir verstehen uns sehr gut.“ Die beiden verabredeten sich zu gemeinsamen Spaziergängen – und schon bald wurde aus der Freundschaft mehr. Seit zehn Jahren sind Doris Neef und Daniel Heim nun ein Paar.

„Er ist einfach ein lieber Kerl“, schwärmt die 52-jährige Mutter zweier Kinder, deren Ehemann vor etlichen Jahren verstarb. „Er ist genügsam und stellt keine Ansprüche, die ich nicht erfüllen könnte“, erklärt sie, weshalb sie ihren Daniel von Anfang an sympathisch fand. „Wenn er zum Beispiel samstagabends gerne ausgehen würde, hätten wir ein Problem“, sagt die 52-Jährige. „Denn aus dem Alter bin ich raus.“ Doch Daniel Heim ist eher der ruhige Typ. Er genießt die gemütlichen Abende zu Hause mit seiner Partnerin – Halligalli braucht er nicht.

Der große Altersunterschied zwischen den beiden und die leichte geistige Behinderung von Daniel Heim haben in ihrer Beziehung noch nie gestört. „Nur für manche andere Leute ist das ein Problem“, weiß der 31-Jährige. So seien sie vor allem zu Beginn ihrer Beziehung mit „blöden Sprüchen“ konfrontiert worden. „Aber wir haben die Leute einfach schwätzen lassen.“ Auch Doris Neefs Sohn wusste anfangs nicht, wie er mit dem neuen Mann im Leben seiner Mutter umgehen sollte. „Er war eifersüchtig. Aber er hat sich schnell daran gewöhnt“, erzählt die 52-Jährige.

Auch bei der Arbeit stellt ihre Beziehung mittlerweile kein Problem mehr dar. „Am Anfang wollte uns unser Schichtführer nicht nebenei­nander arbeiten lassen, weil er dachte, das würde uns ablenken“, erzählt Doris Neef. „Aber da sind wir professionell genug. G‘schäft isch G‘schäft, und unsere Arbeit ist uns wichtig“, betont sie.

Neben ihrer Tätigkeit bei der Bis­singer Firma haben Doris Neef und Daniel Heim viele weitere Gemeinsamkeiten, die sie zusammenschweißen: Sie sind beide Oldtimerfans, unternehmen gerne Fahrradtouren und gehen häufig spazieren. Außerdem hat die 52-Jährige außergewöhnliche Haustiere, die auch Daniel Heim über alles liebt: zwei Ratten. „Natürlich werden wir auch deshalb gefoppt“, weiß Doris Neef, die mittlerweile mit ihrem Sohn in Holzmaden wohnt. „Aber das stört uns nicht.“

Wichtig ist für sie und Daniel Heim auch, dass sie im Alltag in einigen Dingen voneinander profitieren können: So hat sie ihn zum Beispiel beim Lernen für den Theorie-Teil des Führerscheins unterstützt. Und der 31-Jährige, der jetzt in Bissingen lebt und gerne an Autos „herumschraubt“, erledigt so manche Reparatur an seinem Wagen selbst, den auch seine Partnerin häufig nutzt. Außerdem hilft er ihr beim Einkaufen und im Haushalt.

Darüber hinaus hat sie ihrem Partner beigebracht, mehr aus sich he­rauszugehen. „Am Anfang war er sehr ruhig“, erinnert sie sich. „Jetzt traut er sich, mehr zu reden.“