Das Soziale Netz Raum Weilheim möchte sein vielfältiges Angebot ausweiten
Bewegende Hausbesuche geplant

Sechs Jahre nach dem Start ist das Soziale Netz Raum Weilheim längst zu einer Institution geworden. Insbesondere das kostenlose Beratungsangebot zieht hohe Personalkosten nach sich. Der Verein gehört zu den Projekten, die durch die Teckboten-Weihnachtsaktion unterstützt werden.

Weilheim. Passgenau sind die Hilfen, die Rosemarie Bühler, hauptamtliche Kraft im Sozialen Netz Raum Weilheim und Koordinatorin des Betreuten Wohnens zu Hause, Menschen mit Beratungsbedarf anbietet. Passgenau sollen auch die einzelnen Puzzleteile sein, aus denen sich das Angebot des Sozialen Netzes für Pflegebedürftige und pflegende Angehörige zusammensetzt. Neueste Idee ist die Einführung eines „bewegenden Hausbesuchs“. „Damit wollen wir nächstes Jahr spätestens nach Ostern starten“, so Rosemarie Bühler. Zwei geschulte Kräfte können dann auf Wunsch regelmäßig zu Vertragspartnern nach Hause kommen, um mit ihnen Übungen zu machen. Damit lässt sich Stürzen vorbeugen. „Erwiesen ist darüber hinaus, dass Bewegung hilft, bei Demenzkranken noch vorhandene Fähigkeiten zu erhalten“, sagt Rosemarie Bühler. Auch der soziale Aspekt des Angebots sei nicht zu unterschätzen.

Wie der Vorsitzende des Vereins, Peter Dolezal, betont, sorgen insbesondere die Personalkosten bei den Verantwortlichen des Sozialen Netzes immer wieder für Kopfzerbrechen. „Mit 136 Beratungen habe ich dieses Jahr schon wesentlich mehr Anfragen als 2012“, sagt Rosemarie Bühler. In den meisten Fällen habe sie mit den Ratsuchenden mehrfach Kontakt. Sämtliche Beratungen, die sie in der Koordinationsstelle im Bürgerhaus oder bei Bedarf auch in den Familien vornimmt, sind – entsprechend dem Netzwerkgedanken – kostenfrei. Zuschüsse gibt es dafür nicht. „Wir machen damit ein niederschwelliges Angebot“, erklärt Rosemarie Bühler. „Würden wir etwas dafür verlangen, kämen diejenigen, die es am dringendsten brauchen, nicht.“ Zudem entstünden aus der Beratung nicht selten Verträge, betont die ehrenamtliche Geschäftsführerin Erika Jahke.

Rosemarie Bühler, Dreh- und Angelpunkt des seit 2007 bestehenden Sozialen Netzes, hat festgestellt, dass die Problemlagen bei Leuten, die Beratung und Hilfe benötigen, immer komplexer werden. So lebten manche in verwahrlosten Wohnungen, hätten psychische Probleme oder litten an den Spätfolgen von Medikamenten- beziehungsweise Alkoholmissbrauch. „Häufig sind die Schwierigkeiten versteckt und treten erst bei der Beratung zutage.“

Anders als in den Anfangsjahren gibt es immer mehr Ehepaare, von denen beide Teile Hilfe benötigen. „Meine Aufgabe ist, den Menschen zu sagen, was es generell für Möglichkeiten gibt. Ich mache sie auf das betreute Wohnen zu Hause aufmerksam, sage ihnen, was sie einfordern können und was ihnen zusteht“, so Rosemarie Bühler. Dazu gehört auch, Tipps beim Ausfüllen von Bögen für die Pflegekassen zu geben.

Eine wichtige Stütze sind die zahlreichen Mitarbeiterinnen, die ehrenamtlich Besuchsdienste übernehmen. 44 Menschen in Weilheim und den zum Sozialen Netz gehörenden Gemeinden, Holzmaden, Neidlingen und Ohmden nehmen inzwischen den wöchentlichen Besuchsdienst in Anspruch. „Der regelmäßige, über Jahre bestehende Kontakt bewirkt, dass sich Vertrauen aufbaut“, sagt Rosemarie Bühler. Viele freuen sich einfach über ein offenes Ohr, andere nutzen die gute Stunde, um ein Gesellschaftsspiel zu machen, ins Café oder spazieren zu gehen. Die Vereinsamung wird durchbrochen, die Betagten nehmen wieder am Leben teil. „Der Pflegeheimaufenthalt kann dadurch sogar hinausgezögert werden. Das hätte ich selbst nicht geglaubt.“ Auch sorge der Besuchsdienst dafür, dass die Menschen eher bereit seien, Hilfe anzunehmen, so beispielsweise doch in ein Tageszentrum zu gehen, wenn sich der Gesundheitszustand verschlechtert. Nicht zuletzt entlastet der Besuchsdienst die Angehörigen. War das Angebot anfangs nur für Alleinstehende gedacht, so wird es inzwischen auch von Menschen in Anspruch genommen, die Angehörige in der Nähe haben.

Vielfach müssen sich die pflegenden Angehörigen auch mit der Diagnose Demenzerkrankung ausei­nander­setzen. Um das Tabu aufbrechen zu helfen, hatte das Soziale Netz vor zwei Jahren unter dem Titel „Blaue und graue Tage – Leben mit Demenz“ eine Reihe mit 26 Veranstaltungen auf die Beine gestellt, die von mehr als 1 500 Menschen besucht wurden. Im Sinne der Nachhaltigkeit liegt in den Rathäusern seitdem die Broschüre „Leben mit Demenz“ aus, zudem hat der Verein ein Betreuungsangebot für Menschen mit demenziellen Veränderungen geschaffen: Das „Café Lebenslust“ hat zweimal im Monat jeweils am ersten und dritten Donnerstag von 14.30 bis 17 Uhr im Gemeindehaus am Kohlesbach geöffnet. Eine Fachkraft sowie ehrenamtliche Mitarbeiter betreuen die Pflegebedürftigen. Derzeit nehmen vier bis fünf Besucher das Angebot wahr, das für maximal acht Teilnehmer gedacht ist. Gestaltet wird der Nachmittag mit Kaffee und Kuchen, dem Feiern von Festen im Jahreskreis, Vorlesen und Erzählen, Gesang und Spielen sowie Bewegungsrunden.

Alle zwei Monate haben Menschen, die zu Hause einen Angehörigen pflegen, zeitgleich zum Café Lebenslust im katholischen Pfarramt in Weilheim eine Anlaufstelle. Jeweils von 14.45 bis 16 Uhr können sie sich im Treffpunkt für pflegende Angehörige mit Menschen austauschen, die in der gleichen Lebenssituation sind. „Die Gespräche entlasten, und die Teilnehmer können wieder Kraft für den Alltag schöpfen“, sagt Rosemarie Bühler. Die zweite Säule des Treffpunkts für pflegende Angehörige stellen sporadische Angebote dar. So gibt es in Zusammenarbeit mit den Weilheimer Landfrauen am Dienstag, 11. Februar, um 14 Uhr im Bürgerhaus eine Kaffeestunde mit einem Impulsreferat zur Zahnpflege im Alter. Am 8. November wird im Haus Albblick, für das das Soziale Netz dieses Jahr den Betreuungsservice übernommen hat, von 14 bis 17 Uhr „Qigong – Harmonie für Körper, Geist und Seele“ angeboten.

 

Rosemarie Bühler hat montags von 10 bis 12 Uhr und nach Vereinbarung im Weilheimer Bürgerhaus Sprechstunde. Erreichbar ist sie unter der Nummer 0 70 23/7 43 30 77 oder per E-Mail unter info@soziales-netz-weilheim.de.