Lenningen. Zunächst stellte Wolfgang Bürkle vom gleichnamigen Ingenieurbüro die Planung für die Erneuerung der Kanal- und Wasserleitung mit Straßenbau in der Vorderen Straße in Schopfloch vor. Eine Untersuchung aus dem Jahr 2007 hatte ergeben, dass es im Brandfall Probleme mit dem Löschwasser geben könnte und auch der Druck in manchen Häusern zu wünschen übrig lässt. So war zunächst geplant, vom Hochbehälter bis zur Vorderen Bergstraße eine neue Fallleitung zu bauen, die statt DN 125 dann DN 200 aufweist. Ferner sollten die Hausanschlüsse von der bestehenden Wasserleitung abgekoppelt und an die Zweihunderterleitung angeschlossen werden. Die bestehende, dünnere Leitung wird erhalten und soll auf die Errichtung einer Hochzone, die für mehr Druck im „Oberen Grund“ sorgt, an die bestehende Leitung im Wiesensteiger Weg angeschlossen werden.
An letzterem Vorschlag erhitzten sich jedoch die Gemüter. Zunächst interessierte Jürgen Rau der Zustand der bestehenden Leitung und auch Karl Sigel fragte nach, ob Schäden bekannt sind. „Sie ist seit etwa 30 Jahren drin und es gab noch nie Probleme“, konnte Tiefbauamtsleiter Karl-Heinz Griesinger berichten. Aus diesem Grund sah er keine Notwendigkeit, sie zu erneuern. „Eine alte Leitung ist immer ein Risiko“, sprach Wolfgang Bürkle jedoch nicht um den heißen Brei herum, woraufhin nicht nur Jürgen Rau „ein bissle Bauchweh“ verspürte. Dieser Ansicht schlossen sich immer mehr Gemeinderäte an. „Die Gretchenfrage lautet: Ist dem Gemeinderat die Sache mit der alten Leitung zu heiß?“, erklärte daraufhin Bürgermeister Michael Schlecht. Er schlug vor, die Leitung optional mit auszuschreiben und die Fachleute vor Ort entscheiden zu lassen, ob der Zustand der Leitung Anlass zur Sorge gibt. Da aber nur punktuell die Leitung bei den Bauarbeiten gequert wird, konnte Wolfgang Bürkle nicht versprechen, dass in naher Zukunft an anderer Stelle nicht doch Rohrbrüche auftreten.
Nun wurde die Frage nach den zusätzlichen Kosten für eine komplett neue Leitung – die Karl-Heinz Griesinger zu vermeiden suchte – laut und auch Überlegungen, ob nicht die Zweihunderterleitung alleine ausreicht. Letzterem widersprach der Tiefbauamtsleiter: „Die bessere Wasserversorgung mit entsprechendem Druck im Oberen Grund wäre damit gestorben.“ Weil einige Häuser etwa zehn Meter tiefer als der Hochbehälter liegen, kommt das Wasser dort im ersten Stock mit etwa einem Bar aus dem Hahn. Wolfgang Bürkle hatte zwischenzeitlich nachgerechnet und konnte einen ungefähren Betrag nennen: Die Auswechslung der 30 Jahre alten Leitung würde etwa 70 000 Euro kosten. Zu guter Letzt schlug Kämmerer Herbert Braun vor, das letzte Stück bis zur Ortsdurchfahrt ebenfalls zu erneuern. „Dann wären wir komplett fertig“, so sein Argument.
Um nach all dem Hin und Her zu einem Punkt zu kommen, machte Michael Schlecht Nägel mit Köpfen: „Wir tauschen die Leitung aus. Dann sind wir die Sorge los, dass wir sie womöglich in zwei Jahren austauschen müssen. Außerdem ist der Ansatz richtig, die Drucksituation zu verbessern – und dann klopfen wir auch noch den letzten Nagel rein: den Rest bis zur Ortsdurchfahrt machen wir auch noch.“ Diesem Vorschlag konnte der Gemeinderat einstimmig zustimmen. Die Mehrkosten werden durch einen Nachtragshaushalt finanziert. Dies bereitet dem Gremium deshalb nicht allzu großes Kopfzerbrechen, weil die Erneuerung der Bachverdolung sowie Kanal- und Wasserleitung im Schulgarten in Unterlenningen um etwa 250 000 Euro günstiger ausfielen als ursprünglich geplant, wie die Schlussabrechnung belegt, die dem Gremium in der gleichen Sitzung vorgelegt wurde.
Außerdem drängte Schopflochs Ortsvorsteher Gunter Berger den Planer, die Baustelle zügig durchzuziehen, als er vernahm, dass Baubeginn Ende Juni ist und die Maßnahme spätestens Ende November fertig sein soll. „Auf der Alb fängt der Winter oft schon Ende Oktober an“, gab er zu bedenken.
