Kirchheim. Die Breite und Vielfalt der klassisch-romantischen Konzertliteratur für Cello exquisit aufzufächern, das gelang den „Cellophonikern“ der Musikschule Kirchheim
bei ihrem Gastspiel im Konzertsaal der Freien Waldorfschule. Als Reaktion auf die katastrophalen Ereignisse, von denen Japan in den vergangenen Wochen heimgesucht wurde, hatte Ensembleleiter Hartmut Premendra Mayer das schon länger konzipierte Programm zu einem Benefizkonzert umgewidmet, dessen Erlös dem japanischen Roten Kreuz zugute kam.
Dass dies nicht nur eine Geste allgemeinen Mitgefühls, sondern auch Ausdruck einer persönlichen Verbundenheit ist, machten Mayers einleitende Worte deutlich. Er erinnerte an eine im vergangenen Jahr stattgefundene Konzertreise nach Kawaguchi bei Tokio, in deren Verlauf zahlreiche freundschaftliche Kontakte entstanden seien. Die japanische Gastfreundschaft habe bei den Kirchheimer Gästen einen ebenso nachhaltigen Eindruck hinterlassen, wie die begeisternde Atmosphäre beim Musizieren in verschiedenen Sälen.
Den solistischen Reigen, den Hartmut Mayer durchweg am Klavier begleitete, eröffnete Laura Schwarz mit ihrer Darbietung des Kopfsatzes aus Haydns C-Dur-Konzert. An diesen gelungenen Blick auf das im Kontext der Wiener Klassik zentral dastehende Werk konnte sich Annika Möllers Vortrag des Allegro vivace aus Elgars E-Moll-Konzert organisch anschließen und dank technischer Geschmeidigkeit und motorischem Temperament vollauf überzeugen.
Tabea Hilser widmete sich dem Finale von Saint-Saëns A-Moll-Konzert und beeindruckte mit ihrem gesanglichen Vortrag und stupender virtuoser Durchschlagskraft. Den Schlusssatz aus Dvorˇáks H-Moll-Konzert nahm schließlich Johann Riepe ins Visier. Mit bravouröser Leichtigkeit und Präzision, bar jeder äußerlichen Effekthascherei, spielte sich der junge Künstler durch dieses konzertante Schwergewicht, das zu Recht als ein Prüfstein solistischer Meisterschaft betrachtet wird.
Aber auch im neunköpfigen Verbund zeigten sich die Cellophoniker glänzend aufgestellt. Neben rumänischen Volkstänzen von Cleopatra Perepelita richtete das Ensemble sein Augenmerk auf eine Komposition aus der Feder von Bertram Schattel. Der Kirchheimer Komponist und Musikpädagoge hat sich darin des Beatles-Klassikers „Yellow Submarine“ angenommen und zu einer originellen Variationenfolge inspirieren lassen.
Schattels dichter, mit Überraschungen gespickter Tonsatz – mal schaukelt das U-Boot im Takt eines langsamen Walzers, dann kommt es schleppend mit Seufzer-Figuren daher – erwies sich als würdige Herausforderung, die von den jungen Musikern mutig angegangen und gestalterisch souverän gemeistert wurde.
Als Zugabe dann noch eine direkte musikalische Reverenz: die Cellophoniker brachten eine Bearbeitung des auch hierzulande geläufigen japanischen Volksliedes „Sakura“ zu Gehör, das sowohl die Schönheit, aber auch die Vergänglichkeit der Kirschblüte zum Inhalt hat.
Gehaltvolle konzertante Einblicke in die Arbeit der Kirchheimer Musikschule, für die ein zu Recht begeistertes Publikum den Künstlern mit lang anhaltendem Applaus Respekt zollte.
