Kirchheim. „If you don’t want, you don’t have to.” Nein, wer nicht wollte, musste nicht in die Bastion gehen. Rund 150 Fans nahmen den Weg zu Kirchheims Kulturtempel dennoch auf sich, ging es doch um nichts Geringeres, als mit Albert Lee eine Gitarrenlegende live zu sehen. Der mittlerweile 68-Jährige legte mit seiner Band „Hogans Heroes“ auf seiner Europa-Tournee einen Zwischenstopp in Kirchheim ein und brachte mit seinen Songs, die zwischen Country und Rock changieren, das Publikum in Hochstimmung.
Nach fast fünfzig Jahren „on the road“ – meist im Sold von Superstars wie Eric Clapton, Emmylou Harris oder Sheryl Crow in der zweiten Reihe stehend – hält sich der immer noch gertenschlanke Brite heute an eine Truppe musikalisch ausgesprochen versierter Landsleute, die dem „Two-step“ und Bluegrass ebenso zugetan sind wie er selbst. „Hogans Heroes“ nennt sich die vierköpfige Band um den Steel-Guitar-Player Gerry Hogan, die für ein ganz spezielles Feeling in der Bastion sorgte. Der erste Teil des Programms brachte überdurchschnittlich guten Country-Rock in das Gewölbe. Mit Albert Lees spezieller Picking-Technik, dem „Hybrid-Picking“, gelangen Soli in einer Vielfalt und Geschwindigkeit, die man sonst kaum für spielbar halten würde. Lee nimmt dabei ein Plektrum zwischen Daumen und Zeigefinger, um damit die Bass-Läufe zu spielen, während er mit dem Ring- und kleinen Finger die höheren Saiten bearbeitet. „Er ist wahrscheinlich der einzige Künstler, der jünger aussieht als auf dem Plakat“ hatte Andreas Kenner den Gitarren-Überflieger angekündigt.
Nach der Pause wurde es erheblich rockiger in der Bastion, die Lautstärke von Hogans Pedal-Steelguitar war deutlich zurückgenommen, Brian Hodgsons Bass-Lines gewannen an Gewicht, Drummer Pete Baron und Klavierspieler Gavin Poveys überzeugten öfter mit ihren stimmlichen Qualitäten, und der Chef wechselte nun häufiger die Instrumente. Es kamen vermehrt das E‑Piano und die akustischen Gitarren zum Einsatz, alles auf einem wenig dramatischen Lautstärke-Niveau.
Musikalische Feinstrickerei hatte Vorrang vor dem Web-Automaten. Zwar war nicht alles, was es in der Bastion zu hören gab, aus der Feder des Meisters selbst. Aber auch bei der Auswahl des Materials aus fremden Federn bewies Albert Lee Geschmack und Gefühl. So waren John Stewarts „Runaway Train“ und der flotte „Mighty Rad Gumbo“ musikalische Eckpfeiler des Kirchheimer Zwischenstopps der „Helden“ Hogans, die in der Bastion ebenso begeistert verabschiedet wurden, wie man sie dort schon willkommen geheißen hatte.
