Kölner Opernkiste bringt „Zauberflöte“ ins Literaturcafé der Verbundschule
Currywurst mit Vanillesoße

Dettingen. Was ist eine Oper? „Wo man mit Singen eine Geschichte erzählt.“ Wer könnte in der Zauberflöte hoch im Sopran singen? „Die Königin der Nacht.“ Die Dettinger Verbundschüler wussten gut Bescheid, waren für die zweimal ausverkaufte „Kleine Zauberflöte“ der Kölner Opernkiste bestens vorbereitet.

Die „Kölner Opernkiste“ besteht nur aus drei Schauspielern. Die Dame und die beiden Herren können allerbestens singen, sind vielseitig und spontan. Weil drei Leute für eine ganze Zauberflöte – selbst in der kindgerechten Kurzversion – trotzdem etwas wenig sind, durften zusätzlich eine Mama und etliche kleine Zuschauer ran. Sogar in sprechenden Rollen: Die Begeisterung bei der zauberhaften Aufführung der hohen Kultur war mindestens so groß wie bei einem Kasperletheater, die Zuschauer wurden völlig mitgerissen. Als Tamino während einer Prüfung nicht mit seiner geliebten Pamina sprechen durfte, griff eine Mädchenstimme ein: „Doch, er liebt dich!“ Papageno war ein wirklich bunter Vogel, träumte schon mal von Currywurst mit Vanillesoße zum Frühstück. Da konnte Tamino nicht ganz mit, doch das war gut so, sonst hätten sich zwei Rollen gegenseitig die Schau gestohlen. Die angekündigten 50 Minuten wurden weit überzogen, aber jede Minute weniger wäre schade gewesen.

„Die Kölner Opernkiste haben wir im Internet gefunden“, sagte Elke Bernhardt, Leiterin des Schulkindergartens für sprachbehinderte Kinder. Unzählige Papagenos und Königinnen an der Wand zeugten von der intensiven Vorabbeschäftigung mit der Zauberflöte. Bei den beiden Aufführungen mischten sich Kinder mit Behinderungen mit Geschwistern, Freunden und vielen anderen. Wer ein Handicap hat war oft nicht zu sehen und obendrein völlig egal, machte auch für die drei Künstler keinen Unterschied.

Die Aufführung war die dritte Ausgabe des „Literaturcafés“ der Verbundschule Dettingen. Kultur für nur drei Euro Eintritt pro Person, und das ohne eine weite Anreise, das machten der Dettinger Partnerverein „kultur ecce“ und örtliche Sponsoren möglich. Die Schule ist eine Einrichtung des Landkreises für sprachbehinderte Grundschüler und für körperbehinderte Kinder, die in Anlehnung an den Bildungsplan der Schule für geistig behinderte Kinder unterrichtet werden. Die Schüler kommen bis aus Nürtingen und Aichtal nach Dettingen. Auch als Kreiseinrichtung ist die Schule lokal tief verwurzelt, mit örtlichem Förderverein und vielen Kooperationen.

„Wir werden gut versorgt“, lobte die Schulleiterin Karin Frey das vorbildliche Engagement des Landkreises für die im Jahr 2007 gegründete Schule. Das waren dank des Fördervereins auch die Besucher des Literaturcafés, ob mit Kaffee und Kuchen oder Engeln, Seifen und Kissen vom geschmackvollen Basar. Für Kinder gab es Schminken und Bastelangebote. „Wir wollen die Schule nach außen öffnen“, sagte Frey. So erfahren Besucher auch von der großen Durchlässigkeit. Die meisten Kinder mit Sprachbehinderung gehen später auf eine Regelschule.