Ausschuss genehmigt gekürztes Budget für Veranstaltungen im Jahr 2014
Das Eisenbahnjubiläum nimmt Fahrt auf

Was die Eisenbahn im Jahre 1864 für Kirchheim bedeutet hat, das können sich heutige Kirchheimer nicht einmal annähernd vorstellen. Um die historische Bedeutung des „Dampfrosses“ zu betonen, plant die Stadt deshalb für 2014 das Jubiläum „150 Jahre Eisenbahn“. Der Finanz- und Verwaltungsausschuss hat die geänderte Planung inzwischen abgesegnet.

Andreas Volz

Kirchheim. Die Gesamtkosten für die Jubiläumsveranstaltungen waren ursprünglich mit 25 000 Euro veranschlagt gewesen. Im November hatten die Ausschussmitglieder deswegen darum gebeten, dass die Stadtverwaltung die Kosten genauer berechnet und dabei vor allem Einnahmen wie Eintritts- oder Sponsorengelder berücksichtigt (wir berichteten). Inzwischen sind also nur noch 14 600 Euro an Nettokosten übrig. Und diese Summe hat der Ausschuss nun auch „im Vorgriff auf den Haushalt 2014“ genehmigt – bei lediglich zwei Gegenstimmen.

Trotzdem haben die Ausschussmitglieder noch einmal rege über Sinn und Unsinn der einzelnen Veranstaltungen diskutiert. Außer Frage stand – wie Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker eingangs erläuterte – die Präsentation des Jubiläums in Bild und Ton beim Dämmerschoppen am 10. Januar.

Außerdem war die Jubiläumsausstellung „gesetzt“. Diese Ausstellung zur Kirchheimer Eisenbahngeschichte ist vom 27. Juli bis 19. Oktober im Kornhaus zu sehen – aber auch auf dem gesamten Weg, der vom Postplatz zum Kornhaus führt. Der Postplatz ist deswegen der Ausgangspunkt des Stationenwegs, weil er mehr als hundert Jahre lang der Kirchheimer Bahnhofsvorplatz war.

Eine andere Idee der Planungsgruppe innerhalb der Stadtverwaltung hat sich inzwischen von selbst erledigt: Eine Zusatzveranstaltung des Kulturrings ist auf die Schnelle nicht mehr zu organisieren – weder eine Ausstellung noch ein Konzert.

Was also an Ideen noch zur Debatte stand, das war ein spezielles Theaterstück zur Eisenbahn und zum Wollmarkt in Kirchheim, ein eigenes Logo für das Eisenbahnjubiläum, eine Rollschuh-Party sowie eine Jubiläumsfahrt mit einem historischen Zug – zwar nicht mit einer Dampflok, aber immerhin mit einem 81 Jahre alten Elektrotriebwagen (ET 65).

Die Theatervorführung im Güterschuppen am Bahnhof hat bei der aktuellen Diskussion nur noch Befürworter gefunden, nachdem neue Details feststanden: So will die Theaterspinnerei Frickenhausen, die mit dem Projekt beauftragt werden soll, ihre Kosten selbst tragen. Für die Stadt Kirchheim entstünden somit noch Kosten für Toilettenwagen, Versicherung und Werbung. Diese Kosten sind mit 3 000 Euro veranschlagt. Hinzu kommen noch 5 000 Euro, die aber intern mit dem städtischen Baubetriebsamt verrechnet werden können. Die Mitarbeiter des Amts müssten den Güterschuppen ausräumen und entsprechend herrichten.

Das Logo, mit dem die Stadt Kirchheim das ganze Jubiläumsjahr über auf ihre Eisenbahnveranstaltungen hinweisen möchte, stand nur kurz zur Diskussion. Das dafür vorgesehene Budget von 1 000 Euro wurde dann als notwendig erachtet, um richtig Werbung machen zu können und möglichst viel Aufmerksamkeit für das Jubiläum zu wecken.

Mit der Rollschuh-Party auf dem Postplatz allerdings konnten sich die Ratsmitglieder immer noch nicht richtig anfreunden. Andreas Kenner (SPD) stellte erneut fest, dass es in Kirchheim auch in den 70er-Jahren „keine Tradition der Roller-Discos“ gegeben habe. Wenn überhaupt, dann biete sich der Rollschuhplatz als Veranstaltungsort an, nicht aber der Postplatz. Außerdem wollte Andreas Kenner eine Wette eingehen, dass man „wahrscheinlich keine 50 Leute in Kirchheim findet, die schon einmal auf einer Roller-Disco waren“.

Ebenfalls „schwer tun“ mit einer Rollschuh-Party würde sich Dr. Silvia Oberhauser, die Fraktionsvorsitzende der Frauenliste. Und auch Dr. Christoph Miller (Freie Wähler) bekannte: „Ohne eine Rollschuhparty würde mir nichts fehlen.“ Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Sabine Bur am Orde-Käß meinte zwar, dass eine 70er-Jahre-Retro-Party vielleicht durchaus junge Leute ansprechen könnte. Aber es müsse dann trotzdem einen deutlicheren Bezug zur Eisenbahn geben.

Einzig Eva Baudouin (CDU) sagte, dass sie das Projekt persönlich unterstützen könne, wenn es stärker mit der Eisenbahn verknüpft sei. Somit half auch das Werben der Oberbürgermeisterin nichts, die gefragt hatte: „Warum sollen wir es nicht wagen, etwas Neues in der Stadt zu probieren?“ Immerhin würden nach den aktuellen Berechnungen nur rund 1 000 Euro an ungedeckten Kosten für die Party auf dem Stadtsäckel lasten.

Zur Abstimmung stand schließlich ein Kompromiss, den Ralf Gerber (Freie Wähler) vorgeschlagen hatte: Das Gesamtbudget von 14 600 Euro für das Eisenbahnjubiläum wird bewilligt, aber ohne Rollschuh-Party. Das dafür vorgesehene Geld wird in die Werbung gesteckt, um auch auf die Verbindung der Eisenbahn mit dem Wollmarkt und auf das ganz große Jubiläumswochenende am 20. und 21. September aufmerksam zu machen.

Eine dieser Werbemaßnahmen wird der historische Zug sein, der an jenem Wochenende von Ludwigsburg nach Kirchheim fahren soll. Über die Fahrpreise – speziell Familienrabatte – wird noch entschieden.