Dachsanierung der Martinskirche beginnt im September und sollte bis April 2014 abgeschlossen sein
Das Große Mausohr setzt die Fristen

Schon lange geht es darum, dass die Kirchheimer Martinskirche in mehreren Schritten saniert werden muss. Am dringlichsten ist die Dachsanierung. Inzwischen gibt es sogar einen festen Terminplan für die Arbeiten am Dach – so fest zumindest, wie es das „Große Mausohr“ zulässt.

Andreas Volz

Kirchheim. Die Gesamtkosten für alle drei Bauabschnitte der Martinskirche sind mit drei Millionen Euro veranschlagt: „Geld, das wir im Grunde nicht haben“, sagt Dekanin Renate Kath. Die Finanzierungsfrage ist einer der Gründe, warum nicht alles auf einmal gemacht wird. Beim Dach zu beginnen, ist aber auch aus anderen Gründen sinnvoll: Erstens gibt es bei Dachplatten und im Gebälk deutliche Schäden, die zu beheben sind, und zweitens lassen sich die Sanierung der Fassade samt Fenstern sowie die Innenrenovierung der Kirche erst dann sinnvoll angehen, wenn keine weiteren Schäden von oben her drohen.

Allein für die Dachsanierung sollen Kosten von 820 000 Euro anfallen. Der Eigenanteil der Martinskirchenge­meinde beläuft sich auf 100 000 Euro. Dieses Geld hat die Gemeinde in den vergangenen drei Jahren gesammelt. Kirchenpfleger Bernd Kemmner bedankt sich deshalb ausdrücklich bei allen Spendern – bei Gemeindemitgliedern ebenso wie bei Kirchheimer Bürgern, die der Kirchengemeinde nicht ganz so nahe stehen, oder auch bei Vereinen und Organisationen. Zur Summe von 100 000 Euro meint der Kirchenpfleger anerkennend: „Das halten wir für außergewöhnlich viel, besonders in Zeiten, in denen die wirtschaftliche Situation für viele Menschen schwierig ist.“

Mit dieser Sammlung habe die Martinskirchengemeinde ihre Hausaufgaben gemacht, was letztlich auch für die Gespräche mit Zuschussgebern hilfreich gewesen sei. Ohne einen Zuschuss der Stadt Kirchheim in Höhe von 270 000 Euro sei die Dachsanierung für die Kirchengemeinde nicht zu stemmen, sagt Bernd Kemmner. Gleiches gelte auch für die 71 000 Euro Zuschuss „vom Denkmalschutz“.

Für die restlichen Kosten ist die Martinskirchengemeinde auf kirchliche Zuschüsse angewiesen, auf Haushaltsmittel der evangelischen Gesamtkirchengemeinde Kirchheims sowie auf weitere Spenden und Aktionserlöse. Als eines von vielen Beispielen für solche Aktionen sei die „Dachpatenschaft“ genannt: Für knapp 50 Euro können Privatpersonen, aber auch Vereine oder Unternehmen die Patenschaft für einen von insgesamt rund 1 400 Quadratmetern Dachfläche übernehmen. Viele Quadratmeter sind bereits vergeben. Die markierte Dachfläche am Modell wird stetig größer. Aber es gibt trotzdem noch genügend freie Dachfläche, sodass die Aktion noch längere Zeit weitergeht.

Wenn nun also die Finanzierung gesichert ist, stünde dem Beginn der Bauarbeiten im Frühjahr eigentlich nichts im Wege – wäre da nicht das „Große Mausohr“. Diese Fledermaus­art unterhält im Martinskirchendach eine beachtliche Kolonie, die aus circa 250 Tieren besteht. Von April bis September halten sich die Fledermäuse im Dachraum auf. Diese Zeit ist also zum Schutz der Tiere als Bauzeit tabu. Deshalb beginnen die Gerüstarbeiten für die Dachsanierung auch erst Anfang September, eine Woche nachdem das Sommernachts­kino am 25. August seinen letzten Film für dieses Jahr gezeigt hat.

„Wir beginnen so schnell wie möglich“, sagt Sandra Rapp, die zuständige Architektin des Kirchheimer Büros Bankwitz Architekten. Zunächst soll das Gerüst bis in die Höhe aufgestellt werden, die der Naturschutz maximal zulässt. Sobald die letzte Fledermaus das Dach verlassen hat, wird das Gerüst weitergebaut, und die eigentlichen Arbeiten können beginnen. Zeit dafür bleibt bis Ende März oder Anfang April. Wenn dann nämlich das erste Große Mausohr wieder zurückkehrt, müssen die Bauarbeiten unterbrochen werden.

Die Sanierungsarbeiten beginnen deshalb am Kirchturm. „Von dort arbeiten wir Richtung Chor“, gibt Sandra Rapp die Sanierungsstrategie vor. Darin steckt auch die Hoffnung, möglicherweise nach Rückkehr der Fledermäuse doch noch die Arbeiten am Chordach vollenden zu können. Die Mausohr-Kolonie ist nämlich unter dem großen Kirchendach angesiedelt, in Turmnähe.

So unsicher die „Urlaubszeit“ der Fledermäuse hinsichtlich der genauen Termine ist, so sicher sind die Auflagen für die Sanierung: So sind die Einflugschneisen der Fledermäuse genauestens dokumentiert. Löcher, die nach Sanierungskriterien eigentlich abgedichtet werden würden, müssen offenbleiben, wenn die Fledermäuse sie bisher schon als Ein- und Ausflugöffnungen genutzt haben. Auch alte Holzlatten oder Balken müssen aufbewahrt und anschließend im sanierten Dach wieder angebracht werden, weil sich die Fledermäuse möglicherweise an diesen gewohnten Hölzern orientieren.

Sollten die Arbeiten nicht rechtzeitig fertig sein und auch am Chordach nicht weitergeführt werden können, dann gibt es eine sechsmonatige Zwangspause. Entweder bleibt das Gerüst in dieser Zeit stehen, oder aber es wird ab- und wieder aufgebaut. Beide Varianten hätten ihre Vor- und Nachteile. Die Kosten allerdings unterscheiden sich nicht groß. 50 000 Euro zusätzlich würden der Kirchengemeinde allein dadurch entstehen, wenn die Dachsanierung im Herbst 2014 fortgesetzt werden müsste.

Architekt Matthias Bankwitz spricht von drei Faktoren, die sich nicht beeinflussen lassen: Der Baubeginn hänge von der Freigabe des Dachs durch die Fledermaus-Gutachterin ab. Danach gehe es um das Wetter über den Winter: „Kalt und trocken wäre ideal.“ Schnee würde die Arbeiten stärker behindern als Kälte. Drittens bestimme das Große Mausohr das Ende der Bauzeit.

Den Zeitrahmen von sechs bis sieben Monaten für die Dachsanierung hält Sandra Rupp für „ziemlich sportlich“. Matthias Bankwitz ergänzt: „In weniger als einem halben Jahr kriegen wir es auf gar keinen Fall hin.“ Wirklich schlechtes Wetter mit viel Schnee sei in dieser Berechnung noch gar nicht berücksichtigt. Architekten wie Kirchengremien werden im kommenden Winter also bang zum Himmel blicken und gespannt die Wettervorhersagen verfolgen.