Neidlingen. Doch, es gibt sie tatsächlich, die Neidlinger, die die bevorstehende Bürgermeisterwahl nicht beschäftigt. Zu ihnen zählt die 87-Jährige, die diese Angelegenheit lieber der Jugend überlassen will. Oder der Teenager an der Bushaltestelle, der noch nicht wählen darf. Doch die beiden gehören zu einer kleinen Minderheit. Ansonsten wird im Flecken derzeit eifrig und hochkontrovers diskutiert – ob auf der Straße, beim Friseur oder im Lebensmittelladen. Ob sich das wohl in der Wahlbeteiligung niederschlagen wird?
„Der andere kann nichts besser machen“, meint eine Frau. „Ich denke, dass Kammerlander eindeutig gewinnt und hoffe es auch für ihn.“ Wie im Ort über Kammerlander geredet wird, missfällt einigen Neidligern ganz entschieden. „Manche Leute, wie die mit ihm umgehen, die haben keinen Charakter“, beklagt eine Frau. Eine andere junge Neidlingerin denkt ähnlich: „Mitbürger begeben sich auf Fehlersuche. Manche werden beleidigend gegenüber dem Bürgermeister und sind scheinbar auch noch stolz darauf. Das hat er nicht verdient, das hat er besser verdient. Man muss denken, was man anrichtet, man kann mit Worten jemanden töten.“
Dass Kammerlander einen aufwendigen Wahlprospekt erstellt hat und ihn zusammen mit seiner Frau persönlich im Ort verteilt, wird von manchen positiv vermerkt. „Ich finde, er setzt sich sehr ein“, meint eine Frau. Dennoch halten viele Bürger die Wahl für aufregend. „Ich schätze, dass es knapp ausgeht, was man so hört“, sagt eine ältere Dame. Vielleicht sei ja ein zweiter Wahlgang nötig. Sie habe aber noch nie mit Kammerlander Ärger gehabt, ergänzt sie. Nur mit seinem Vorgänger habe sie einmal über Erschließungsbeiträge gestritten.
Es gibt ja noch einen dritten Kandidaten, Michael König von der „Nein!-Idee“. Doch der spielt in der örtlichen Diskussion nur eine untergeordnete Rolle. „Dass sich einer aufstellen lassen kann, der es gar nicht werden will, finde ich lächerlich“, sagt ein Neidlinger. Ein anderer Mann, der von dieser Kandidatur ebenfalls nichts hält, hält Michael König für möglicherweise wahlentscheidend: „Das kommt darauf an, wie viele verrückt wählen. Wenn zehn bis 20 Prozent den Hamburger wählen und es deshalb einen zweiten Wahlgang gibt, dann wird Kammerlander in diesem nicht mehr antreten.“
Manche Neidlinger unterscheiden nach dem Alter. „Viele Jugendliche, die schon ab 16 Jahren wählen dürfen, werden Däschler wählen“, meint eine Frau, die Däschler sehr „natürlich und menschlich“ findet. Sie sei gespannt auf den 1. Dezember. „Ich hoffe, es gibt einen Wechsel“, meint eine Frau, „weil unser Jetziger nur nach seinem Kopf schafft“. Die Wahl habe sich weit herumgesprochen. In Kirchheim habe sie ein Mann aus Beuren gefragt: „Was ist denn bei euch in Neidlingen los?“
Eine Frau hat sich gewundert, dass sich bei der Kandidatenvorstellung nicht mehr Leute mit ihren Fragen gemeldet haben. Das passe nicht zur Diskussion und Stimmung im Ort. „Ich habe einen guten Eindruck von Kammerlander, er ist ein sehr netter Mensch“, meint eine Neuzugezogene. „Ein Wechsel wäre nicht schlecht“, meint hingegen eine andere Bürgerin. Sein Rathausteam stehe hinter Kammerlander, meint eine Frau. „Ich würde sagen, Herr Däschler gewinnt“, eine andere. „Wie es ausgeht, das weiß kein Mensch“, ist eine andere Bürgerin überzeugt. „Das ist spannend dieses Mal.“
Auch ein Durchzählen der Antworten dieser Umfrage würde im Übrigen nichts helfen, sie ist rein zufällig und keineswegs repräsentativ.