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30 Kinder – eine Bahn

DLRG startet Online-Petition für ein neues Kirchheimer Hallenbad

Hallenbad
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Dass Sport und Politik zwei Paar Stiefel sind, ist allenfalls ein schöner Traum. Das weiß man auch bei der DLRG. Deshalb wird das Kirchheimer Hallenbad von den Lebensrettern jetzt zum kommunalpolitischen Thema gemacht: Auf der Homepage der DLRG Kirchheim kann man online eine „Petition für ein neues Kirchheimer Hallenbad“ ausfüllen.

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Irene Strifler

Kirchheim. Schon fast drei Jahre liegt der allerletzte Badetag im ziemlich maroden Kirchheimer Hallenbad zurück. – Eine lange Zeit für einen Verein, der für seine Aktivitäten voll und ganz aufs Wasser angewiesen ist. Das ist bei der DLRG (Deutsche Lebensrettungs-Gesellschaft) naturgemäß der Fall. Deren wichtigste Ziele sind kurz gefasst Leben retten, jedermann das Schwimmen beibringen und Rettungsschwimmer ausbilden. Dafür muss man vor allem eines: schwimmen lernen, üben, trainieren.

Seit das Hallenbad zu ist, tut sich die DLRG Kirchheim schwer. Eng wird‘s besonders im Winter, wenn auch das Freibad geschlossen ist: „Unserem Verein fehlt die Trainingsgrundlage“, klagt der Vorsitzende der DLRG-Ortsgruppe Steffen Bock. Natürlich wurde eine Lösung gefunden – die Ortsgruppe kann in Dettingen trainieren. Allerdings musste die Anzahl der Trainingsstunden zusammengeschmolzen werden, das Becken teilt man sich außerdem oft mit anderen Wassersport treibenden Vereinen wie beispielsweise dem SV Dettingen.

Das Gedränge im Wasser ist mitunter verheerend. „Bei unseren Bronze-Kursen, die sich für die Kleinen direkt ans „Seepferdchen“ anschließen, haben wir manchmal für 30 Kinder nur eine Bahn.“ An alltagspraktische Lösungen wie zum Beispiel die Kombination, dass die Eltern zum Vergnügen ihre Runden im Schwimm­bad drehen, während der Nachwuchs den Kurs besucht, ist längst nicht mehr zu denken. Ein Schwimmkurs muss außerdem heutzutage gut geplant sein: Wer im Anfängerkurs das begehrte Seepferdchen erwerben will, sollte sich ein bis zwei Jahre im Voraus anmelden.

Bei allen Problemen sind Steffen Bock und seine Leute natürlich über jeden Einzelnen froh, der Interesse am Schwimmen hat und Freude daran findet. Tatsache ist nämlich, dass die Zahl der Nichtschwimmer bundesweit bedrohlich zunimmt. – Ein Sicherheitsrisiko, wie die Lebensretter zu bedenken geben. Die entschei­denden Weichen werden oft nicht mehr im Kindesalter gestellt. „Als Erwachsener lernt‘s kaum einer mehr“, bedauert Bock, dass der entsprechende Kurs nur wenig nachgefragt wird.

„Für uns war schon immer klar: Ein neues Hallenbad braucht man unbedingt“, fasst der Vorsitzende die Wünsche der DLRG zusammen. Um diesem Ansinnen nun Nachdruck zu verleihen, soll das Thema Hallenbad pünktlich zur Kommunalwahl in Kirchheim wieder hochpolitisch werden. „Wir wünschen uns Aussagen von allen Parteien dazu“, erzählt Steffen Bock.

Aufgefordert, ihre Meinung kundzutun, sind aber auch die Bürger. Via Online-Petition können sie für ein neues Hallenbad votieren, allerdings ohne detaillierte Vorgaben oder gar einen Kostenrahmen. „Die große Kreisstadt Kirchheim unter Teck benötigt ein neues Hallenbad“, heißt es da lapidar. Um diese Forderung zu unterstreichen, werde um Teilnahme an der Online-Petition gebeten.

Die DLRGler betonen, dass es ihnen keinesfalls darum geht, der Politik Vorschriften machen zu wollen. Bekanntlich wurden kürzlich in einer Kirchheimer Ratssitzung drei mögliche Varianten für ein neues Hallenbad beleuchtet. Zur Debatte standen ein reines Schul- und Vereinsbad oder alternativ ein Sport- und Familienbad mit achtmonatiger oder ganzjähriger Öffnungszeit. Die gemeinderätliche Grundsatzentscheidung über einen Neubau steht allerdings noch aus. „Wir können uns letztlich mit allen Varianten anfreunden“, meint der DLRG-Vertreter.