Lokales

Absolute Mehrheiten in allen vier Teilorten

Jesingen geht an Freie Wähler; in Nabern nichts Neues; ÖBI beherrscht Ötlingen; Lindorf dreht sich

Bei den Kirchheimer Ortschaftsräten gibt es sehr unterschiedliche Wahlergebnisse zu verzeichnen: In Jesingen beispielsweise gewinnen die Freien Wähler auf Kosten der CDU. In Ötlingen ist die ÖBI der große Gewinner – von der Hälfte der Stimmen konnte sich diese Liste auf drei Viertel steigern. In Lindorf schlug das Pendel dieses Mal in die andere Richtung aus: Vier Sitze gehen an die Wählervereinigung, sechs an die Bürgerliste. Einzig in Nabern hat sich am Kräfteverhältnis zwischen AWV und SPD / UBL nichts geändert.

Andreas Volz


Kirchheim. Im Ortschaftsrat Jesingen, für den zwölf Sitze zu vergeben waren, verfügen die Freien Wähler künftig über die absolute Mehrheit. Der starke prozentuale Zuwachs von 44,7 auf 53,69 Prozent schlägt sich auch auf die Sitzverteilung nieder: Statt bisher mit fünf Sitzen sind die Freien Wähler nunmehr mit sieben Mitgliedern im Ortschaftsrat vertreten – und zwar mit Walter Feeß (1 514 Stimmen), Reinhold Ambacher (1 195), Cornelia Huttenlocher (988), Martin Ebensperger (975, neu gewählt), Ralf Stolz (866), Matthias Frasch (612, neu) und Melanie Stirn (564, neu).
Der Zusammenschluss von SPD und Unabhängiger Bürgerliste (UBL) verbessert sein prozentuales Ergebnis zwar von 30,72 auf 33,37, verbleibt aber bei vier Sitzen. Auf diesen vier Sitzen werden die bisherigen SPD / UBL-Ortschaftsräte wieder Platz nehmen: „Stimmenkönig“ Hans Gregor (1 622), Thomas Allmendinger (796), Marianne Gmelin (708) und Andrea Allmendinger-Lahn (502).
Die CDU hingegen muss herbe Verluste hinnehmen: Sie erreicht nach 24,55 Prozent im Jahr 2004 gerade noch 12,93 Prozent und ist deshalb nur noch mit einer statt wie bislang mit drei Personen im Jesinger Ortschaftsrat vertreten: mit dem neu gewählten Klaus Buck (759 Stimmen). Die Wahlbeteiligung in Jesingen lag bei 57,58 Prozent.
Keine wesentlichen Veränderungen gibt es in Nabern: Die Allgemeine Wählervereinigung Nabern (AWV) verliert zwar exakt vier Prozentpunkte an die SPD / Unabhängige Bürgerliste, hat aber mit 64,14 Prozent immer noch nahezu eine Zwei-Drittel-Mehrheit gegenüber der SPD / UBL-Fraktion, auf die entsprechend 35,86 Prozent der gültigen Stimmen entfallen.
An der Verteilung der zehn Sitze im Naberner Ortschaftsrat ändert sich dadurch nichts: Sieben Sitze gehen an die AWV, an deren Spitze „Stimmenkönig“ Helmut Kapp mit 935 Stimmen steht, gefolgt von Rainer Kneile (681), Jürgen Hülß (620), Hartmut Rehm (605, neu gewählt), Günter Gölz (579), Steffen Barner (556, neu) und Günther Schwarz (548). Die drei Sitze der SPD / UBL nehmen Gerwin Harand (762), Dorothee Lilienthal (602, neu) und Gerald Hiller (487) ein. Ihr Wahlrecht wahrgenommen haben 62,66 Prozent der wahlberechtigten Naberner.
In Ötlingen verbessert sich die Ötlinger Bürgerliste (ÖBI) in etwa um die Hälfte (von 49,99 auf 75,27 Prozent) und profitiert damit voll und ganz davon, dass die Freien Wähler – die vor fünf Jahren auf 17,28 Prozent und damit auf drei Sitze gekommen waren – dieses Mal keinen Wahlvorschlag eingereicht hatten. Zusätzlich hat die ÖBI aber auch den beiden anderen Listen Stimmen weggenommen: Die SPD erreicht nach 18,18 im Jahr 2004 gerade noch 13,70 Prozent, und die CDU fällt von 14,56 auf 11,02 Prozent. Damit erhalten SPD und CDU nur jeweils zwei der 18 Sitze im Ötlinger Ortschaftsrat. Für die CDU ändert sich dadurch nichts an der Zahl der Sitze, wohl aber für die SPD, die vor fünf Jahren gemeinsam mit der UBL noch drei Sitze bekommen hatte.
Die 14 Sitze der ÖBI (vorher zehn) gehen an Ortsvorsteher und „Stimmenkönig“ Hermann Kik (3 963 Stimmen), an Birgit Schweiger (2 412), Gerd Rietheimer (2 127), Gundis Henzler (1 902), Petra Auer (1 734), Claudia Hägele (1 732), Beate Mayer (1 491, neu gewählt), Monika Barner (1 453), Ursula Weber (1 371), Mirko Ivsic (1 364, neu), Klausdieter Ziegler (1 360, neu), Marliese Simon (1 333, neu), Axel Minkenberg (965, neu) und Martina Wick (911, neu). Die beiden Sitze der SPD nehmen Eleonora Pintaudi (1 064, neu) und Giuseppe Danzé (860) ein. Die beiden Sitze der CDU gehen an Thilo Rose (1 540) und Christine Schwarzbauer (862, neu). Die Ötlinger Wahlbeteiligung lag bei 49,28 Prozent.
Im Ortschaftsrat Lindorf sind die Lindorfer Bürgerliste und die Wählervereinigung Lindorf vertreten. Hatte es vor zehn Jahren trotz prozentualen Vorteils für die Wählervereinigung noch eine gleichmäßige Verteilung der zehn Sitze im Ortschaftsrat auf beide Listen gegeben, so war die Wählervereinigung seit fünf Jahren mit sechs Sitzen im Vorteil gegenüber der Bürgerliste, die seither nur noch vier Sitze für sich beanspruchen konnte. Jetzt hat die Lindorfer Bürgerliste aber den Spieß umgedreht und 54,92 Prozent der Stimmen geholt (2004 waren es noch 45,15 Prozent). Entsprechend hat sich die Wählervereinigung Lindorf verschlechtert: Gegenüber den 54,85 Prozent von 2004 kommt sie jetzt nur noch auf 45,08 Prozent.
Das bedeutet, dass die Lindorfer Bürgerliste nun ihrerseits sechs Sitze im Ortschaftsrat beanspruchen kann. Diese Sitze gehen an Stefan Würtele, der mit 583 die größte Stimmenanzahl erreichte, an Thomas Wachsmann (468), Christine Forkl-Kruschina (367, neu gewählt), Ursula Neroladakis (336), Horst Vöckel (321) und Sabine Lehmann (307, neu). Die vier Sitze der Wählervereinigung Lindorf nehmen künftig Ernst Kümmerle (520, neu), Klaus Pesl (475), Thomas Daginnus (463, neu) und Hans-Joachim Walter (316) ein. An der Wahl haben sich 56,54 Prozent der wahlberechtigten Lindorfer beteiligt.
Ein wesentlicher Grund für das vergleichsweise „schlechte“ Abschneiden der Wählervereinigung Lindorf dürfte darin liegen, dass Ortsvorsteher Manfred Haack nicht mehr zur Wiederwahl angetreten war. Vor fünf Jahren hatte er nämlich noch 1 029 Stimmen geholt. Diese Stimmen fehlen der Wählervereinigung offensichtlich: Der Vorsprung der Lindorfer Bürgerliste liegt bei 571 Stimmen. Für den neuen Lindorfer Ortschaftsrat ergibt sich durch den Rückzug Manfred Haacks, dass das Gremium zunächst einen neuen Ortsvorsteher wählen muss. Wäre Manfred Haack wieder angetreten, hätte die Ortsvorsteherwahl eine reine Formsache werden können. So aber gibt es garantiert eine richtige Neuwahl.


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