Lokales

Adalbert-Stifter-Schule hisst die weiße Fahne

Werkrealschule in der Pliensauvorstadt sieht keine Zukunft an ihrem Standort und schlägt dem Rathaus die Schließung vor

Sie hat hoch zufriedene Eltern. Die Fremdevaluation hat ihr gerade erst gute Noten ausgestellt. Und sie hat sich selbst schon auf den Weg gemacht, Gemeinschaftsschule zu werden. Dennoch ist die Adalbert-Stifter-Schule, eine reine Werkrealschule im Esslinger Stadtteil Pliensauvorstadt, jetzt auf die Stadt zugegangen mit der Bitte, die Schule zu schließen.

Erst ausgebaut - bald ausrangiert? Die Adalbert-Stifter-Schule in Esslingen. Foto: Bulgrin
Erst ausgebaut - bald ausrangiert? Die Adalbert-Stifter-Schule in Esslingen. Foto: Bulgrin

Claudia Bitzer

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Esslingen. „Es ist sehr schade, aber es ist eine Frage der Vernunft. Es bleibt keine andere Lösung“, begründet Schulleiterin Isabell Boenicke-Cabrera den ungewöhnlichen Vorstoß. 2,8 Millionen Euro hat die Stadt erst vor Kurzem investiert, um die ehemalige Hauptschule als Werkrealschule zukunftstauglich zu machen. Der Abstimmung mit den Füßen hat das keinen Einhalt geboten. Mit 16 Anmeldungen hat die auf zwei Züge angelegte Schule für das kommende Schuljahr gerade noch eine Eingangsklasse zusammenbekommen. Von den Plänen, aus eigener Kraft eine eigenständige Gemeinschaftsschule zu werden, hat sich die Schulleitung jedoch nach der Expertise des Tübinger Erziehungswissenschaftlers Professor Thorsten Bohl verabschiedet. Der schlägt vor, künftig neben den vier Gymnasien vier statt wie bislang geplant sieben Gemeinschaftsschulen in den vier Esslinger Bildungsräumen Nord, Ost, Mitte und Süd einzurichten. Benachbarte Werkreal- und Realschulen sollten sich zu einer Gemeinschaftsschule mit jeweils zwei Standorten zusammenschließen, um für eine bessere Durchmischung der Schülerschaft, mehr Akzeptanz der neuen Schulart und nachhaltige Stabilität durch größere Schülerzahlen zu sorgen. Doch auch er räumt ein, dass das im Süden schwierig ist. Dort sollen sich die Zollberg-Realschule und die Adalbert-Stifter-Schule zusammentun - obwohl beide gut drei Kilometer und etliche Höhenmeter voneinander entfernt liegen.

Bei einem Treffen beider Schulen hat sich jetzt nach übereinstimmender Auskunft beider Schulleiterinnen herausgestellt, dass dieser Vorschlag einer starken Gemeinschaftsschule im Esslinger Süden nur im Wege steht. „Wenn wir mit der Zollberg-Realschule fusionieren und die Klassen fünf bis sieben der zusammengelegten Gemeinschaftsschule bei uns in der Pliensauvorstadt anbieten, müssen wir damit rechnen, dass wir die Berkheimer und Zollberger Schüler an die Filderkommunen oder andere Schulen verlieren“, so Boenicke-Cabrera. Brigitte Krömer-Schmeisser, Chefin der Zollberg-Realschule: „Das liegt an der Entfernung und den gewachsenen Strukturen. Es gibt seit Jahren keine direkten Busverbindungen aus Berkheim hinunter in diesen Teil der Pliensauvorstadt. Zudem müsste bei einer solchen Gemeinschaftsschule mit zwei Standorten jedes Kind mindestens drei Jahre lang fahren. Das sind keine guten Startvoraussetzungen.“ Für Boenicke-Cabrera, überzeugte Befürworterin der neuen Schulart, war das Anlass, den schmerzhaften Schnitt „offensiv anzugehen“ und gemeinsam mit der Zollberg-Realschule auf die Stadt zuzugehen. „Wir würden auch alleine nie die notwendige heterogene Schülerschaft aus unserem Einzugsgebiet bekommen. Die Zollberg-Realschule sollte jedoch möglichst bald einen Antrag auf Einrichtung einer Gemeinschaftsschule stellen, dass ich meinen Kindern sagen kann: Da oben könnt ihr euch anmelden.“

Ob das 2014/15 oder erst 2015/16 sein wird, kann Brigitte Krömer-Schmeisser jedoch noch nicht sagen. Zumal sie von der Schul- und Gesamtlehrerkonferenz zwar den Auftrag hat, ein Konzept für eine Gemeinschaftsschule zu erarbeiten und auch schon ein strammes Programm in diese Richtung hingelegt hat. „Aber wir haben noch keinen Beschluss.“ Voraussetzung für die Zollberg-Realschule ist nach wie vor, dass sie ihr Sportprofil mitnehmen kann – was seitens des Lands noch nicht geklärt ist. Für eine Profilbildung braucht eine Schule jedenfalls mindestens drei Züge – vor Bohl hat die Stadt nur mit zweizügigen Gemeinschaftsschulen kalkuliert. Krömer-Schmeisser glaubt jedoch, dass die dafür fälligen Umbauten – vor allem für den gebundenen Ganztagsbetrieb – wie gefordert im Bestand bewerkstelligt werden können. Doch sie verhehlt nicht, dass sie mit einer Sekundarstufe II liebäugelt, zumal es im Esslinger Süden kein Gymnasium gibt. Die könne unterm eigenen Dach nicht untergebracht werden, sei aber auch nicht sofort notwendig.

Denkmodelle, der benachbarten WLB-Werkstatt und Studiobühne am Zollberg einen Umzug in die dann frei werdende Stifter-Schule anzudienen, sind finanziell sicher nicht machbar. Zumal die WLB eine Landeseinrichtung und Eigentümerin ihres Zollberg-Ensembles ist.