Lokales

Auf der Datenautobahn statt im Schneckentempo surfen

In Nabern und Lindorf gibt es seit gestern offiziell eine flächendeckende Breitbandversorgung

Zwei Jahre lang hat die Private Internet Initiative Nabern-Lindorf zusammen mit der gemeinnützigen Frauenhoffer-Stiftung für eine Breitbandversorgung in den beiden Teilorten gekämpft – mit Erfolg: Gestern wurde die schnelle Internetverbindung offiziell in Betrieb genommen.

DSL-BŸrgerinitiative  Nabern-Lindorf, schnelle Internetanbindung wird in Betrieb genommene
DSL-BŸrgerinitiative Nabern-Lindorf, schnelle Internetanbindung wird in Betrieb genommene

Kirchheim. Für viele Menschen gehören Online-Shopping, das Versenden von Mails mit Anhängen, Internet-Telefonie oder die Teilnahme an sozialen Internet-Netzwerken längst zum Alltag. Nicht so für die Einwohner von Nabern und Lindorf. Dort mussten sich Internetnutzer stets im Schneckentempo durchs Netz quälen – wenn sie überhaupt noch ein Signal empfingen. „Wir haben seit mehreren Monaten keinen Internetzugang mehr“, berichtete Jürgen Hülß, Rechtsanwalt und Gründer der Privaten Internet Initiative Nabern-Lindorf. Kam Familie Hülß im vergangenen Jahr immerhin noch mit 27 bis 84 kilobit pro Sekunde ins Netz, so war im Februar endgültig Schluss. Tochter Ina musste – ebenso wie andere Naberner Schulkinder – zu Freundinnen nach Kirchheim oder Jesingen fahren, um im Internet für Präsentationen oder andere Schulaufgaben zu recherchieren.

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DSL-BŸrgerinitiative  Nabern-Lindorf, schnelle Internetanbindung wird in Betrieb genommene
DSL-BŸrgerinitiative Nabern-Lindorf, schnelle Internetanbindung wird in Betrieb genommene

Diese Zeiten sind jetzt vorbei. Seit gestern sind die beiden Kirchheimer Teilorte Nabern und Lindorf offiziell an die Datenautobahn angeschlossen. 30 Haushalte in Nabern surfen bereits mit Geschwindigkeiten von 16 000 bis 50 000 kilobit (16 bis 50 Mbit) pro Sekunde im Internet, rund 190 werden in den nächsten Monaten folgen – je nachdem, wann die alten Verträge auslaufen. In Lindorf ging es mit der Installation und Freigabe des Internets noch schneller. Dort wurde der erste Teilnehmer bereits im Februar an das Highspeed-Internet angeschlossen, etwa 50 weitere Haushalte sind seither dazugekommen. Die Verbindungsraten bewegen sich dort nahezu flächendeckend bei 50 000 kilobit pro Sekunde.

Möglich wurde der Schritt von Schneckentempo zu Highspeed durch das Engagement der Privaten Internet Initiative Lindorf-Nabern und die Unterstützung der Franz und Regine Frauenhoffer-Stiftung mit Sitz in Ostrach. Die gemeinnützige Stiftung hat es sich zur Aufgabe gemacht, Kommunen im ländlichen Raum in Baden-Württemberg zu schnellen Internetverbindungen zu verhelfen. „Unersetzlich sind aber die Leute vor Ort“, ging Franz Frauenhoffer auf die Bedeutung der Bürgerinitiative ein. Ganz besonders ho­ben Franz Frauenhoffer und Jürgen Hülß das Engagement von Klaus Pesl aus Lindorf hervor. „Ohne ihn hätten wir es nie geschafft.“ Als unersetzlicher Experte in Sachen Infrastruktur habe er sich nicht nur für seinen Wohnort engagiert, sondern auch eine Lösung für Nabern ausgetüftelt, als die Sache dort zu scheitern drohte.

Jetzt sind die Anschlüsse unter Dach und Fach. Das schnelle Internet kommt in Lindorf per Glasfaserkabel an. In Nabern wurde eine Richtfunk-Verbindung installiert, laut Frauenhoffer eine Art „turboschnelles Rohr durch die Luft“. Die Verteilung bis zu den Haushalten erfolgt über die Kupferkabel der Telekom.

Bereitgestellt wird das schnelle Internet in Nabern und Lindorf jedoch durch einen anderen Telekommunikationsanbieter. Die NeckarCom GmbH hatte der Frauenhoffer-Stiftung angeboten, die Teilorte kostenlos anzuschließen, wenn bis zu einem Stichtag mehr als 300 unterzeichnete DSL-Neukunden-Verträge aus Lindorf und Nabern vorlägen. Der Bürgerinitiative gelang es sogar, 320 zusammenzutragen.

Während für die Bürgerinitiative nun der größte Brocken geschafft ist, fängt für ein aktives Mitglied die Arbeit erst so richtig an: Holger Kölsch aus Nabern ist jetzt Vertriebspartner der NeckarCom und vor Ort für die Kundenbetreuung zuständig.

Dass übrigens nicht die Stadt Kirchheim selbst das schnelle Internet in die Teilorte bringen konnte, liegt daran, dass Kommunen verpflichtet sind, die Breitbandversorgung auszuschreiben und dem günstigsten Anbieter den Zuschlag zu geben. Das vorliegende Angebot für Nabern und Lindorf hatte aber keineswegs den Vorstellungen der Bürger entsprochen.

Unverständlich findet es Franz Frauenhoffer, dass das Land Baden-Württemberg nicht selbst mehr für den Ausbau der Breitbandversorgung im ländlichen Raum tut. Schließlich sei die NeckarCom eine hundertprozentige Tochter der EnBW, die wiederum zur Hälfte dem Land gehöre. „Da gibt es eine Chance“, betonte Frauenhoffer und fügt hinzu: „Eine Wirkung sehe ich aber noch nicht.“