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Auf der Suche nach ZähringerspurenInfo

Studenten der Uni Tübingen nehmen in Lehrgrabung Vorburg der Limburg unter die Lupe

Zentimeter für Zentimeter tragen die Studierenden Erde und Gestein ab. Andere sieben das lockere Material und durchsuchen es nach Nägeln oder Perlen. Wissenschaftliche Zielsetzung der Grabungen ist, Hinweise darauf zu bekommen, wie lange die Zähringerburg auf der Limburg Bestand hatte.

Grabungsarbeiten an der Limburg (Uni TŸbingen)
Grabungsarbeiten an der Limburg (Uni TŸbingen)

Weilheim. „Wir haben hochmittelalterliche, spätmittelalterliche und sogar frühgeschichtliche Keramik gefunden“, sagt Dr. des. Anke Scholz, die Grabungsleiterin vor Ort, und präsentiert grobe schwarze sowie rote Scherben. „Damit haben wir auch einen Hinweis auf vormittelalterliche Besiedelung“, so die wissenschaftliche Mitarbeiterin.

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Weithin sichtbar haben die Studenten des Instituts für Ur- und Frühgeschichte und Archäologie des Mittelalters der Universität Tübingen auf einer gen Weilheim liegenden „Terrasse“ etwas unterhalb des Gipfels zwei weithin sichtbare weiße Zelte aufgeschlagen, die ihnen bei ihrer Arbeit etwas Schutz vor extremer Witterung bieten. Durch die Ausgrabungen erhoffen sich die Wissenschaftler, die in der Turnhalle der Limburg-Grundschule nächtigen, Aufschluss über die Baugeschichte der Zähringerburg zu bekommen. „Keiner weiß genau, wann die Burg errichtet wurde“, erklärt Anke Scholz. Ähnlich sei es mit ihrer Auflassung. Insbesondere Nutzung und Bebauung im Bereich der sogenannten Vorburg sind noch ein weißer Fleck auf der archäologischen Landkarte, wurden doch in diesem Bereich, anders als auf dem Gipfel, der 1913/14 untersucht wurde, noch nie Grabungen vorgenommen.

„Wir hatten die Hoffnung, dass unter der wallartigen Erhebung hier ein Mauerzug liegen könnte“, so Anke Scholz. Doch das vorsichtige Abtragen mit Kelle und Hammer förderte unter der Erhebung lediglich geologisches Gestein zutage. Einer der beiden zwei auf zwei Meter gro­ßen Schächte, der mittlerweile gut 1,30 Meter tief ausgegraben ist, gibt den Blick auf aufgeschichtete Bruchsteine und künstlich aufgefüllte Planierschichten frei und zeigt, dass das unterhalb des Gipfels liegende Plateau offensichtlich von Menschenhand angelegt wurde. Sandsteinelemente und relativ viel Schiefer liefern den Archäologen Hinweise auf die einstige Bebauung. „Das alles muss hochtransportiert worden sein. Der Schiefer wurde vielleicht zur Dachdeckung verwendet“, mutmaßt Anke Scholz. Weil sich die Studenten inmitten des Naturschutzgebietes Limburg bewegen, wird lediglich an drei Stellen gegraben. Bevor die Studenten am 26. August auf dem Weilheimer Hausberg ihre Zelte abbrechen, wird die Erde in umgekehrter Reihenfolge wieder verfüllt, um den Eingriff in die Natur möglichst gering zu halten.

Die ersten 14 Studenten haben am Freitag ihre Lehrgrabung beendet. Heute reist die zweite „Schicht“ an, die die nächsten 14 Tage graben und sieben wird und mit Fotoapparat, Flächenzeichnungen sowie Beschreibungen dokumentiert, was unter der Grasnarbe an Zeugnissen längst vergangener Jahrhunderte schlummert. „Vielleicht können wir nach der Auswertung unserer Funde ja Aussagen zu Nutzungsdauer und die genaue Bebauung der Vorburg treffen“, so die Hoffnung von Anke Scholz. Typisch für eine hochmittelalterliche Adelsburg wären im Bereich der Vorburg Versorgungseinrichtungen wie eine Schmiede oder Pferdeställe gewesen.

„Wir sehen die Lehrgrabung als Vorbereitung auf ein größeres Forschungsprojekt zur Beherrschung des Albtraufs“, erläutert Anke Scholz. Wenn sich die notwendigen Gelder beschaffen lassen, soll esin Zusammenarbeit mit Dr. Jörg Bofinger vom Landesamt für Denkmalpflege in Angriff genommen werden.

INFO

Jeweils donnerstags am 18. und 25. August bieten die Wissenschaftler der Uni Tübingen auf der Limburg um 17.30 Uhr halbstündige Führungen an. Dabei präsentieren sie Interessierten die bis dahin vorliegenden Ergebnisse der Lehrgrabung.

Sieben, messen, zeichnen: Akribisch untersuchen und dokumentieren Studierende des Instituts für Ur- und Frühgeschichte und Archä
Sieben, messen, zeichnen: Akribisch untersuchen und dokumentieren Studierende des Instituts für Ur- und Frühgeschichte und Archäologie des Mittelalters der Uni Tübingen, was sich unter der Grasnarbe im Bereich der sogenannten Vorburg der Limburg verbirgt.Fotos: Jean-Luc Jacques