Lokales

Begrüßungsportal und Ort zum „Chillen“

Michaelshof in Hepsisau bekommt Treffpunkt für die Jugendlichen unter freiem Himmel

In einer konzertierten Aktion wurde das ehemalige Spielgelände des Michaelshofs in Hepsisau umgestaltet. Gemeinsam mit zahlreichen Beteiligten, darunter Lehrer, Erzieher und Auszubildende der Neidlinger Firma Festool, packten die Jugendlichen der Einrichtung mit an.

Innerhalb von einer Woche wurde das Spielgelände auf dem Michaelshof bei Hepsisau umgestaltet.Foto: Jean-Luc Jacques
Innerhalb von einer Woche wurde das Spielgelände auf dem Michaelshof bei Hepsisau umgestaltet.Foto: Jean-Luc Jacques

Weilheim. „Können wir mal einen großen Kreis machen“, schallt es über den Hof auf dem Gelände des Michaelshofs in Hepsisau, und 19 Schüler der Klassen sieben und acht, einige Auszubildende der Firma Festool aus Neidlingen sowie Lehrer und Erzieher sortieren sich aufgeregt. Der da ruft, ist kein Lehrer, sondern der Bauleiter einer Firma aus Möhringen.

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Heute beginnt endlich die lange vorbereitete Projektwoche. Alle Beteiligten haben sich zum Ziel gesetzt, innerhalb von fünf Tagen ein ehemaliges Spielgelände der Einrichtung in einen ganz besonderen Treffpunkt für die Jugendlichen umzugestalten.

Die Jugendlichen waren schon vom ersten Tag der Planung an mit ihren Ideen und Wünschen beteiligt. In Workshops erstellten die Jugendlichen verschiedene Modelle – Vorarbeiten des Entwurfs, der nun gemeinsam gebaut werden soll.

Auf dem Gelände entstehen große Wände aus Eichenbohlen, die sowohl als Sichtschutz dienen als auch zum Klettern und Herumturnen geeignet sind. Dahinter und mittendrin gibt es Sitzgelegenheiten aus Beton, der von den Betonkünstlern Clemens Hunger und Daniel Wiener vor Ort mit den Jugendlichen in Form gebracht wird. Außerdem wird es endlich eine Freiluft-Tischtennisplatte geben, deren Finanzierung jedoch leider noch nicht gesichert ist.

„Das umgestaltete Spielgelände soll auch als neues Begrüßungsportal für Gäste der Einrichtung dienen“, sagt Einrichtungsleiter Jens Binder-Frisch. Ihn begeistert vor allem, mit welcher Freude die Jugendlichen anpacken. „Für die Jugendlichen ist es wichtig, dass sie einen Platz haben, der etwas sichtgeschützt ist und an dem sie einfach ‚chillen‘ können“, ergänzt Bernhard Seitzer, Leiter der Schule für Erziehungshilfe am Heim.

Immer vier Jugendliche arbeiten an einem Objekt unter Anleitung eines Handwerkers oder Erziehers, und man kann förmlich sehen, wie die Bauwerke in die Höhe wachsen. Da erleben die Jugendlichen, wie es ist, in einem Betrieb mitzuarbeiten, und bekommen schon einen kleinen Einblick in das spätere Berufsleben. „Das ist wie ein Betriebspraktikum daheim“, meint Maxi und besäumt eine weitere Eichenbohle mit der Flex. „Ich glaube ich werde mal Schweißer“, meint Dominik, nachdem er mit dem Elektroschweißgerät Baustahl zu einer Unterkonstruktion zusammengeschweißt hat. Von den üblichen lockeren Sprüchen und den ansonsten häufigen Stimmungstiefs ist in dieser Woche wenig zu merken, denn alle sind konzentriert bei der Sache. Zwei Mädchen erstellen eine „Projektzeitung“ und halten das ganze Geschehen in einem Internet-Tagebuch fest, das auf der Homepage des Michaelshofs erscheinen wird. Eine weitere Besonderheit des Projekts ist, dass fünf Auszubildende aus den verschiedenen Bereichen der Firma Festool im Rahmen eines sozialen Engagements eine Woche lang mit den Jugendlichen Hand in Hand arbeiten und so einen kleinen Eindruck vom Alltag in einer Jugendhilfeeinrichtung bekommen. Neben der Körperkraft haben sie auch einige hauseigene Maschinen mitgebracht. Gemeinsam sind sie eine große Hilfe und maßgeblich daran beteiligt, dass sich das Ergebnis sehen lassen kann. „Es ist erstaunlich, was in einer Woche alles geschafft wird“, meint Fabian, der eine Ausbildung zum Mechatroniker bei Festool in Wendlingen macht.

Das Sahnehäubchen des gesamten Projektes schließlich ist die Anwesenheit eines SWR-Kamerateams. Für die Jugendlichen bedeutet es eine ganz besondere Herausforderung, wenn ihnen beim Schrauben und Sägen eine Kamera über die Schulter schaut.

Insgesamt geht für alle eine sehr aufregende und erlebnisreiche Woche mit einem großen Grillfest zu Ende.bf