Lokales

Bewahren, schützen, pflegen

KOV Nürtingen: Kompetenz der Vorsitzenden wird infrage gestellt – Lautstarker Protest

„Alles Kirsche“: So lautete das Motto der Jahreshauptversammlung des Kreisverbands der Obst- und Gartenbauvereine (KOV) Nürtingen. Im Zentrum standen die Bemühungen um die Pflege und den Erhalt der Streuobstwiesen.

Bei der Jahreshauptversammlung des KOV wurden langjährige Beiratsmitglieder geehrt.Foto: Nicole Mohn
Bei der Jahreshauptversammlung des KOV wurden langjährige Beiratsmitglieder geehrt.Foto: Nicole Mohn

Frickenhausen. Eindrucksvoll stellten die Gastgeber des Vereins für Obstbau, Garten und Landschaft Linsenhofen bei der Hauptversammlung des KOV in Linsenhofen unter Beweis, dass man mit Regionalem seine Gäste bestens verwöhnen kann – ob beim Schweinebraten mit Kirschsößle oder beim leckeren „Kirschenkuss“ mit Zitrone und Apfelsaft.

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Für Landrat Heinz Einiger war dies ein gelungenes Beispiel dafür, wie man beste Werbung für den Streuobstbau machen kann. Er lud die Vertreter der Mitgliedsvereine dazu ein, offen zu sein und sich neuen Ideen und Konzepten zu öffnen, um mehr Menschen für die Bewirtschaftung der traditionsreichen Anbauweise zu gewinnen.

Das Thema Streuobst bestimmte die Arbeit des Kreisverbandes im vergangenen Jahr einmal mehr. Von der Pflanzung der Streuobstsorte des Jahres, der den Garten des Freilichtmuseums um eine alte und in Vergessenheit geratene Sorte bereichert hat, bis hin zur großen Obstsortenausstellung beim Moschtfest des Museumsdorfes rührte der KOV bei zahlreichen Aktionen die Werbetrommel für den Erhalt und die Pflege der Kulturlandschaft.

Ein wichtiges und nachhaltiges Projekt im Jahr 2014 war die Baumpflanzaktion im Rahmen der Spendenkampagne „Blühender Landkreis“ der Stiftung der Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen. Gefördert werden dabei nicht nur die Neuanpflanzung von 430 Obstbäumen im Kreisgebiet, sondern die Stiftung gewährt darüber hinaus einen Zuschuss zu deren Pflege. Das war ein Punkt, den man bei der Vorbereitung der Kooperation zur Bedingung gemacht hatte, betonte die KOV-Vorsitzende Sigrid Jetter. Sie freut sich über das gelungene Projekt, an dem sich allein im KOV-Gebiet 26 Vereine beteiligten. Gesetzt wurden 225 neue Bäume.

Sowohl Landrat Einiger als auch Sigrid Jetter appellierten zudem, das Förderprogramm des Landes für die Schnittpflege der Streuobstwiesen zu nutzen und sich nicht von den bürokratischen Erfordernissen des Antrags abhalten zu lassen. „Es ist den Aufwand wert“, sagte Einiger.

Denn der Einsatz für die Pflege und den Erhalt der Streuobstwiesen brachte aus finanzieller Sicht auch 2014 nichts ein. Eine starke Ernte und der Russland-Boykott sorgten für ein Überangebot am Markt, sodass mit bis zu fünf Euro pro Doppelzentner die Preise für das Saftobst einmal mehr im Keller blieben. Glück für die, die sich an einem der Aufpreismodelle oder gar dem Apfel-Chips-Projekt des Vereins Schwäbisches Streuobstwiesen-Paradies beteiligten: Hier sei der Mehraufwand mit einem Euro pro Kilo fair entlohnt worden, sagte der Landrat.

2014 startete ein weiteres Projekt, das wegweisend sein könnte: Durch das Pilotprojekt des Landkreises im Täle soll ein Beispiel gegeben werden, wie die Kulturlandschaft so umgestaltet werden kann, dass künftig auch eine Pflege mit Maschinen möglich ist. „Natürlich lässt sich das nicht auf jede Wiese eins zu eins übertragen, aber wir wollen damit anregen, Neues zu wagen“, betonte der Kreischef.

In der Arbeit des KOV Nürtingen ist nach wie vor die Aus- und Weiterbildung der Fachwarte ein wichtiges Angebot, die das Wissen zur Pflege und zu Bewirtschaftungsformen in die einzelnen Vereine tragen. 27 Männer und Frauen schlossen im vergangenen Jahr die mehrmonatige Schulung mit Erfolg ab. Auch die Schnittkurse, insbesondere die Kurse für Frauen, erfreuen sich nach wie vor großer Nachfrage.

Neben dem Baumpflanzprojekt und Infoveranstaltungen zu dem neuen Förderprogramm des Landes befasste sich der erweiterte Vorstand mit einer Neufassung der KOV-Satzung. Zur Verabschiedung des Entwurfes sollte es an diesem Abend jedoch nicht kommen. Manfred Speidel, Vorsitzender des OGV Nürtingen, meldete rechtliche Bedenken an. Die Satzung sei nicht beschlussfähig. Einer der aufgeführten Gesetzesparagrafen sei fehlerhaft – beim Übertrag aus der alten Satzung war schlichtweg eine Zahl vergessen worden. Ein Fehler, der offenbar weder dem Justiziar noch dem Finanzamt, wie Sigrid Jetter berichtete, aufgefallen war. Speidel stellte aufgrund dieser Tatsache gar die Kompetenz der Vorsitzenden infrage und sorgte damit im Saal für lautstarken Protest. Speidels Antrag, den Punkt abzusetzen, quittierten die Delegierten mit einer klaren Absage. Sie stimmten mit breiter Mehrheit für den Vorschlag Jetters, die Neufassung zurückzustellen und dem Amtsgericht zur Prüfung vorzulegen.

Mit der Ehrung von langjährigen Beiratsmitgliedern glätteten sich die Wogen wieder: Jutta Eberspächer, Tobias Schmid, Hans Gienger und Bernhard Janorschke erhielten für ihr Engagement aus den Händen von Sigrid Jetter den bronzenen Apfel.