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Bewegender Abschied von Kindern

Bewegender Abschied von Kindern

„Ein solcher Abschied fällt natürlich schwer“, sagt Ingrid Stehle, die frühere Gemeindereferentin der katholischen Kirchengemeinde Maria Königin, vor der Friedhofskapelle, wo sich die Angehörigen der kleinen „Sternenkinder“ versammelt haben. Sie redet nicht erst um den heißen Brei herum, sondern benennt klar und deutlich, was die Eltern bewegt: „Sie haben das Wachstum Ihres Kindes verfolgt. Dabei ist auch eine Beziehung gewachsen. Leben und Tod, Hoffnung und Fassungslosigkeit liegen hier besonders eng beieinander.“

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Zwei Texte liest Ingrid Stehle vor, die zum Ausruck bringen, wie sich die Eltern fühlen. So heißt es in Psalm 102 unter anderem: „

Herr, höre mein Gebet und lass‘ mein Schreien zu dir kommen! Mein Herz ist geschlagen und verdorret wie Gras, dass ich auch vergesse, mein Brot zu essen. Ich bin gleich wie eine Rohrdommel in der Wüste; ich bin gleich wie ein Käuzlein in den verstörten Stätten. Ich wache und bin wie ein einsamer Vogel auf dem Dache. Meine Tage sind dahin wie ein Schatten; und ich verdorre wie Gras.“ Das ist das Gefühl, im kompletten Elend zu sein.

Der zweite Text – von Seelsorger Wolfgang Gramer, mit dem Titel „Mein Kind“ – nimmt direkt Bezug auf die Situation, ein Kind noch vor dessen Geburt zu verlieren: „Wie ich dich vermisse. Noch niemand hat dich gekannt. Doch mich hast du bereits erfüllt. Du warst schon wichtig für unser Leben. Wir waren miteinander vertraut. Eigentlich sollten wir uns bald so richtig kennenlernen. Du gehörtest zu unserer Familie. In all unseren Plänen warst du eingebunden. Ich fühle nichts mehr, ich bin so leer. Ich brauche es, dass die Menschen um uns herum deinen Namen aussprechen, dass wir von dir erzählen können, dass wir nicht schweigen – weil sonst deine Abwesenheit noch unerträglicher wird.“

Auf dem Weg zum Grab der kleinen Kinder, die ihr Leben bereits verloren haben, noch ehe sie den ersten Atemzug tun konnten, begegnen der Trauergemeinde zwei Bedienstete, die vom Leichenhaus herkommen. Einer von ihnen trägt ein winziges Särglein. Bevor er es mit bloßen Händen in die kleine Grube hinablässt, sagt Wolf Peter Bonnet, Pfarrer in Lindorf und zugleich evangelischer Krankenhausseelsorger: „Wir legen diese Kinder in die Erde, in Gottes Acker. Von Erde sind sie genommen, und zur Erde kehren sie zurück.“ An die Eltern gewandt, sagt er am Grab: „Hier hat alles, was Sie beschäftigt, Raum: Ihre Klagen, Ihre Fragen, Ihre Gefühle. Denn Trauer braucht einen Ort.“ Und auch Gespräche sind wichtig, sei es gleich im Anschluss an die Bestattungsfeier im Leichenhaus oder auch später. Jederzeit können sich trauernde Eltern mit den Krankenhausseelsorgern in Verbindung setzen, verspricht Wolf Peter Bonnet.

Dann zünden die Eltern Kerzen für ihre Kinder an, symbolische Kerzen. Denn wie sorgfältig sie auch die Flammen behüten – die meisten verlöschen schon bald. Und viel zu früh.