Lokales

Bewegung ja – aber wie?

Angebote von Kassen, Kommunen und Betrieben helfen dabei, gesund und fit zu bleiben

Schon 15 Minuten Bewegung täglich können laut aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen das Leben verlängern. Auf jeden Fall verbessern sie das Lebensgefühl. Doch wie schafft man es, sich und andere zu regelmäßiger Bewegung zu motivieren? Ideen dafür gab‘s bei der Veranstaltung „Gesund und fit: Bring Bewegung in dein Leben!“ in der Stadthalle.

Gleich doppelt gesund: Müsli mahlen mit eigener Muskelkraft, auch das war möglich in der Stadthalle.Foto: Jean-Luc Jacques
Gleich doppelt gesund: Müsli mahlen mit eigener Muskelkraft, auch das war möglich in der Stadthalle.Foto: Jean-Luc Jacques

Kirchheim. „Wir alle haben ein großes Interesse daran, fit und gesund zu bleiben“, meinte Teckboten-Verleger Ulrich Gottlieb zur Begrüßung in der Stadthalle. Der Teckbote, die Stadt Kirchheim und die Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen veranstalteten gemeinsam den Abend in der Stadthalle in Kooperation mit der AOK und dem VfL Kirchheim. Hintergrund ist das Bemühen, in der älter werdenden Gesellschaft mehr Menschen zu Bewegung zu motivieren. Denn das Wissen allein, dass Bewegung, gute Ernährung und gelegentliche Entspannung im Alltag wichtig sind, genügt nicht, wie Ulrich Gottlieb weiter ausführte: „Es gehört auch eine Portion Motivation dazu, die Treppe statt dem Aufzug zu nehmen.“

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„Wie kommt jemand zum Sport und vor allem: Wie bleibt er dabei?“, lautete daher die wichtigste Frage, die Moderator und Internist Dr. Ernst Bühler an den Anfang stellte. Schnell kristallisierte sich heraus, dass der bedeutendste Grund fürs Dranbleiben der Spaßfaktor ist. Dazu wiederum gehört ganz klar das Gruppen- und Gemeinschaftserlebnis.

Heike Kallfass, stellvertretende Geschäftsführerin der AOK Neckar-Fils, unterstrich das umfassende und gern genutzte Angebot der Kasse an Kursen für Bewegung, Ernährung und Entspannung. Klaus-Peter Friedrich, Leiter Bereich Personal bei der Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen, brach eine Lanze für das betriebliche Gesundheitsmanagement. So habe die KSK große Erfolge zu verbuchen. Viele Mitarbeiter nutzen die Angebot, wobei sie einen Zuschuss aus eigener Tasche beisteuern müssen. Die KSK selbst investiert 0,1 Prozent der Personalkosten ins betriebliche Gesundheitsmanagement.

Ralf Mutschler arbeitet als Leiter des AOK-Rückenkonzepts auch viel mit Orthopäden zusammen. In seiner Funktion als Präventionsberater bei der AOK unterstrich er, wie wichtig es ist, nicht erst bei Krankheiten tätig zu werden, sondern schon vorbeugend aktiv zu sein. Möglichkeiten dazu gibt es auch reichlich, beispielsweise unter dem großen Dach des VfL, wie Geschäftsführerin Doris Imrich betonte. Sie verwies auch auf den umfassenden Bereich der Reha-Kurse, in denen auch bei Krankheiten ganz gezielt auf passende Bewegung gesetzt wird.

Wie die Bedeutung der Bewegung in der Einschätzung der Medizin zugenommen hat, das verdeutlichte anschaulich Thorsten Lukaschewski, Ärztlicher Direktor für die Klinik Kirchheim und Vorsitzender der Ärzteschaft Nürtingen-Kirchheim. „Bis vor Kurzem war die Medizin hier auf dem Holzweg“, räumte er ein mit Blick auf das Ende des vergangenen Jahrhunderts. Wer beispielsweise einen Herzinfarkt hatte, dem wurde bis vor Kurzem wochenlange Bettruhe verordnet. Wer mit Kreuzschmerzen zum Arzt kam, musste erst mal eines: liegen. „Der Mensch ist aber für Bewegung geschaffen“, lautet die feste Überzeugung des Mediziners. Heute gelte es, auch nach größeren Operationen möglichst am ersten Tag aus dem Bett he­rauszukommen. Wer an der Volkskrankheit Rückenschmerzen leide, werde gezielt zu Bewegung aufgefordert. Bewegung scheint fast zum Allheilmittel in der Medizin geworden zu sein, gerade in fortgeschrittenem Alter.

Deshalb setzen auch Kommunen auf entsprechende Offerten. Kirchheims Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker nannte das ernorme Spektrum kommunaler Angebote und Projekte, in denen überall Bewegung beziehungsweise im weitesten Sinne Gesundheitsförderung stecke. „Das fängt bei der Teilhabe der Menschen an“, sagte sie und betonte, dass auch ehrenamtliches Engagement Sinn gebe und daher lebensverlängernd wirke.

Abschließend zitierte Dr. Bühler den bis ins hohe Alter fit gebliebenen Sportmediziner Wildor Hollmann, der für ein gesundes Alter auf fünf Faktoren setzt: Konstant moderaten Sport treiben, für geistige Fitness sorgen, auf Normalgewicht achten, grundsätzlich eine positive Haltung und Denkweise an den Tag legen und soziale Kontakte pflegen.