Lokales

Bissingen hat eine neue Bürgermeisterin

Schülerin Alina Oswald nimmt Platz auf dem Stuhl des Bürgermeisters Marcel Musolf

Bürgermeister Marcel Musolf ist kurz davor, sein Amt abzugeben. Gleich hat im Bissinger Rathaus der Nachwuchs das Sagen.Foto: Ra
Bürgermeister Marcel Musolf ist kurz davor, sein Amt abzugeben. Gleich hat im Bissinger Rathaus der Nachwuchs das Sagen.Foto: Rainer Hoffelner

Bissingen. Die Spannung ist groß. Kinder werfen ihre Zettel in eine Wahlurne. Finn, Alina und Lilli stehen neugierig davor und können es

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kaum erwarten, die Stimmen zu zählen. Die aufgeregten Bürgermeisteranwärterinnen hoffen beide auf einen Wahlsieg. Das Ergebnis ist eindeutig: absolute Mehrheit. – Die neue Bürgermeisterin von Bissingen heißt Alina Oswald. Mit einem fröhlichen Grinsen nimmt sie den Platz des „ehemaligen“ Bürgermeisters Marcel Musolf ein und macht es sich in seinem Sessel gemütlich.

So machen die Ferien Spaß. Im Rahmen des Bissinger Kinderferienprogramms haben einige Grundschüler die Möglichkeit, an einer Sitzung des Kindergemeinderates teilzunehmen. Die Kinder besuchen das Rathaus mit Bürgermeister Marcel Musolf. Nach einem Rundgang durch das Gebäude wird es ernst. Die Wahl eines Kinderbürgermeisters steht an und anschließend eine Sitzung unter dem Thema „Wenn ich groß bin und im Gemeinderat wäre...“.

So wie es sich für die zukünftige Bürgermeisterin gehört, nimmt Alina in der Mitte des Tisches Platz und eröffnet die Sitzung. „Ihr müsst euch hier ja alle langweilen,“ hatte Finn am Anfang des Rundgangs noch gesagt. Ganz im Gegenteil! Das merkt nicht nur Finn sehr schnell. Es gibt ernste Themen zu besprechen: Erneuerungen von Spielplätzen und die Planung des Ortsjubiläums „1 250 Jahre Bissingen an der Teck“.

„Spielplatzcheck 2015“ ist das erste Thema auf der Tagesordnung. Die Kinder sind sich einig: Der Spielplatz in der Heerstraße/Weinbergstraße muss erneuert werden. Finn stimmt dieser Überlegung zu, denn auf diesem Spielplatz sind immer sehr viele Kinder. Auch Lilli und Lena sind oft dort und finden die Idee klasse: „Wir wünschen uns ein großes Gerüst auf dem man klettern kann.“ Die Abstimmung kann beginnen. „Wer ist für eine Erneuerung des Spielplatzes in der Heerstraße/Weinbergstraße?“, fragt Bürgermeisterin Alina. Das Ergebnis ist eindeutig: sechs Stimmen für einen neuen Spielplatz und eine Enthaltung. Diese Frage wäre also schon mal vom Tisch. Doch aus welchem Material soll das neue Klettergerüst bestehen? Auch über dieses Thema sind sich alle einig. Einstimmig wird für ein Klettergerüst aus Holz gestimmt.

Der nächste Punkt auf der Tagesordnung: Das Ortsjubiläum 2019. „Was sollen wir an unserem Jubiläum in vier Jahren machen?“, fragt Bürgermeisterin Alina in die Runde, „sollen wir wieder ein Kinderfest veranstalten?“ Diese Idee findet bei allen Kindergemeinderäten Gefallen. Die Mädchen und Jungen sprudeln nur so von Ideen: ein Umzug, ein Kletterbau, Geschenke, eine Bühne mit Attraktionen und Shows, und natürlich darf auch eine Wurstwalze nicht fehlen. Doch Lilli ist nicht ganz zufrieden mit dem Vorschlag, denn wenn es einen Kletterbaum geben soll, dann sollte dieser wenigstens verschiedene Größen haben. Sie argumentiert wie die Großen: „Selbst ich hatte letztes Jahr Probleme auf den großen Kletterbaum hinaufzukommen. Kleinere Kinder sollten ihren eigenen Kletterbaum erhalten. So kann sich jeder austoben und sein Glück beim Klettern versuchen.“

Die Kindergemeinderäte haben es geschafft. Die öffentliche Sitzung im großen Sitzungssaal ist zu Ende. Nachdem alle Themen der Tagesordnung besprochen wurden, ist es Zeit für eine Stärkung. Alina übergibt nun das Amt des Verwaltungschefs wieder an Marcel Musolf. Die Kinder sind sich nun einer Sache bewusst: Die Aufgaben eines Bürgermeisters sind doch umfangreicher als gedacht – und Kind sein ist viel besser. Nach getaner Arbeit machen sich die kleinen Gemeinderäte und ihre ehemalige Bürgermeisterin über die süßen Stückchen und Butterbrezeln her und erzählen Bürgermeister Musolf zwischen Krümeln und Fettflecken von ihren Sommerferien.

Das Fazit der Kinder spricht für sich: „Es hat uns super gefallen! Wir können nächstes Jahr wieder eine Kindergemeinderatssitzung machen oder wir gehen zusammen wandern oder Rad fahren.“