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Charme und menschliche Wärme

Nachruf auf Harry Schleger, den ersten Rektor der Teck-Realschule

90. Geburtstag Harry Schleger, Ringstraße 23 in Holzmaden
90. Geburtstag Harry Schleger, Ringstraße 23 in Holzmaden

Holzmaden. Ganze Generationen, die irgendwann zwischen 1945 und 1985 in Neidlingen, Holzmaden, Ohm­den, Jesingen oder Kirchheim

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zur Schule gegangen sind, haben am vergangenen Freitag „ihren“ Lehrer verloren: Im Alter von 91 Jahren ist Harry Schleger in seinem Haus in Holzmaden friedlich eingeschlafen.

Harry Schleger war am 27. April 1923 in Prag zur Welt gekommen – nach den Umwälzungen des Ersten Weltkriegs nicht mehr als k.u.k. Untertan, sondern als tschechoslowakischer Staatsbürger. Seine böhmische Heimat verlor er 1941, als er 18-jährig in den Zweiten Weltkrieg ziehen musste. Geprägt von einem unerschütterlichen Optimismus und von der Gabe, in allen Dingen vor allem das Positive zu sehen, blickte Harry Schleger zeitlebens dankbar darauf zurück, dass ihm Fronteinsätze während seines gesamten vierjährigen Kriegsdiensts erspart geblieben waren: Eingesetzt war er als Horchfunker. Seine Aufgabe bestand darin, den ausländischen Funkverkehr abzuhören, um daraus Rückschlüsse für die eigene Kriegsführung ziehen zu können. Überdies sei er als Funker „nur an der Westfront“ im Einsatz gewesen und niemals im Osten. Auch dafür war er dankbar.

Letztlich sollte er dem Krieg sogar sein privates und berufliches Glück zu verdanken haben, denn der Rückzug von Südfrankreich führte ihn unter anderem nach Jesingen, wo er in einem Klassenzimmer der Schule wieder seinem Horchfunkdienst nachging. Als Soldat dachte er damals wohl nicht im Traum daran, dass er an dieser Schule und in diesem Klassenzimmer nur wenig später – im Oktober 1945 – bereits seinen ersten Unterricht halten würde, als „Hilfslehrkraft auf bürgerlich-rechtlicher Grundlage“.

Seinen Traumberuf, den er in den folgenden 40 Jahren mit großer Leidenschaft ausübte, hatte Harry Schleger damit gefunden. Unterbrochen waren diese 40 Jahre nur durch ein einjähriges Studium am Pädagogischen Institut Nürtingen, 1947/48. Über die Volksschulen Ohmden, Jesingen, Neidlingen und Holzmaden kam Harry Schleger schließlich 1956 an die Mittelschule nach Kirchheim (die heutige Freihof-Realschule), um Ende 1966 an die neu gegründete Teck-Realschule zu wechseln. Am 1. September 1967 wurde er zum ersten Rektor der Teck-Realschule ernannt. 1977 kam noch die Position des Geschäftsführenden Schulleiters in Kirchheim hinzu.

Hochgeschätzt von Schülern und Kollegen, war Harry Schleger auch nach seiner Pensionierung im Juli 1985 stets ein gern gesehener Gast an „seiner“ Teck-Realschule sowie auf unzähligen Klassentreffen ehemaliger Schüler – die inzwischen längst selbst das Ruhestandsalter erreicht haben.

Dass er nach dem Krieg nach Holzmaden „heimkehrte“, hatte er einer jungen Holzmadenerin zu verdanken: Helene Attinger, die er am 12. Juni 1948 heiratete. Gemeinsam mit ihr genoss er sein privates Glück, bis zu ihrem Tod im Januar 2004. Die Familie – zwei Kinder, drei Enkel und drei Urenkel – blieb für Harry Schleger gleichwohl ein wichtiger Bezugspunkt und Rückhalt in einem mehr als ausgefüllten Leben.

Mit dem Bundesverdienstkreuz wurde Harry Schleger 1993 ausdrücklich wegen seines ehrenamtlichen Engagements ausgezeichnet, für das er sich außerhalb des Schuldiensts noch die Zeit nahm. So leitete er 40 Jahre lang die Ortsbücherei in Holzmaden, die er wesentlich ausgebaut und zu einem „überdurchschnittlichen Niveau“ geführt hatte, wie es damals in der Laudatio durch Landrat Hans Peter Braun hieß. Von 1985 bis 1992 diente Harry Schleger der Allgemeinheit als Schöffe am Landgericht Stuttgart. Und auch sportlich betätigte er sich – nicht zuletzt als Gründungsmitglied der Tischtennisabteilung des TSV Holzmaden. Weniger sportlich, aber ebenfalls als Gründungsmitglied, war Harry Schleger über Jahrzehnte hinweg eine wichtige Stütze des Kirchheimer Vereins Schlaraffia Under Teck. Und um Dienst und Ehrenamt noch ein wenig zusammenzuführen: Über viele Jahre hinweg war er auch aktives Gewerkschaftsmitglied in der GEW.

Es gibt also viele Freunde, Bekannte und Weggefährten, die sich von nun an dankbar an Harry Schleger erinnern. Ihnen allen – und in erster Linie natürlich seiner Familie – wird er fehlen. Fehlen wird er durch das, was ihm ein Teckboten-Artikel einst zum 40-jährigen Dienstjubiläum bescheinigt hat: „Charme und menschliche Wärme“.