Lokales

Das Ende der Zeitfresser

Das Coachingprojekt "Energie und Zeitmanagement" ist Anwärter auf den Ehrenamtspreis

Das Leben läuft rund, wenn Beruf, Kontakte, Bewegung, Schlaf und andere wichtige Dinge im richtigen Zeitverhältnis zueinander stehen. Diese Erkenntnis hat Kirchheimer Schülern beim Schulabschluss geholfen. – Im Rahmen des ­Coachingprojektes „Energie- und Zeitmanagement“.

Kirchheim. Die sieben Schüler der Jakob-Friedrich-Schöllkopfschule, die am ersten Coachingprojekt ­„Energie- und Zeitmanagement“ teilgenommen haben, haben nicht nur ihr Berufskolleg erfolgreich abgeschlossen, sondern viel fürs Leben gelernt: „Ich habe begriffen, wie ich meine Zeit effektiv organisieren kann“, sagt einer von ihnen, Max Schöllkopf. Der 20-jährige angehende Automobilkaufmann erinnert sich, früher oft viel Zeit vergeudet zu haben: beim Zocken am Computer, beim Skaten, bei vielem anderen.

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Max Schöllkopf hat noch als Schüler erkannt, dass etwas anders werden sollte. Da kam ihm das Angebot seiner Lehrerin Uta Slupek gerade recht. Zur Stärkung der Schüler des Berufskollegs rief sie das Coachingprojekt „Energie- und Zeitmanagement“ ins Leben. „Mein Ziel ist, eine positive Grundhaltung an Schulen zu schaffen“, erzählt die Pädagogin. Zu dieser Zeit steckte sie nicht nur mitten in einer Coaching-Ausbildung an der Führungsakademie Baden-Württemberg, in diese Zeit fiel auch der Amoklauf von Winnenden. Für Slupek verstärkte er das Anliegen, Schülern eine Möglichkeit zu bieten, ihre Energie sinnvoll zu entwickeln. Einige ihrer Schüler formulierten ganz klar den Wunsch nach einer Hilfe bei der Steuerung ihrer Energie- und Zeitressourcen.

Bei der Schulleitung rannte die Lehrerin offene Türen ein. „Für Schüler im Berufskolleg ist so ein Angebot besonders sinnvoll“, sagt Schulleiterin Marianne Erdrich-Sommer. Die Schulart führt mit großer Stoffverdichtung und hohem Prüfungsdruck in zwei Jahren zur Fachhochschulreife. „Hier gibt es keine Verschnaufpausen“, beschreibt Erdrich-Sommer den Druck, der auf den Schülern las­tet. Zunehmend gehen diese nebenher auch noch einem Job nach, da das Taschengeld nicht reicht. Sie weiß Coaching als festen Bestandteil im großen Reigen der Arbeitsgemeinschaften zu schätzen, haben doch die Schüler selbst das Angebot als sehr hilfreich bewertet.

„Wir haben alle unsere Zeitfresser gefunden und uns besser organisiert“, lautet die Bilanz von Max Schöllkopf. Für ihn und seine Mitstreiter hat sich der Aufwand von zwölf Nachmittagen zusätzlich allemal gelohnt. „Gerade jetzt, in der Ausbildung, ist es noch wichtiger, die Freizeit, die man noch hat, sinnvoll zu verbringen“, meint der 20-Jährige.

Ein bewährtes Hilfsmittel auf dem Weg dorthin ist die Kennzeichnung der Energietankstellen. Schüler muss­ten selbst beurteilen, wie viel Kraft sie auf die „Radspeichen“ Schlaf/Entspannung, Beruf/Karriere, Sozialkontakte, Gesunde Ernährung, Bewegung/Fitness, Zentrierung auf eigene Ziele/Werte und intelligente Nutzung moderner Technologien verwenden. Die Erkenntnis daraus: Nur wenn jede „Tankstelle“ einigermaßen gleichmäßig bedient werden kann, läuft das Rad rund. Für die Schüler hatte dies konkrete Folgen. Die PC-Nutzung wurde zurückgefahren. „Manche haben sich aus Face­book abgemeldet, alle haben weniger gezockt“, fasst Max Schöllkopf zusammen. Er persönlich ging früher zu Bett und konnte so den Schultag ausgeschlafener und daher effektiver angehen.

Nach dem gleichen Prinzip, Zeitfresser sichtbar zu machen, funktioniert die „Tagesuhr“. Mit bunten Farben tragen die Schüler ein, wie viel Stunden sie auf welche Tätigkeit verwendet haben. Anschließend formulieren sie, welche Werte sie erreichen wollen. Allgemeingültige Lösungen gibt es nämlich nicht. „Der Coach ist kein Lehrer“, macht Uta Slupek klar. Viele Erkenntnisse erarbeiten die Schüler in Kleingruppen selbst. „Coaching hilft, die eigenen Ziele zu erkennen und eigene Ressourcen zu entwickeln“, bringt es Canan Kilicli, ein weiterer Teilnehmer, auf den Punkt. „Coaching hat mir geholfen, neue Ziele für mein Leben zu setzen“, setzt Sabrina Marten noch eins drauf.

Uta Slupek freut sich über den Erfolg ihrer Initiative. Sie hofft darauf, dass Coaching eines Tages im Stundenplan verankert wird. Bislang bleibt es jedoch ein für Schüler freiwilliges Zusatzangebot an der Jakob-Friedrich-Schöllkopf-Schule. Künftig soll es sich über einen längeren Zeitraum im Rahmen des Berfufskollegs  I erstrecken und im Herbst, also zu Schuljahresbeginn, einsetzen. Wer daran teilnimmt, erhält am Projektende ein Zertifikat. Der Mehrwert darüber hinaus: Eigenverantwortung, Engagement und Ausdauer sollen einen guten Start in die Berufs- und Studienwelt bescheren.