Lokales

„Das Tollste war der Preis“

Schüler der Lenninger Förderschule bekommen Sonderpreis beim Wettbewerb „Zauberhaft“

Rote Bete geben eine tolle Farbe und Brennnesselbrühe wird schnell schimmelig – diese und noch viele weitere spannende Erfahrungen sammelten Schüler der Lenninger Förderschule.

Die „Kunstfälscher“ der Förderschule Lenningen mit ihrer Variation des Werks „Improvisation 9“ von Wassily Kandinsky. In einem B
Die „Kunstfälscher“ der Förderschule Lenningen mit ihrer Variation des Werks „Improvisation 9“ von Wassily Kandinsky. In einem Büchlein (kleines Foto) haben sie ihre Arbeit und die Ergebnisse der Naturfarben dokumentiert.Fotos: privat

Lenningen. Anlass für die experimentierfreudige Farbenlehre und -herstellung aus Pflanzen war die Teilnahme am Förderschul-Wettbewerb „Zauberhaft“, den die L-Bank zum ersten Mal gemeinsam mit der Staatsgalerie Stuttgart veranstaltete. Daran teilnehmen konnten Kinder im Alter bis zu 13 Jahren aus ganz Baden-Württemberg. „Die legten sich wochenlang mächtig ins Zeug und kreierten außergewöhnliche Werke“, so das Fazit der Jury, bestehend aus Vertretern von L-Bank, Staatsgalerie, Autoren, Journalisten und Designern. Besonders angetan haben es der Jury die „Kunstfälscher“, wie sich die Lenninger Gruppe um Birgit Klett, Lehrerin für Kunst und Textiles Werken, mit einem Augenzwinkern nannte. Die Arbeit sei von der Herangehensweise herausgestochen und somit etwas Besonderes. Diese „wahnsinnige Leistung von Schülern und Lehrerin sowie auch der Nachhaltigkeitsgedanke“ waren der Staatsgalerie einen Sonderpreis wert.

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Dabei mussten sich die Lenninger gegen eine starke Konkurrenz durchsetzen. Insgesamt gab es 46 Einreichungen. Den ersten Preis bekam die Uhlandschule aus Pfullingen mit einer aufwendigen Mischung aus Kunst, Objekt und Geschichte. Das Riesenleporello der Johann-Bruecker-Schule aus Schönaich landete auf dem zweiten Platz, mit dem sich die Schüler intensiv mit Leben und Werk von Kandinsky auseinandergesetzt haben. Platz drei ging an die Magdalenenschule aus Winterbach. Die Kinder hatten aus Filz eine Welt voller Licht und vier versteckter Pferde geschaffen, denn auf dem Original ist beim genauen Betrachten ein Pferd mit Reiter zu finden.

„Entdeckt das Geheimnis des blauen Schlosses“ lautete das Motto des Wettbewerbs, von dem sich Birgit Klett und ihre Schüler inspirieren ließen. „Ich habe versucht, den Kindern die Begeisterung zum Thema Improvisation zu vermitteln“, sagt Birgit Klett. Und das scheint ihr gelungen zu sein. „Gleich nach den Sommerferien haben wir begonnen und etwa eineinhalb Monate in der Mittagsschule regelmäßig gearbeitet“, erzählen Tilly, Alessio und Moritz. Für sie und alle anderen Klassenkameraden war es ein faszinierendes Experiment, denn niemand wusste, welche Farben tatsächlich aus Tagetes, Eberesche, Kirschlorbeer, Hibiskus, Holunder, Roter Hartriegel, Kornblume, Geranie, Rose oder Habichtskraut entstehen. „Es hat richtig Spaß gemacht, und wir waren manchmal richtig gespannt, ob auch wirklich eine Farbe entsteht“, erinnert sich Birgit Klett, die ihre Anregungen aus einem Buch aus der Bücherei übernommen hatte.

„Rote Bete gibt pink. Die kann man auch essen“, sagt Tilly, und Moritz musste bei seinem Brennnesselsud erfahren, dass der bei warmen Temperaturen leicht „kippt“ und schimmelig wird. „Die Brühe haben wir dann weggeleert und den zweiten Versuch in den Kühlschrank gestellt. Es kam hellgrün raus“, erzählt er. Dass schwarzer Tee die Farbe lila ergab, erstaunte dann doch den einen oder anderen, und was aus dem Löwenzahn geworden ist, wissen die drei nicht mehr so genau. „Irgendwas Gelbes, wir haben zwei Gelb hergestellt“, erinnern sie sich.

Um den Pflanzen die Pigmente zu entlocken, haben die Schüler sie gerieben, gemahlen oder gekocht, durch ein Sieb gedrückt und dann den Saft in Gläser geschüttet. „Dann haben wir einen Zettel mit den Pflanzennamen geschrieben und draufgeklebt“, sagt Alessio. Mit ihrem Ergebnis waren sie richtig zufrieden. „Die Farben sind so schön geworden“, schwärmt Tilly. Nicht ganz einfach dagegen sei es gewesen, das Originalbild „Improvisation 9“ von Wassily Kandinsky zu kopieren, das als Vorbild für den Wettbewerb diente und in der Staatsgalerie ausgestellt ist. Doch jeder durfte mindestens einmal den Pinsel führen.

„Es war gut, dass wir viele Blautöne hatten, denn das Motto war ja das blaue Schloss“, sagt Birgit Klett. Während die Eberesche durch ein hellrot punktete, begeisterte der Kirschlorbeer mit seinen intensiven Lilatönen. „Es war schwierig, die gleichen Farben, wie die des Originals, zu finden – unsere war doch eher blass. Vor allem bei den dunklen Tönen mussten wir zwei- und dreimal übermalen“, verrät die Kunstlehrerin.

Der Aufwand hat sich gelohnt. „Es war das dritte Mal, dass wir mit unseren Schülern zur Preisverleihung des Wettbewerbs eingeladen waren. Toll war, dass wir selber mal auf der Bühne standen, und viele meiner Schüler die erste Medaille ihres Lebens überreicht bekommen haben“, freut sich Birgit Klett für ihre Schützlinge. Fand der Festakt bisher im Fried­richsbau Varieté statt, durften die Lenninger ihren Sonderpreis dieses Mal in der Staatsgalerie entgegennehmen. „Das war ein richtiges Erlebnis für unsere Kinder“, erinnert sich die Lehrerin. Christiane Lange, Direktorin der Staatsgalerie Stuttgart, begrüßte über 500 Schüler und ihre Begleiter am sonst geschlossenen Montagnachmittag im Foyer und freute sich über so viel Begeisterung für die Kunst.

„Die Reise war schon cool mit Bus und S-Bahn. Wir haben andere Schüler getroffen und es gab was zu Essen und Trinken“, sagt Moritz. Noch gut in Erinnerung sind ihm und seinen Mitschülern die „verschiedenen Stationen bei Kandinsky, Miró und Picasso“, wie sie den Rundgang durch die Ausstellung beschreiben. „Es war voll schön – und dass wir den Preis gewonnen haben, das war das Tollste“, sagt Tilly mit breitem Grinsen.

Die Kunstfälscher aus LenningenZauberhaft Adventskalender
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