Lokales

Der Mädchentag macht selbstbewusst

Wie schon seit 16 Jahren, war das Bohnauhaus einen Tag lang wieder ganz in Mädchenhand

Längst hat sich der Kirchheimer Mädchentag zu einem festen Bestandteil im Kirchheimer Sozialleben entwickelt. Seit 16 Jahren ist das Bohnauhaus einmal im Jahr fest in Mädchenhand.

Fester Bestandteil des Mädchentags im Kirchheimer Bohnauhaus sind Tanzworkshops.Foto: Genio Silviani
Fester Bestandteil des Mädchentags im Kirchheimer Bohnauhaus sind Tanzworkshops.Foto: Genio Silviani

Kirchheim. Schülerinnen im Alter von 11 bis 16 Jahren können beim Mädchentag Spaß haben, sich ausprobieren und neue Fähigkeiten und Talente an sich entdecken. Und das ganz ohne Jungs und Eltern – denn die müssen vor der Türe bleiben. Das Angebot des Pädagoginnentreffs kommt an. Rund 300 Mädchen zählt die Veranstaltung jedes Jahr. Viele von ihnen sind nicht zum ersten Mal dabei.

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Einige von ihnen bieten zwischenzeitlich sogar eigene Workshops an. Darunter Anika Umhey. Die 19-Jährige fertigte mit den Mädchen am vergangenen Samstag Holzherzen. Anika Umhey zeigte sich überzeugt, dass die Mädchen dabei neue Erfahrungen sammeln. „Einige scheuen sich davor, die Säge zu benutzen“, erzählt sie. „Aber wenn man sie ermutigt und sie sich zum ersten Mal erfolgreich an der Maschine ausprobiert haben, sind die Berührungsängste schnell vergessen.“ Anika Umhey ist sich sicher, dass die Mädchen dadurch an Selbstvertrauen gewinnen. „Sie merken einfach, dass handwerkliches Arbeiten gar nicht so schwierig ist. Dadurch trauen sich die Mädchen mehr zu und sind stolz auf ihre Leistung.“

Doris Kurka, Mitglied im Pädagoginnentreff, macht deutlich, dass es beim Mädchentag unter anderem darum geht, den Teilnehmerinnen Impulse zu geben, sich auch im handwerklichen Bereich mehr zuzutrauen und vielleicht auch über einen entsprechenden Beruf nachzudenken. Entsprechende weibliche Vorbilder konnten die Schülerinnen am vergangenen Samstag kennenlernen. Unter der Anleitung von Eva Brand lernten die Mädchen, mit Säge, Feile und Schleifpapier Specksteine zu bearbeiten. Eva Brand, die schon seit vielen Jahren beim Mädchentag vertreten ist, wurde in der Vergangenheit von den Jugendlichen immer wieder auf ihren Beruf angesprochen. Die 59-Jährige ist nicht nur Diplom-Pädagogin und Künstlerin. Sie hat auch eine Lehre zur Bildhauerin durchlaufen.

„Wenn eine Frau diesen Beruf ausübt und dann auch noch bei Mädchentag vertreten ist, dann macht das auf die Mädels einen ganz anderen Eindruck, als wenn ein Mann vor ihnen stehen würde“, sagt Eva Brand. Sie schätzt an der vom Pädagoginnentreff initiierten Veranstaltung darüber hinaus, dass sich die Teilnehmerinnen einfach ausprobieren und an verschiedenen Dingen versuchen können. Dabei würden auch soziale Kompetenzen wie Sprach- und Teamfähigkeit eingeübt. „Die Mädchen arbeiten zusammen und erklären sich gegenseitig, wie die Steine bearbeitet werden“, stellt Eva Brand fest.

Die 11-jährige Kim jedenfalls hatte viel Spaß mit ihrem Speckstein. „Ich habe zwar schon mit Werkzeugen wie einer Säge oder Feile gearbeitet, aber dass der Stein so einfach zu bearbeiten ist, hätte ich nicht gedacht“, berichtet die Fünftklässlerin, die ihren Anhänger stolz präsentiert. Kim traut sich durchaus zu, handwerklich zu arbeiten. Ob sie jetzt zuhause auch öfter mal zur Säge greift, da war sich Kim nicht sicher.

Yasmin Burgermeister und Tamara Haussmann von „Mitmachen Ehrensache“ boten am Samstag im Bohnauhaus einen Theater-Workshop an. Dabei lernten die Schülerinnen, kreativ ihre Bedürfnisse und Wünsche zum Ausdruck zu bringen. Damit wurde auch ihre Sprachfähigkeit gefördert. Gefragt waren in diesem Jahr auch wieder die Tanzworkshops. Ob Hip-Hop oder chinesischer Fächertanz, im Mittelpunkt stand, sich selbst und seinen Körper besser kennenzulernen. Unter diesem Gesichtspunkt war auch Pro Familia im Bohnauhaus vertreten. Hier erfuhren die Mädchen mehr über die Themen Menstruation und Verhütung. „Auf diese Weise wissen sie, wohin sie sich bei Problemen oder Fragen, die man mit den Eltern vielleicht nicht so gerne bespricht, wenden können“, betont Doris Kurka.