Lokales

Der Zauber der Einfachheit

Das marotte Theater Karlsruhe spielt im Kirchheimer Stadtkino „Ali Baba und die 40 Räuber“

marotte: Kindertheatervorstellung "Ali Baba und die 40 Räuber"Buchhaus Zimmermann im Stadtkino
marotte: Kindertheatervorstellung "Ali Baba und die 40 Räuber"Buchhaus Zimmermann im Stadtkino

Kirchheim. „Bitte Handys ausschalten und während der Vorstellung nicht essen. Wir sind zwar im Saal des Stadtkinos, aber nicht im Kino.“

Ulrich Staehle

Steffi Pörtner von der gastgebenden Buchhandlung Zimmermann sorgte bei der Begrüßung für den notwendigen Rahmen einer Theateraufführung. Damit Theater Spaß machen soll, ist Konzentration gefordert. Jede Ablenkung schadet dem Theater.

Der Ertrag ist umso reicher, vor allem wenn auf der Bühne so viel Kreatives geboten wird wie vom marotte Theater Karlsruhe bei seinem Gastspiel im Rahmen der Kirchheimer Kinder- und Jugendtheaterwochen „Szenenwechsel“. Ein hohes Ziel hat sich das Theater gesetzt, das bevorzugt mit Handpuppen, Tischfiguren und Marionetten arbeitet: Es möchte eines der berühmtesten Märchen der Weltliteratur, „Ali Baba und die 40 Räuber“, Kindern nahe bringen und auch noch deren Eltern zufrieden nach Hause gehen lassen.

Es treten auf zwei Herren, die aus zwei Zeitungen vorlesen, der eine auf Deutsch, der andere auf Türkisch. Die Rede ist von einem unermesslich großen Schatz, der im Iran gefunden wurde. Das kann nur der berühmte Schatz des Ali Baba sein. Im Handumdrehen fertigt Rusen, so heißt der Türke, aus der Zeitung eine Figur des Ali Baba an. Thomas seinerseits lässt aus seiner Zeitung einen Esel entstehen.

Nun kann man erzählen – ab jetzt spricht Rusen deutsch –, dass dieser Ali Baba ein armer Mann war, der mühsam in der Wüste Holz sammelte, es auf dem Esel in die Stadt transportierte und verkaufte. Doch ihm geschieht etwas Märchenhaftes. Er beobachtet, wie Räuber vor einem Fels Halt machen. Nach dem Zauberwort „Sesam, öffne dich“ öffnet sich ein Tor, in dem die Räuber verschwinden. Ali gelingt es nach Abzug der Räuber, auf die gleiche Weise in das Innere des Felsens zu kommen, und er findet einen unermesslichen Schatz.

In der Darstellung greifen Theaterleiter Thomas Hänsel und Rusen Kartaloglu zu einfachsten, aber effektvollen Mitteln, unterstützt von Lichteffekten und musikalischen Einspielungen. Als Felsen setzten sie sich weiße Kappen auf, und die Spalte, die sich auftut, besteht aus einem Riss zwischen zwei Zeitungsseiten. In diese Spalte marschieren 40 Räuber aus Papier wie an der Schnur gezogen. Die Figuren, die noch nötig sind, um die Geschichte zu einem glücklichen Ende zu bringen, werden zum Teil live aus Zeitungspapier und Klebeband hergestellt. Es sind dies der allzu geldgierige Bruder Kazim, dessen Frau und Alis Frau Fatima. Diese beiden starken Frauen beseitigen den Räuberhauptmann samt seinen 39 Räubern im Sololauf – in einer etwas schmerzhaften Abweichung vom Originalmärchen, in dem eine Sklavin zur Heldin wird.

Um die Bühnenfiguren lebendig werden zu lassen, setzen die beiden Sprecher virtuos ihre Stimmen ein. Und um dem Publikum nicht nur witzige, aber doch optisch karge Einfachheit zu bieten, gibt es gegen Schluss noch etwas fürs Auge: In goldenem Licht erstrahlt der Schatz und zum guten Schluss ein Schloss, der Wohnsitz der vom Glück begünstigten Familie Baba, die aber auch noch an andere Menschen denkt.

Der Funke springt auf die jungen und älteren Zuschauer über. Vielleicht greifen sie jetzt, bevor sie zum Smartphone greifen, auch einmal zu einem Märchenbuch, um sich lesend oder zuhörend von den Texten gefangen nehmen zu lassen. Vielleicht haben sie auch abgeguckt, wie man aus Zeitungspapier und Klebeband oder anderen Materialien problemlos Figuren herstellt, mit denen man spielen kann.

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