Lokales

„Diabeteszentrum ist ein Leuchtturm“

Die Einrichtung der Nürtinger Klinik auf dem Säer arbeitet auf dem höchsten Niveau

Seit Jahren wird das Diabeteszentrum der Klinik Nürtingen von der Deutschen Diabetesgesellschaft in der höchsten Stufe zertifiziert. Seit dieser Woche führt die Zeitschrift „Focus“ die Klinik nun auch unter den führenden Diabeteskliniken der Republik. Und die Nürtinger Diabetes-Selbsthilfegruppe feiert ihr 20-jähriges Bestehen. Genug Anlässe für den Diabetestag am Samstag.

Nürtingen. Diabetes gilt als Volkskrankheit. „Sechs bis acht Millionen Menschen in Deutschland leiden darunter“, sagt Dr. Gabriele Götz. Die Oberärztin leitet das Diabeteszentrum auf dem Säer. Dabei gibt es verschiedene Typen. Diabetes Typ 2 ist jene Erkrankung, die früher als Alterszucker bezeichnet wurde. Dabei produziert die Bauchspeicheldrüse zu wenig Insulin, zudem lässt dessen Wirksamkeit im Körper nach. Übergewicht, Ernährung, Bewegungsmangel oder aber auch erbliche Faktoren können zu dieser Krankheit führen, erklärt Götz.

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Diabetes Typ 1 ist eine Autoimmunerkrankung, bei der die Bauspeicheldrüse gar kein Insulin mehr herstellt. Das kann auch jüngere Menschen treffen. Bekommen kann man die Krankheit auch in der Schwangerschaft oder nach Bauchspeicheldrüsen-Operationen.

All diese Typen dieser Erkrankung werden in Nürtingen von einem Spezialistenteam behandelt. Natürlich werden auch die Folgeerkrankungen, die Organe wie Herz, Gehirn und Nieren betreffen oder auch zu Problemen mit den Füßen führen, unter einem Dach hoch qualifiziert behandelt. Das werde nicht so nebenbei getan, unterstreicht Dr. Ulrich Römmele. „Auch das machen bei uns Spezialisten auf dem höchsten Niveau“, sagt der Ärztliche Direktor und Chefarzt für Innere Medizin. Chirurgen, Wundexperten, Orthopäden und Gefäßspezialisten oder aber auch Gynäkologen arbeiten da zusammen. Da aber 30 Prozent aller Patienten eine Zuckererkrankung bei anderen Operationen oder Erkrankungen in die Klinik mitbringen, sind die Diabetesspezialisten auch für die anderen Bereiche wichtig.

Die Kreiskliniken setzen seit Jahrzehnten auf die Bildung von Schwerpunkten. Im Bereich der Inneren Medizin ist das neben der Gastroenterologie, der Onkologie, der Pneumologie und der Palliativmedizin eben auch die Diabetologie. „Die ist eine der ältesten Schwerpunkte“, sagt Römmele. 1997 wurde das Zentrum von Oberarzt Dr. Walter Pflaum gegründet. Das Zentrum sei ein Leuchtturm, der über den Landkreis hinausstrahle, Patienten kämen auch von weiter her, sagt Römmele.

Von Beginn dabei ist Dr. Götz. Sie unterstreicht, dass hinter solch einem Schwerpunkt ein ganzes Team stehe. Da geht es auch um Wundmanagement. Zum Beispiel im Rahmen der Fußsprechstunde. Oder um die entsprechende Ausbildung von Ärzten und Pflegekräften.

„Um den hohen Stand zu erhalten, sind wir immer wieder gefordert“, sagt Götz. So wurde das Diabeteszentrum als eines der ersten in Deutschland 1999 überhaupt von der Deutschen Diabetesgesellschaft zertifiziert, ehe die Zertifizierung in der höchsten Stufe 2004 erfolgte. Damit wird bestätigt, dass auf dem Säer gemäß den neuesten medizinischen Erkenntnissen behandelt wird.

Freilich freuen sich Götz und Römmele darüber, in der Liste des „Focus“ aufzutauchen. Schaut man in dieser Liste auf die Fallzahlen, lässt man sogar Unikliniken hinter sich. Aber ein ganz wichtiger Faktor ist die Zufriedenheit der Patienten. So kommen nicht nur modernste Behandlungsmethoden zum Zuge – ob mit der Insulinpumpentherapie oder mit der kontinuierlichen Blutzuckermessung. Man behandelt Patienten stationär, deren Blutzuckerspiegel entgleist ist. Man bietet aber ebenso ambulante Sprechstunden an. Und großer Wert wird auf die Schulung der Patienten gelegt. „Diese Verquickung ist für eine optimale Behandlung wichtig“, sagt Römmele. Denn der Blutzuckerstoffwechsel wird auch durch Ernährung oder Bewegung beeinflusst.

Ein gewichtiger Faktor ist da auch die Selbsthilfegruppe, die vor 20 Jahren ebenfalls von Walter Pflaum gegründet wurde. Ihre Leiterin ist Ruth Gau. „Wir sind wie eine Familie“, sagt die Diabetesberaterin. Die Patienten bekommen bei den Treffen immer wieder neue Informationen von Spezialisten, erklärt Theresa Albrecht, die seit ihrer Diabetes-Diagnose vor sieben Jahren Mitglied der Gruppe ist. In der Gruppe tauscht man sich auch aus. Auch die Geselligkeit kommt nicht zu kurz. Jeden zweiten Mittwoch im Monat trifft man sich im Nürtinger Bürgertreff. 20 bis 25 Menschen kommen im Schnitt pro Treffen.

Ein Beispiel für die Strahlkraft des Diabeteszentrums über die Landkreisgrenzen hinaus ist auch Melanie Schelberger. Auch ihre Mutter wird in Nürtingen wegen Diabetes Typ 1 behandelt. Aus Göppingen kam sie selbst vor elf Jahren auf den Säer. Heute lebt die Mutter von Zwillingen in Winnenden – und kommt jedes Vierteljahr zu Dr. Götz auf den Säer.

Das Programm des Diabetestags am Samstag, 11. Oktober

Nach der Begrüßung in der Klinik auf dem Säer um 10 Uhr referiert der Zahnarzt Dr. Ralf Lechner um 10.30 Uhr über „Diabetes und Mundgesundheit“. Um 11 Uhr informiert Prof. Dr. Ralf Lobmann, Ärztlicher Direktor der Klinik für Endokrinologie, Diabetologie und Geriatrie des Stuttgarter Bürgerhospitals, über „Neues zum Diabetischen Fuß“. Dr. Gabriele Götz, die Leiterin des Diabeteszentrums Nürtingen, beantwortet um 11.45 Uhr die Frage „Wie gefährlich kann Unterzucker sein?“. Um 13.30 Uhr hält Privatdozent Dr. Christian Jacob, Chefarzt der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Kliniken Nürtingen und Plochingen, einen Vortrag über „Diabetes und Depression“. Um 14 Uhr berichtet Christina Guarnieri, Diabetesberaterin, über „Stevia und andere Süßungsmittel“. Um 15 Uhr behandelt der Rechtsanwalt Oliver Ebert das Thema „Diabetes und Recht“, wobei neue Informationen zum Führerschein, Schwerbehindertenausweis und Arbeitsrecht zur Sprache kommen. Während des Diabetestages präsentieren an zahlreichen Infoständen die Sponsoren, Selbsthilfegruppen und Krankenkassen ihre Arbeit. Zudem werden auf Wunsch Blutzucker und Blutdruck gemessen. Die Teilnahme ist kostenlos. Eine Anmeldung zu der Veranstaltung ist nicht erforderlich. Weitere Informationen gibt es auch im Internet unter www.kk-es.de.