Lokales

Die Schüsselfrage

WC neben der Giesnauhalle in der Grundschule Nabern
WC neben der Giesnauhalle in der Grundschule Nabern

Kirchheim. Ein „stilles“ Örtchen macht lautstark von sich reden: Die Schultoilette in Nabern. Dort wird das Miteinander der Geschlechter offensichtlich auf eine harte Bewährungsprobe gestellt.

Anzeige

Anlass ist der Weg zu den Schülertoiletten. Er führt über den Hof, was bisher kein Problem war. Mit Abriss der alten Gießnauhalle wird das Areal aber vom Parkplatz einsehbar. Die Eltern fürchten Belästigungen oder Schlimmeres. Ihre Sorge gilt vor allem den Unterrichtszeiten. Zu den Pausen ist der Hof nämlich eh belebt, außerdem wacht eine Aufsicht.

Doch wenn die Blase während der Schulstunde drückt, ist guter Rat teuer. Die Lehrerschaft drängt auf eine solide bauliche Lösung. Schließlich handle es sich keineswegs um Einzelfälle: Über 70 Toilettengänge will man schon an einem einzigen Vormittag gezählt haben! Außerhalb der Pausen und bei gerade mal vier Klassen!? Die gesundheitlich vielleicht sinnvolle Sitte, auch während des Unterrichts eifrig an der Flasche zu nuckeln, fordert ganz offenkundig ihren Tribut. Fragt sich fast, wie bei so vielen Fehlminuten Stoffvermittlung möglich ist.

Sei‘s drum. Die Toilettenfrage duldet keinen Aufschub. Nur gut, dass es direkt im Schulgebäude zwei Lehrertoiletten gibt – für Männlein und Weiblein. Prima, dachte sich die findige Verwaltung, immer auf der Suche nach Einsparungen beim 4-Millionen-Projekt Gießnauhalle: Angesichts der rein weiblichen Lehrerschaft dürfte ein Lehrerklo genügen, das zweite könnten sich die Schüler teilen – nur zu Unterrichtszeiten, wohlgemerkt. Die Kleinen müssten das schützende Gebäude nicht mehr verlassen. Auch das Gesundheitsamt hatte keine Bedenken.

Und doch war die Rechnung ohne den Wirt gemacht, genauer, ohne den Religionslehrer. Der nämlich ist nicht nur männlichen Geschlechts, sondern unterrichtet einen Vormittag pro Woche in Nabern. Gut möglich also, dass auch ihn mal die Blase drückt. „Geht gar nicht“, befanden da die Pädagoginnen.

Bleibt also für die Schüler nur weiterhin der Weg übern Hof. Ein Sichtschutz soll jetzt her. Nicht zu teuer, denn wegen weiterer Umbauten handelt es sich auch hier um ein Provisorium. Nach langem Hin und Her war eine Stahl-Holz-Konstruktion für 9 000 Euro der Siegläufer.

„Der Aufwand ist unverhältnismäßig“, suchte Eva Frohnmeyer-Carey ihre oft bei kleineren Summen knausernden Ratskollegen zu beeinflussen. Dass mal ein Mann auf ihr Klo gehe, könnten die Lehrerinnen wohl ertragen. Ausnahmsweise schloss sich Albert Kahle (FDP/Kibü) der Frauenliste an: „Die werden sich doch wohl eine Schüssel teilen können“, raufte er sich die Haare. Für CIK-Stadtrat Hans Kiefer ist die gefundene Lösung nicht nur finanziell, sondern sogar unter Sicherheitsaspekten die schlechtere: „Ein Sichtschutz bewirkt doch nur, dass man nicht mehr hin sieht!“

Doch es bleibt dabei. „Wir können die Lehrerinnen nicht zwingen, die Toilette aufzugeben“, meinte Ortsvorsteherin Susanne Jakob, und wusste das einstimmige Votum des Ortschaftsrats hinter sich. Der Technische Ausschuss stimmte dem Sichtschutz zu: Zehnmal pro, fünfmal kontra, eine Enthaltung. Ende der Diskussion.Foto: Deniz Calagan