Lokales

Die Synthese heißt Kretschmann

Katholische Erwachsenenbildung (KEB) feiert ihr 40-jähriges Bestehen – Von 55 auf 800 Veranstaltungen gewachsen

Wernau. 1974 erschien das erste Programm der Katholischen Erwachsenenbildung im Landkreis Esslingen (KEB). Manche alte Formulierung klingt heute fremd, aber

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Peter Dietrich

Themen sind geblieben. Bei einer Feier am Gründungsort, dem Gemeindehaus Sankt Magnus in Wernau, blickte der Vorsitzende Thomas Bittner zurück. Immer wieder ging es um Alternativen, etwa zum Sozialabbau und zur Ökonomisierung aller Lebensbereiche. So manches strittige Thema griff die KEB, die sich bis 2009 „Katholisches Bildungswerk“ nannte, schon vor anderen auf, dazu gehört das Thema „Deutschland als Kriegswaffen-Großexporteur“.

Mit Stolz wurde einst berichtet, das erste Programm habe mit 55 Veranstaltungen 3 200 Teilnehmer erreicht. Im Durchschnitt der letzten fünf Jahre gab es jährlich 800 Veranstaltungen mit rund 24 500 Teilnehmern. Stets sei zu überprüfen, betonte Bittner, „ob wir mit unserem Programm noch richtig liegen“.

Zuletzt wurde eine Stelle für eine Bildungsreferentin für junge Erwachsene geschaffen, und mit ihrem Programm „JIN – jung, innovativ, nah“ hat Christine Scholder bereits einen guten Start hingelegt. Die Sinneserfahrung im Dunkelrestaurant gehört ebenso dazu wie ein Graffiti-Workshop und ein Wochenende im Kloster.

Was in 40 Jahren gleich blieb, ist der große Einsatz der Ehrenamtlichen. Auch die Kooperation mit der Evangelischen Erwachsenenbildung, den Gewerkschaften, Attac Esslingen und Ostfildern, den Volkshochschulen und weiteren Partnern hat eine lange Tradition. Seit 1999 trägt die KEB die jährliche Begegnungstagung „Kirche und Gewerkschaft“ mit, sie ist für dieses Jahr fast ausgebucht. Bei Dekan Paul Magino bedankte sich Bittner für alle Unterstützung „und dass wir an der langen Leine gelassen werden“.

Die KEB fragte nach „guten Banken, schlechten Banken“, untersuchte den politischen Lobbyismus und diskutierte über das umstrittene Freihandelsabkommen. Sie hat aber auch Ehe und Familie im Blick, bietet seit zehn Jahren inklusive Familienfreizeiten an, Erziehungsthemen haben seit dem Anfang ihren festen Platz. Und wo bleibt die Religion? Es gab Glaubenskurse in verschiedenen Formen, auch mal in der Kneipe, es gab spirituelle Stadtführungen und Reihen zu christlichen Mystikern. Das Zweite Vatikanische Konzil war Thema, der Missbrauchsskandal in der Kirche ebenfalls. Gefragte Besichtigungen führen zur griechisch-orthodoxen und zur russisch-orthodoxen Kirche, in die Moschee und Synagoge. Insgesamt geht es für Bittner um nicht weniger als um „die Gestaltung einer humanen, gerechten und friedlichen Welt“.

Einer Welt, an deren Gestalt dem Kabarettisten Otmar Traber so einiges nicht gefällt. In der Rolle des Alt-68ers im roten Che-Guevara-T-Shirt gab er zu, sein innerer Che habe sich inzwischen mit Erwin Teufel angefreundet, die Synthese zwischen beiden heiße Winfried Kretschmann. Dennoch kündigte Otmar Traber die Gründung einer neuen Widerstandsbewegung der Rentner an, „als eingetragener Verein, ohne Stuhlkreis und Befindlichkeitsrunde, eine Mischung zwischen Seniorenheim und Revolutionärer Zelle“. Als zufriedener 60-Jähriger aufzutreten, der keinen neuen Frucht­joghurt mehr brauche, das sei guter Protest gegen den Kapitalismus.

Statt Protest rundum Zustimmung gab es für zwei weitere Komponenten der Feier: für das Ensemble „Little Hot Spot“ mit Lulu Stahlberg an Klarinette und Saxofon sowie Karlheinz Heiss am Klavier und für die leckeren Snacks. Für sie sorgte die Berufsvorbereitende Einrichtung (BVE) an der Philipp-Matthäus-Hahn-Schule in Nürtingen, die junge Menschen mit Handicap für den Beruf trainiert.