Lokales

Druck im Gärbehälter war nicht zu hoch

Nach dem Gülleunfall an der Biogasanlage in Krebsstein geht die Polizei von einem Konstruktionsfehler aus

Nach dem Gülleunfall in Krebsstein, bei dem 1,5 Millionen Liter Jauche aus der dortigen Biogasanlage ausgelaufen sind, schließt die Polizei eine Schuld des Besitzers aus. Nach bisherigem Ermittlungsstand brach der Gärbehälter wegen eines Konstruktionsfehlers auseinander.

In dem Gärbehälter der Biogasanlage (rechts im Bild) in Krebsstein klaffen große Löcher. Die Polizei geht bisher davon aus, dass
In dem Gärbehälter der Biogasanlage (rechts im Bild) in Krebsstein klaffen große Löcher. Die Polizei geht bisher davon aus, dass ein Konstruktionsfehler dazu führte, dass die Betonfertigteile nach außen gedrückt wurden. Foto: Jean-Luc Jacques

Lenningen. Unterhalb der erst drei Monate alten Biogasanlage in Krebsstein hat sich weithin sichtbar eine zehn Meter breite und 250 Meter lange braune Schneise in den Hang gefressen. Sie stammt vom vergangenen Donnerstag, als um 16.50 Uhr der 18 Meter breite und sechs Meter hohe Gärbehälter auseinanderbrach und 1,5 Millionen Liter Jauche, die darin enthalten waren, den Hang hinunterflossen. Seitdem sind der Besitzer der Biogasanlage und andere Landwirte damit beschäftigt, die Gülle abzupumpen und auf den Feldern zu verteilen.

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Die Polizeidirektion Esslingen, die die Ermittlungen aufgenommen hat, schließt nach bisherigem Kenntnisstand aus, dass der Landwirt den Unfall selbst verursacht hat, beispielsweise durch falsche Bedienung der Biogasanlage. „Der Druck im Kessel war nicht zu hoch“, sagte Polizeisprecher Michael Schaal auf Anfrage.

Die Ermittler gehen vielmehr davon aus, dass beim Aufbau des Behälters Fehler gemacht wurden beziehungsweise, dass ein Materialfehler vorliegt. „Der Güllebehälter bestand aus Betonfertigteilen, von denen bei dem Unfall vier Stück nach außen gedrückt wurden“, sagt Polizeisprecher Michael Schaal. Näheres werde ein Gutachten ergeben, das der Landwirt in Auftrag gegeben hat. Der Schaden an der Biogasanlage wird auf mehrere Hunderttausend Euro geschätzt. Hinzu kommt der Einkommensausfall des Landwirts, der auf absehbare Zeit kein Biogas mehr produzieren kann.

Auch die Trinkwasserversorgung der Gemeinde Lenningen und ihrer Teilorte war in den vergangenen Tagen vom Gülleunfall betroffen. Als der Landwirt in der Nacht die Polizei verständigte, nachdem er mit Kollegen zunächst versucht hatte, die Gülle abzupumpen und auf angrenzenden Feldern zu verteilen, wurde das Wasserwirtschaftsamt informiert. Dieses beauftragte die Gemeinde Lenningen, sich aus der örtlichen Wasserversorgung herauszunehmen und auf Fernwasser umzustellen. So sollte verhindert werden, dass kontaminiertes Trinkwasser in die Haushalte gelangt.

Nach ersten Erkenntnissen bestand für die Lenninger jedoch keine Gesundheitsgefährdung. In der Kalkgraben-Quelle, die Ober- und Unterlenningen sowie Brucken mit Trinkwasser versorgt und die in der Nacht zum Freitag vorsorglich geschlossen worden war, wurden keine Keime gefunden. Im Trinkwasser der Rotlehenquelle in Gutenberg, die normalerweise Gutenberg und Schlattstall mit Trinkwasser versorgt, aufgrund einer Baumaßnahme aber ohnehin geschlossen war, wurden Keime nachgewiesen. „Wir wissen aber noch nicht, wie hoch die Belas­tung war“, verweist Karl-Heinz Griesinger, Leiter des Tiefbauamts, auf laufende Trinkwasseruntersuchungen.