Lokales

Durchblick im „Leistungsdschungel“

Bei der Anlauf- und Beratungsstelle von „Unser Netz“ gibt es Infos rund ums Thema Pflege

Was tun, wenn nach einem Sturz alles anders ist? Kann die Mutter den Alltag noch allein meistern und welche Hilfsangebote gibt es? Solche und ähnliche Fragen bekommt Gabriele Riecker von der Anlauf- und Beratungsstelle „Unser Netz“ immer häufiger gestellt, weshalb der Verein zu den drei Projekten der Teckboten-Weihnachtsaktion zählt.

Gabriele Riecker von der Anlauf- und Beratungsstelle informiert Ratsuchende über Angebote von Kranken- und Pflegekassen. Foto: J

Gabriele Riecker von der Anlauf- und Beratungsstelle informiert Ratsuchende über Angebote von Kranken- und Pflegekassen. Foto: Jean-Luc Jacques

Lenningen. „Der Informationsbedarf steigt“, ist die Erfahrung von Gabriele Riecker, Leiterin der Koordinationsstelle von „Unser Netz“. Im Jahr 2005 als „Lenninger Netz – Verein zur Koordination sozialer Aufgaben in Lenningen“ von Gemeinde, Kirchengemeinden, Krankenpflegevereinen und sozialen Dienstleistern gegründet, wurde daraus 2011 „Unser Netz“, als die Stadt Owen mit ins Boot kam.

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Menschen recht lange die Betreuung in den eigenen vier Wänden zu ermöglichen, war der Ursprungsgedanke des Vereins. Im Jahr 2009 kam dann die Anlauf- und Beratungsstelle als ergänzendes Angebot hinzu. Die tägliche Arbeit zeigte, dass viele Menschen dringend auf fundierte Informationen im breiten Feld der Pflegelandschaft angewiesen sind. „Auch in kleinen Gemeinden ist die Nachfrage groß. Es fährt vom Lenninger Tal niemand nach Kirchheim, um sich dort über Betreuungsmöglichkeiten in Owen oder Oberlenningen zu informieren“, sagt Herbert Geyer, Sprecher des Geschäftsführenden Vorstands von „Unser Netz“.

Die Anlauf- und Beratungsstelle ist für all diejenigen da, die einen Informations- und Hilfsbedarf haben und zwar rund um die Themen Alter, Versorgung und Pflege. Dazu zählen auch die Entlastung pflegender Angehöriger und Familien, ebenso Hausbesuche für all diejenigen, die nicht mehr so mobil sind. Dieses Angebot nehmen immer mehr Menschen in Anspruch, sodass das Stundendeputat erhöht werden musste. „Das Geld aus der Teckbo­ten-Weih­nachtsaktion gibt uns über einige Jahre Rückhalt, ohne dass wir unsere Unabhängigkeit verlieren“, freut sich Herbert Geyer. Auch wenn bei „Unser Netz“ viel Arbeit von Ehrenamtlichen geleistet wird, so braucht es eine hauptamtliche Stelle, bei der alle Fäden zusammenlaufen

Von Gesetz zu Gesetz und von Jahr zu Jahr wird die Materie komplexer und komplizierter, so die Erfahrung von Gabriele Riecker. „Ich habe noch nie soviel Pflegestufenanträge ausgefüllt wie in diesem Jahr, diese Woche waren es bereits zwei“, sagt die Leiterin. Dabei geht es nicht selten um die Frage, ob ein Antrag überhaupt gestellt werden soll oder kann. „Viele wissen nicht, was ihnen an Unterstützung und Hilfsmöglichkeiten zusteht“, erklärt Gabriele Riecker. Da ist beispielsweise der Anspruch auf acht Wochen Kurzzeit- und Verhinderungspflege. Außerdem können pflegende Angehörige stundenweise Entlastungshilfe holen. „Ich ermutige dazu, dieses Angebot frühzeitig wahrzunehmen, denn die Pflegesituation kann lange andauern. Das kann zum Beispiel heißen, bei schwierigen Aufgaben den Pflegedienst dazuzunehmen“, sagt die Leiterin. Ein weiteres Angebot ist das Demenzcafé in Brucken. Dort werden die Kranken betreut und die Angehörigen können diese Zeit für sich oder wichtige Arbeiten nutzen. Vielen ist auch nicht bekannt, dass sie an einer Schulung in häuslicher Pflege teilnehmen können, die individuell gestaltet wird. Dabei geht es beispielsweise darum, wie man rückenschonend mit dem Patienten umgeht.

Ein typische Anfrage lautet: „Meine Mutter wird wenige Tage nach der Operation entlassen, ist aber noch nicht fit. Wo und welche Hilfe bekomme ich? Welche Pflegedienste gibt es und wie geht das mit Essen auf Rädern?“ Gabriele Riecker ist gerade diese Vermittlung wichtig. „Manchmal ist es nur ein kurzer Anruf, der eine Frage klärt. Dann gibt es aber auch kompliziertere Fälle“, sagt sie. Doch bis es zum ersten Anruf kommt, dauert es nicht selten eine ganze Weile. „Viele scheuen sich, Hilfe anzunehmen. Es ist immer noch eine Hürde da, aber wir wechseln in eine ander Generation – die Menschen gehen offener mit Situation und selbstverständlicher mit den Hilfsangeboten um“, sagt die Leiterin der Anlauf- und Beratungsstelle, und Herbert Geyer ergänzt: „Es sind keine Almosen, denn die Leute haben vorher in die Pflegekasse eingezahlt.“ Allerdings beobachtet er jedoch, dass viele erst die eigenen Ressourcen voll ausschöpfen, ehe sie sich an „Unser Netz“ wenden.

 

Die Anlauf- und Beratungsstelle, Telefon 0 70 26/37 01 98, ist in der Seniorenwohnanlage, Brunnensteige 3, in Oberlenningen zu finden ist. Gabriele Riecker will gemeinsam mit Ratsuchenden herausfinden, welche Angebote im „Leistungsdschungel“ der Kranken- und Pflegekassen individuell geeignet sind. „Ohne professionelle Hilfe ist das oft nicht zu durchschauen“, weiß Herbert Geyer.