Lokales

Ein Kirchheimer im Spiele-Kosmos

Andreas Steiger hat das neue Zweier-Spiel „Targi“ entwickelt – Ab morgen in den Läden

Ab morgen gibt es das neue Kosmos-Spiel „Targi“ in den ­Läden zu kaufen. Entwickelt hat es der Kirchheimer Spiele-Autor Andreas Steiger.

Der Autor und sein Werk: Andreas Steiger aus Kirchheim spielt ¿Targi¿ auch selbst immer noch gern ¿ und das, obwohl er ein Jahr
Der Autor und sein Werk: Andreas Steiger aus Kirchheim spielt ¿Targi¿ auch selbst immer noch gern ¿ und das, obwohl er ein Jahr lang daran gearbeitet, gefeilt und getüftelt hat.Foto: Jean-Luc Jacques

Kirchheim. Manchmal kann es And­reas Steiger noch gar nicht fassen, wie reibungslos alles gelaufen ist. Vor ihm liegt Targi, ein Spiel um Tuaregs, Datteln, Salz und Pfeffer. „Targi ist das erste Spiel, das ich je entwickelt habe“, erzählt der 38-Jährige aus Kirchheim und fügt hinzu: „Eigentlich sind die Chancen, dass das Werk eines neuen Autors verlegt wird, verschwindend gering“. Erschwerend hinzu kam, dass „Targi“ ein Spiel für zwei Personen ist und nur wenige Verlage reine Zweierspiele herausgeben. Der Kirchheimer hat es aber trotzdem geschafft. Mit seinem Erstlingswerk konnte er auf Anhieb bei dem renommierten Kosmos-Verlag landen. „Targi“ leistet dort Spielehits wie „Die Siedler von Catan“, „Ubongo“ oder „Die Säulen der Erde“ Gesellschaft.

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Zwei Jahre ist es her, dass Andreas Steiger die Idee zu „Targi“ hatte. Die Spielleidenschaft des Erziehers, der in einem privaten Kindergarten in Stuttgart arbeitet, begann aber schon früher. „Bis vor sechs Jahren waren wir eigentlich noch ganz normale Spieler“, erzählt Andreas Steiger. Abends ging er gern zusammen mit seiner Ehefrau Antonella aus. Neben Kino und Comedy-Veranstaltungen standen auch gemeinsame Besuche im Improvisations-Theater auf dem Programm. Letzteres schaut sich And­reas Steiger übrigens nicht nur gern an, er ist selbst Schauspieler bei zwei Impro-Theatergruppen.

Als Andreas und Antonella Steiger dann jedoch Nachwuchs bekamen, änderte sich ihr Abendprogramm: Sie begannen zu spielen. „Seither hat es uns gepackt“, sagt Steiger. „Zwei Abende pro Woche spielen wir, nur meine Frau und ich.“ Aus seiner Sicht eine Bereicherung. „Ich glaube, wenn mehr Pärchen spielen würden, könnte das die Qualität ihrer Beziehung steigern.“ Mittlerweile türmen sich bei den Steigers im Dachgeschoss die bunten Schachteln. „Wir haben 300  Spiele – Tendenz steigend.“ Auch wenn er die meisten davon richtig gut findet und ein paar absolute Favoriten hat – das perfekte Zweierspiel für sich und seine Frau war nie dabei.

Dann entdeckte Andreas Steiger, dass er offenbar ein Händchen fürs Spieleentwickeln hat. Bei einem seiner Favoriten, „Dominion“, hatten Fans damals die Möglichkeit, online Zusatzkarten zu entwerfen. „Das hat mir so viel Spaß gemacht, und die Ideen flogen mir nur so zu“, erinnert sich der Kirchheimer. „Da dachte ich mir: Wenn ich das kann, dann kann ich auch ein eigenes Spiel entwickeln.“ Das war im Februar 2010.

Welches Thema sein Projekt haben sollte, stellte der Autor hintenan. Wichtig war ihm vor allem der Spielmechanismus. „Ich bin ein Fan von Spielen, in denen die Karten Wechselwirkungen haben“, verrät er. Klar war ihm auch, dass es ein sogenanntes Worker-Placement-Spiel werden sollte, das heißt, das Einsetzen von Figuren ermöglicht bestimmte Aktionen. Und es sollte eben zu zweit besonders gut funktionieren. „Mit dieser Liste an der Hand war es ganz einfach, Targi zu entwickeln“, erinnert sich Andreas Steiger: „Die Grundzüge standen nach zwei Abenden fest.“ Danach kam die Feinarbeit. „Wir mussten alles testen und herausfinden, ob die Karten zu stark oder zu schwach sind.“ Etliche Male nahmen sich And­reas und Antonella Steiger das Spiel vor, tüftelten gemeinsam, feilten und verbesserten.

Zum Thema kam der Kirchheimer über sein erstes „Targi“-Provisorium: „Ich habe weiße, braune und schwarze Holzwürfel von einem anderen Spiel benutzt.“ Er überlegte, um welche „Waren“ es sich handeln könnte und kam auf Salz, Pfeffer und Datteln. Ein Blick ins Internet offenbarte, dass es tatsächlich ein Volk gibt, das genau damit handelt: die Tuareg. „So hatte ich auf einen Schlag das Setting und den Namen“, erinnert sich Andreas Steiger: „Tuareg“ sollte das Spiel heißen. Sowohl der Titel als auch der Mechanismus und der Schauplatz Wüste kamen beim Verlag gut an: Er wollte „Tuareg“ so gut wie unverändert auf den Markt bringen.

Dann jedoch folgte der Schock: Kurz vor dem Erscheinungstermin brachte ein anderer Verlag ein Spiel heraus, das ebenfalls „Tuareg“ hieß. „Das war ein ganz schlimmes Erlebnis für mich – ich war erschüttert“, gesteht Andy Steiger. Nicht nur, dass der Verlag das fertige Cover ändern musste – es galt auch, einen neuen, griffigen Titel zu finden. 33 Alternativen suchte der Autor heraus, bis er auf „Targi“ stieß: „So wird ein einzelner, männlicher Tuareg bezeichnet.“

Dass es von der Zusage des Verlags bis zur Veröffentlichung im März 2012 ein ganzes Jahr gedauert hat, war für Andreas Steiger eine harte Probe: „Ich bin nicht so geduldig“, verrät er grinsend.

Und es bleibt spannend für ihn: Wie wahrscheinlich jeder Spieleautor wünscht sich auch der Kirchheimer, dass seine Idee ein Erfolg wird. Wichtiger als die Zahlen sind Andreas Steiger aber andere Faktoren. „Ich will, dass Targi wirklich gespielt wird und nicht irgendwo im Schrank herumsteht.“ Außerdem würde er sich wünschen, damit auch Menschen anzusprechen, die bisher nicht so viel gespielt haben.

Dass „Targi“ international bekannt wird, steht übrigens jetzt schon fest: Der Kosmos-Verlag wird es nicht nur in weiten Teilen Europas auf den Markt bringen, sondern auch in Korea, Russland und den USA.

Mit „Targi“ hat Andreas Steiger nun endlich das perfekte Zweierspiel für sich und seine Frau im Haus – und holt es auch regelmäßig raus. Doch auch wenn der Autor das Spiel um den Aufbau eines Tuareg-Stamms bereits „tiptop“ findet, brodelt der Erfindergeist in ihm weiter: „Ich habe schon drei neue Spiele in Arbeit und eine Erweiterung für Targi in der Tasche“, verrät Andreas Steiger.

Strategische Wüsten-Partie

Wer „Targi“ zum ersten Mal spielt, geht am besten auf Tuchfühlung: Wenn sich die Kontrahenten nämlich nebeneinander an den Tisch setzen, können beide die Spielanweisungen auf den ausgelegten Karten bequem lesen. Ein Problem ist das nicht, denn bei „Targi“ gibt es keine Geheimniskrämerei: Beide Spieler dürfen lediglich eine Handkarte besitzen – und auch die ist dem Gegner bekannt. Der Rest des Spielmaterials liegt im wahrsten Sinne des Wortes offen auf dem Tisch. Dass beide Spieler stets auf dem gleichen Wissensstand sind – oder es zumindest sein können – macht „das hitzige Spiel für zwei um Datteln, Salz und Pfeffer“ zu einem spannenden und strategischen Spiel, das Aufmerksamkeit und Weitblick fordert. Leichtsinn, Unachtsamkeit und vorschnelles Handeln rächen sich allerdings schnell. In „Targi“ geht es darum, sich einen möglichst gut aufgestellten Tuareg-Stamm aufzubauen. Dazu brauchen die Spieler Gold, Salz, Pfeffer und Datteln – und die passenden Stammesmitglieder samt Infrastruktur. All das müssen sich die Kontrahenten durch geschicktes Taktieren erarbeiten. Als genialer Schachzug des Spiele-Autors erweist sich der innovative Einsetz-Mechanismus von „Targi“: Die Spieler dürfen abwechselnd ihre drei Figuren auf den fest vorgegebenen Spielfeld-Rand einsetzen. Ausführen können sie aber nicht nur die darauf vermerkten Aktionen. Sie dürfen auch die Karten des sich ständig verändernden Innenfelds nutzen, die sich an den Kreuzungspunkten der Figuren befinden. Für den Wechsel der Karten im Innenfeld hat der Autor übrigens auch eine geniale Lösung gefunden: Dort regelt – wie beim Handel – die Nachfrage das Angebot. Möglich ist es natürlich auch, den Gegner durch geschicktes Einsetzen zu beeinflussen und zu blockieren – allerdings nicht so sehr, dass er handlungsunfähig ist. Und damit endet das Taktieren noch nicht. Ein Knackpunkt ist die Reihenfolge, in der ein Spieler seine Aktionen ausführt. So lassen sich manche Karten nur dann nutzen, wenn zuerst eine andere Aktion ausgeführt wurde. Neben den taktischen Elementen spielt natürlich auch das Glück eine Rolle, beispielsweise beim Kartenaufdecken. Für Würze sorgt überdies der Räuber, der die Spieldauer auf rund eine Stunde begrenzt und immer wieder Aktionsfelder blockiert und die Spieler bei berechenbaren Raubzügen um Rohstoffe oder Siegpunkte erleichtert. Fazit: „Targi“ ist ein spannendes, ausgeklügeltes Zweierspiel mit vielen – aber nicht zu vielen – taktischen Elementen. Der variable Spielplan und die große Anzahl pfiffiger Aktionskarten sorgen dafür, dass jede Partie anders verläuft und sich das Spiel nicht „abnutzt“.bil