Lokales

Ein Konto für Wiesen und Wälder

Lenninger Gemeinderat beschließt die Einrichtung eines Ökokontos

Wer Flächen verbaut und damit unwiederbringlich versiegelt, muss an anderer Stelle in der Natur eine Aufwertung schaffen. Dieses Prinzip will die Gemeinde Lenningen mit einem Ökokonto nachhaltig umsetzen.

Abriss , Haus wird abgerissen in der Oberen Mühlstr. 2-4
Abriss , Haus wird abgerissen in der Oberen Mühlstr. 2-4

Iris Häfner

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Lenningen. „Der Gedanke eines Ökokontos ist im Prinzip nichts Neues. Hier geht es darum, mit Sinn und Verstand für die Natur einen Mehrwert zu schaffen – und eben nicht darum, irgendwo Bäume zu pflanzen, die nachher keiner pflegt“, erklärte Bürgermeister Michael in der Sitzung des Gemeinderats.

Ein Bebauungsplan ist immer ein Eingriff in die Natur. Lange Zeit konnten die Gemeinden diesbezüglich nur reagieren, nun können sie agieren. Das heißt: War früher eine konkrete Maßnahme nötig, um einen Ausgleich zu schaffen, ermöglicht das Ökokonto nun den Kommunen, sich anstehende Arbeiten auf kommende Projekte anschreiben zu lassen. „Ein unmittelbarer räumlicher Zusammenhang zwischen Eingriff und Ausgleich ist nicht mehr erforderlich“, erklärte Erika Biedermann-Keck, Leiterin des Bauverwaltungsamts, im Blick auf das seit 1. April 2011 in Baden-Württemberg bestehende naturschutzrechtliche Ökokonto, für das es auch eine entsprechende Verordnung gibt. „Dies ist ein Vorsorgeinstrument, einem Sparbuch ähnlich. Es ermöglicht uns, Maßnahmen umzusetzen und sie dann später einem Bebauungsplan zuordnen zu können“, so Erika Biedermann-Keck.

Die Kriterien für das Ökokonto sind strikt geregelt und genau definiert. Dazu zählen etwa die Aufwertung natürlicher Lebensräume oder die Verbesserung des Wasserhaushalts und der Bodenfunktion. „Artenreiche Wiesen wie Magerrasen oder Streuobstwiesen, naturnahe Wälder oder die Schaffung natürlicher Rückhaltebecken“, nannte die Bauamtsleiterin als Beispiele. Gewertet wird nach einer klar definierten Punktetabelle.

„Seit 1999 schleppen wir einen Haushaltsrest von über 15 000 Euro herum, den wir wegen eines gewerblichen Vorhabens bekommen haben“, erklärte Michael Schlecht, weshalb die Verwaltung nun die Einrichtung eines Ökokontos anregt. Dazu gab es schon ein kurzes Beratungsgespräch mit dem Fachbüro StadtLandFluss, das einen Einstieg mit drei Flächen vorschlug: das Grundstücksareal Obere Mühlstraße 2 bis 4 in Gutenberg, die abgeschlossene Pflegemaßnahme im Zuge des Life+ Programms im Gewann Hohe Reute/Seeäcker in Unterlenningen und der Grundstücksbereich zwischen Werkskanal und Lauter östlich des Gewerbegebiets „Vor der Burg“, im Volksmund als „Zigeunerinsel“ bekannt. Da die Materie sehr komplex ist, steht für Erika Biedermann-Keck außer Frage, die Ausarbeitung an das bereits kontaktierte Büro zum Preis von rund 5 700 Euro zu übergeben: „Wir besitzen nicht die Professionalität, die man dazu braucht. Wir sind viel zu wenig mit den Feinheiten und Fallstricken vertraut.“

Georg Zwingmann interessierte die Transparenz der Kriterien. „Für was gibt es welche Punkte und wie steht es mit der Qualität des Büros?“, wollte er wissen. Für den Preis hätte er gern einen Gegenwert, wenngleich für ihn eine Investition in die Natur außer Frage steht. „Es ist ein standardisiertes Verfahren. Aber: Es ist auch eine Frage der Darstellung und wie geschickt sie gemacht ist“, so die Bauamtsleiterin.

Für Karl Boßler drängte sich bei dem Gutenberger Objekt – hier wurde schon der Abbruch der Industriebrache beantragt – die Frage auf, ob das Grundstück nach Abschluss der Maßnahme wieder bebaut werden kann. „So, wie es jetzt bebaut ist, nicht. Die jetzige Bebauung wird von einem Gewässer durchschnitten. Über den vorderen Bereich können wir möglicherweise reden“, sagte Erika Biedermann-Keck. Ob daraus „Wald oder Wiese“ wird, wie Dieter Epple nachhakte, hängt auch von den Wünschen und Ideen der Gemeinde ab. „Die Antragstellung ist ein wichtiger Faktor und bei der Oberen Mühlstraße 2 bis 4 ein spannender Punkt. Ob wir jegliche weitere Verwertung eingrenzen, ist unsere Entscheidung. Uns muss dann aber auch klar sein, dass es dann möglicherweise aber nicht ökokonto-tauglich ist“, gab Michael Schlecht zu bedenken.

„Unsere Flächen sind in vielen Fällen gleich mehrfach geschützt. Kann man das auf dem Ökokonto nicht anrechnen lassen?“, fragte Falk Kazmaier. Dies musste der Schultes klar verneinen: „Das Büro bewertet vor Ort den Ist-Zustand und kommt dann mit einer Idee und einem Kostenvoranschlag auf die Gemeinde zu. Es muss eine Verbesserung der konkreten Maßnahme eintreten.“ Das Ziel sei eine Renaturierung, die Sinn macht. „Das alles kostet schließlich Geld“, so Michael Schlecht.

Einstimmig beschlossen die Gemeinderäte den Einstieg in das Ökokonto, gekoppelt an die drei Flächen.