Lokales

Eine kurze Geschichte des Lebens

Kindervorlesung im Urweltmuseum Hauff geht der Frage nach: „Warum gibt es Menschen?“

Zum ersten Mal hat das Urweltmuseum Hauff in Holzmaden eine Kindervorlesung angeboten. Dr. Hartmut Seyfried ging vor zahlreichen jungen Zuhörern der Frage nach: „Warum gibt es Menschen auf der Erde?“ – und lieferte einen Parforceritt durch die Erdgeschichte mit Wissen, Witz und Bildern.

Unfall im Universum mit weit reichenden Folgen: Professor Hartmut Seyfreid erläuterte seinen jungen Zuhören, wie die Erde sich d
Unfall im Universum mit weit reichenden Folgen: Professor Hartmut Seyfreid erläuterte seinen jungen Zuhören, wie die Erde sich durch einen heftigen Zusammenprall mit einem anderen Planeten zu dem entwickeln konnte, was sie heute ist.Foto: Markus Brändli

Holzmaden. Es war für beide Seiten unbekanntes Terrain: Normalerweise steht Professor Dr. Hartmut Sey­fried in einem Hörsaal der Universität Stuttgart und hält Vorlesungen für Studenten der Geologie und Planetologie. Mit dem Urweltmuseum Hauff in Holzmaden betrat er Neuland – und legte vor den rund 130 Besuchern erst einmal ein Geständnis ab: „Ich bin ganz schön aufgeregt“, gab er zu. Dabei war es keineswegs die große Zahl an Zuhörern, die dem Wissenschaftler Respekt einflößte, sondern vielmehr deren Altersstruktur : Etwa dreiviertel waren Kinder. „Ich muss mit Worten Dinge verständlich erklären, von denen Kinder vielleicht noch gar nichts wissen“, schilderte Professor Seyfried, welche Hürde es für ihn zu nehmen galt. Allerdings war der Abend im Urweltmuseum wohl auch für die meisten der jungen Zuhörer etwas ganz Besonderes: Schließlich haben sie nicht jeden Tag Gelegenheit, Hörsaalluft zu schnuppern und die Vorlesung eines echten Professors zu besuchen.

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In 90 Minuten absolvierte Hartmut Seyfried einen Parforceritt durch die Geschichte des Lebens und der Erde. Komplexe Zusammenhänge schilderte er so einfach wie eben möglich, illustrierte Gesagtes mit Bildern von Planeten, Dinos und Riesenschweinen und mixte immer wieder eine Portion Humor unter. So gelang es ihm, auch jüngeren Kindern eine wahre Flut an Infomationen gebündelt zu vermitteln – auch wenn wohl nicht jeder kleine Zuhörer alles bis ins Detail verstanden hat.

Doch in eines war am Ende jeder im Saal eingeweiht: in das Geheinmis des Lebens. Das liegt nämlich in allererster Linie im Sauerstoff. „Das Leben ist ein Geschenk des Sauerstoffs“, verdeutlichte Hartmut Seyfried, dass von der Alge angefangen über Dinosaurier und Vögel bis hin zu den Menschen alle Lebewesen ihre Existenz dem Sauerstoff verdanken. „Die Erde ist ein Luxusplanet, der einzige bisher bekannte, auf dem es überhaupt Sauerstoff gibt.“

Angefangen hat alles aber ganz anders – und zwar mit einem Unfall im Universum, der sich später als Glücksfall erwies. „Ein Planet ist mit einem anderen zusammengestoßen“, erzählte der Geologe. Beide seien dabei fast zerstört worden, es habe eine gewaltige Freisetzung von Energie gegeben. Aber statt kaputtzugehen, schluckte der eine Planet, die Erde, einen Eisenkern, der ihr bis heute als innere Wärmflasche dient. Außerdem bildete sich der Mond, der die Erdbahn stabil hält.

Aus dem Inneren der Erde drang fortan immer wieder Magma nach oben und bildete eine Kruste. Dort lagerten sich all die chemischen Elemente ab, die notwendig sind, damit sich Leben bilden kann. Und noch etwas entstand, was sozusagen „lebenswichtig“ ist: die Meere. „Flüssiges Wasser ist Grundvoraussetzung dafür, dass Leben entstehen kann“, verdeutlichte Hartmut Seyfried. Da drin war allerdings auch das Treibhausgas CO2, das in hoher Konzentration lebensfeinlich ist. „Es brauchte also etwas, das das Kohlendioxid wieder aus der Luft herausnahm“, so der Geologe.

Eine ganz zentrale Rolle dabei und bei der Entstehung des ganzen Lebens spielten die Cyanobakterien –Organismen, die es seit 3,5 Milliarden Jahren gibt. Die winzigen Bakterien sorgten per Photosynthese dafür, dass aus Wasser, CO2, Sonnenlicht und dem grünen Schleim, mit dem Erde Milliarden Jahre lang überzogen war, Sauerstoff entstand.

„Je mehr Sauerstoff in der Luft ist, desto mehr können sich die Lebewesen bewegen“, nannte Seyfried ein Gesetz. Und: Je mehr Sauerstoff, desto größer können sie werden.

So entstanden die ersten Vielzeller wie Algen. Die „magische Marke“ kam vor 542 Millionen Jahren: Die Tiere entwickelten Skelette – im Körper oder außen herum. Alle die ersten Lebewesen wuchsen im Wasser heran. „Das Leben ist im Meer entstanden“, betonte der Geologe. Es folgte die Besiedlung des Festlandes. Die ersten, die den Schritt aufs Land wagten, waren Quastenflosser. „Das sind unsere Vorfahren“, sagte Professor Hartmut Seyfried, demonstrierte ein Foto eines solchen Fischs – und erntete verwundertes Raunen von seinen kleinen Zuhöreren. Die staunten auch über die Riesenlibellen mit 66 Zentimetern Flügelspanne, die sich aufgrund der damals erhöhten Sauerstoffkonzentration entwickeln konnten, und über das „größte Schwein aller Zeiten“, das vor 50 Millionen Jahren ebenso lebte wie drei Meter große Vögel. Die Jungen und Mäschen kicherten herzhaft über eine explizite Zeichnung und die derben Worte, mit denen der Professor veranschaulichte, wie die riesigen Dinosaurier vorne und hinten Kohlendioxid und Methangas in großen Mengen ausstießen und so wieder zur Reduzierung des Sauerstoffgehalts beitrugen.

Neben dem Sauerstoff nannte Hartmut Seyfried zwei weitere wichtige Pfeiler des Lebens und der Entstehung der Menschen: Hirn und Brutpflege. Je größer die Hirne wurden und je mehr sich Eltern um ihren Nachwuchs kümmerten und Wissen an ihn weitergaben, desto weiter konnte sich das Leben entwickeln – bis hin zu den Menschen, die Seyfried als „Superhirne“ und „Super-Brutpfleger“ bezeichnete. Sie lernten zu sprechen, zu denken, zu schreiben – und jüngst auch noch zu digitalisieren.

Nur eines, so der Wissenschaftler, schienen die Menschen bis heute nicht gelernt zu haben: ihren Planeten zu schützen: „Die Menschen gehen mit der Erde um, als gebe es nochmal eine.“ Deshalb legte er seinen kleinen Zuhörern abschließend noch ans Herz, nachzudenken und den Planeten und andere Lebewesen mit Rücksicht und Sorgfalt zu behandeln.