Lokales

Entsetzen über Mordversuch

Ermittlungen zu Schlierbacher Bluttat laufen auf Hochtouren – Opfer außer Lebensgefahr

Nach der Bluttat in Schlierbach laufen die Ermittlungen der Polizei nach dem Täter oder den Tätern auf Hochtouren. Der 44-jährige Kirchheimer, der am Mittwochmittag niedergeschossen worden war, ist außer Lebensgefahr. Währenddessen sind die Menschen in Schlierbach entsetzt über die Tat.

Polizeieinsatz nach Schießerei in Schlierbach. Foto: Giacinto Carlucci
Polizeieinsatz nach Schießerei in Schlierbach. Foto: Giacinto Carlucci

Schlierbach. Nichts mehr deutet auf das Verbrechen vom Vortag hin. Der Feldweg zwischen dem Vereinsheim der Schlierbacher Schützenfreunde und dem Wald in Richtung Albershausen lag gestern menschenleer in der heißen Mittagssonne zwischen mannshohen Maisfeldern.

Am Mittwoch war dort gegen 11.50 Uhr ein 44-jähriger Mann aus Kirchheim angeschossen und dabei schwer verletzt worden (wir berichteten). Zufällig hatte ihn ein Radfahrer aus Schlierbach auf seinem Nachhauseweg blutüberströmt an dem Feldweg, etwa einen halben Kilometer nordöstlich des Gewerbegebiets, entdeckt, nachdem er zuvor mehrere Schüsse gehört hatte. Da der Radfahrer kein Handy bei sich hatte, fuhr er so schnell er konnte los, um Hilfe zu holen. Der schwerverletzte Mann, der sofort in das nahe Maisfeld geflüchtet war, hatte jedoch bereits zuvor selbst noch per Mobiltelefon um Hilfe gerufen, wie die Polizei mitteilt. Er wurde anschließend mit einem Rettungshubschrauber in eine Stuttgarter Klinik geflogen, wo er operiert wurde und sich inzwischen laut Staatsanwaltschaft Ulm außer Lebensgefahr befindet.

Unklar ist, ob ein oder mehrere Täter an dem Verbrechen beteiligt waren. Angeblich soll das Opfer laut einer Zeugenaussage gestammelt haben: „Die Russen haben auf mich geschossen“.

Nach Ermittlungen der Kriminalpolizei haben weitere Zeugen in der Nähe des Tatortes einen älteren dunklen metallfarbenen Peugeot 105 in einem auffallend „gammeligen“ Zustand und mit Aufklebern auf der Heckklappe beobachtet. In dem Kleinwagen saßen drei Personen: Zwei der Männer hatten kurze dunkle, einer hellere schulterlange Haare.

Ob der Kleinwagen und dessen Insassen inzwischen ermittelt wurden und ob sie in Zusammenhang mit der Bluttat stehen, wollte die Ulmer Presse-Staatsanwältin Ayfer Kaplan-Pirl auf Nachfrage unserer Zeitung nicht sagen. Stattdessen verwies sie auf die letzte Pressemeldung, in der allerdings lediglich stand, dass die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Ulm und der Kriminalpolizei Göppingen weiterhin auf Hochtouren laufen, und dass aufgrund eines Zeugenaufrufs sich einige Hinweisgeber gemeldet hätten. Und weiter: „Die Hinweise führten zu Durchsuchungsmaßnahmen. Die Ergebnisse werden noch ausgewertet.“ So weit die Staatsanwaltschaft Ulm.

Währenddessen bewegt die Schießerei in Schlierbach auch am zweiten Tag nach der Tat noch die Menschen. „Das macht einen schon betroffen, wenn so etwas ganz in der Nähe passiert“, sagt eine ältere Dame, die unweit des Schützenhauses wohnt. „Man denkt immer, das geschieht nur woanders und kann bei uns nicht passieren“. Sie wollte an jenem Mittwochmittag nicht zu den Schaulustigen gehören, die den Polizei- und Hubschraubereinsatz verfolgten. „Ich hab‘ zuerst gedacht, da ist einem schlecht geworden, als ich das Martinshorn gehört hab‘. Aber an so etwas hab‘ ich nicht gedacht“, sagt die Frau, die auf dem Feldweg nicht mehr spazieren geht, seit der Mais so hoch steht.

„Das ist eine gnadenlose Schweinerei“, meint ein Herr im Schlierbacher Gewerbegebiet, der gerade sein Vordach repariert. „Ich war am Mittwochmittag gerade im Garten, als ich den Polizeihubschrauber eine dreiviertel Stunde lang kreisen gesehen und die Martinshörner gehört habe“. Was wirklich geschehen ist, habe er erst in einer Bäckerei in Albershausen erfahren. Ein anderer Herr auf dem Parkplatz eines Supermarkts im Gewerbegebiet vermutet einen persönlichen Racheakt hinter der Bluttat und hofft, „dass die Kripo den oder die Täter rasch schnappt“. Das Verbrechen ist natürlich Gesprächsthema in Schlierbach. „Es ist traurig, dass so etwas bei uns passiert“, meint eine weißhaarige, alte Dame.

Dass im Ort darüber gesprochen wird und die Menschen besorgt sind, weiß auch Schlierbachs Bürgermeister Paul Schmid. „Die, die den Kirchheimer kennen, machen sich Sorgen um ihn“, sagt er. Ansonsten müsse niemand übermäßige Ängste haben, „die Tat hat nichts mit Schlierbach zu tun“. Wenn der 44-jährige Kirchheimer in Ohmden spazieren gegangen wäre, hätte die Schießerei auch dort geschehen können. Allerdings kristallisiert sich immer mehr heraus, und das vermutete ein Schlierbacher aus dem Gewerbegebiet, dass das Opfer ausgespäht wurde, denn der Mann, der im Labor einer Firma in der Auchtert Straße gearbeitet hat, sei regelmäßig mittags mit seinem Hund auf dem Feldweg hinter dem Schützenhaus Gassi gegangen.

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