Lokales

Fruchtige Farbenlehre für Sprösslinge

Das Kinderhaus Kirchheim und der CAP-Markt Ötlingen besuchten sich am „Tag der Schulfrucht“ gegenseitig

Seit März nimmt das Kirchheimer Kinderhaus am EU-Schulfruchtprogramm teil. Als Partner konnte der Kindergarten den Ötlinger CAP-Markt gewinnen. Den „Tag der ­Schulfrucht“ nutzten die beiden Einrichtungen nun, um sich gegenseitig zu besuchen.

Marktrallye für alle Sinne: Margot Reyer vom CAP-Markt lässt die Kinderhaus-Kinder an einer Ananas schnuppernFoto: privat
Marktrallye für alle Sinne: Margot Reyer vom CAP-Markt lässt die Kinderhaus-Kinder an einer Ananas schnuppernFoto: privat

Kirchheim. „Hmmmm, Erdbeeren, die mag ich am liebsten!“ ruft ein kleines Mädchen strahlend und tanzt um die bunte Kiste herum, die auf dem Tisch in der Kinderhausküche steht. Ein Vorschüler dagegen liebäugelt schon mit dem roten Spitzpaprika. „Da würde ich am liebsten sofort reinbeißen“, sagt er.

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Seit März trifft die bunte Kiste jeden Montagmorgen zusammen mit Erzieherin Beate Müller-Hannig im Kinderhaus ein. Sie holt den Karton stets zu Wochenbeginn beim CAP-Markt in Ötlingen ab. Er ist vollgepackt mit frischem Obst und Gemüse aus biologischem Anbau. Die Kiste hat Margot Reyer, Leiterin des CAP-Marktes, dann meist schon zusammengestellt. „Gurken, Tomaten, Paprika, Äpfel und Bananen packe ich immer ein“, erzählt sie. Dazu kommen saisonale Produkte wie Erdbeeren oder Kirschen und immer wieder Überraschungen, beispielsweise Urkarotten, eine Ananas oder schwarze Tomaten. Bislang kannte die Marktleiterin allerdings lediglich die Vorlieben der kleinen Empfänger, nicht aber die Jungen und Mädchen selbst. Das hat sich nun geändert.

Anlässlich des „Tags der Schulfrucht“ durften neun Vier- bis Sechsjährige aus dem Kinderhaus den CAP-Markt besuchen und die Kiste einmal selbst zusammenstellen. „Wir wollten, dass die Kinder sehen, wo ihre Obstkiste eigentlich herkommt“, erzählt Erzieherin Beate Müller-Hannig. Bei Margot Reyer stieß sie mit dieser Idee sofort auf offene Ohren. Schließlich war es für die Marktleiterin eine gute Gelegenheit herauszufinden, für wen sie die Kiste jede Woche packt – und auch wo Erdbeeren, Paprika und Co. landen. Denn nachdem sie die kleinen Besucher durch die Obst- und Gemüseabteilung sowie hinter die Kulissen des CAP-Marktes geführt hatte, kam sie noch zum Frühstücken ins Kinderhaus, wo die Dreijährigen zusammen mit Kinderhaus-Leiterin Ursula Rothfuß-Tangl schon leckere Dinkelbrötchen gebacken hatten.

Angebahnt hatte sich die Schulfrucht-Partnerschaft Ende des vergangenen Jahres. Damals war ein Elternpaar auf das EU-Schulfruchtprogramm gestoßen und hatte angeregt, sich daran zu beteiligen. Obst und Gemüse kommen im Kirchheimer Kinderhaus, das vor 40 Jahren aus einer Elterninitiative heraus entstanden ist, zwar ohnehin täglich auf den Tisch. Aber für die Idee, jeden Montagmorgen eine frische, bunte gemischte Kiste ins Haus geliefert zu bekommen, waren auch die restlichen Eltern sofort Feuer und Flamme. Bei den Überlegungen, wer die 15 Kinderhaus-Kinder mit frischen, regionalen und biologisch erzeugten Produkten beliefern könnte, kam schnell der Ötlinger CAP-Markt ins Spiel. Der Supermarkt wird von der Filderwerkstatt getragen, die in Dettingen auch einen Biogroßhandel betreibt. Dementsprechend umfangreich ist das Sortiment des CAP-Markts an biologisch erzeugten Produkten sowie Waren aus der Region.

Marktleiterin Margot Reyer gab schnell grünes Licht und leitete sofort alles in die Wege, um die Ötlinger CAP-Filiale als Bio-Schulfrucht-Lieferanten anerkennen zu lassen. „Das Thema Ernährung muss in Zukunft noch viel mehr in unser Bewusstsein rücken“, betont sie. Das EU-Programm geht aus ihrer Sicht deshalb in die richtige Richtung. „Es ist gut, wenn gesunde Ernährung schon bei kleinen Kindern zur Selbstverständlichkeit wird.“ Außerdem ist der CAP-Markt ohnehin viel mehr als nur ein Supermarkt. „Er ist ein Treffpunkt in Ötlingen“, veranschaulicht Margot Reyer. Deshalb sei es ihr auch wichtig, über den Tellerrand hinauszublicken und Kontakte nach außen zu pflegen.

Den Schulfrucht-Tag haben Beate Müller-Hannig und Ursula Rothfuß-Tangl zum Anlass genommen, eine ganze Einheit der gesunden Ernährung zu widmen. Ein Höhepunkt war sicherlich die Rallye durch den CAP-Markt. Dort konnten die Vorschüler mit Wissen rund um Vitamine und Co. glänzen. Die Gruppe lernte aber auch noch viel Neues zu Obst und Gemüse. „Ihr solltet jeden Tag von jeder Farbe etwas essen“, gab Margot Reyer den Jungen und Mädchen mit auf den Weg. Bei ihrer Markt-Tour durften die Kinder dann nicht nur selbst Obst und Gemüse in die Körbe packen, sondern auch an Sellerie, Ananas und Ingwer schnuppern. Hinter den Kulissen konnten sie einen Blick in die Kühlräume werfen und machten Bekanntschaft mit der Karton-Presse.

Auf Margot Reyer warteten im Kinderhaus dafür Bio-Kaffee, selbst gebackene Brötchen und – natürlich – ein Teller voll von Kinderhand geschnippeltem Obst und Gemüse.kh

EU-Schulfruchtprogramm, CAP-Markt und Kinderhaus Kirchheim

Das EU-Schulfruchtprogramm richtet sich an Kindergärten und Schulen. Ziel ist es, Kinder möglichst früh an ein gesundheitsförderndes Ernährungsverhalten heranzuführen. Daneben soll mit dem Programm auch dem rückläufigen Obst- und Gemüseverzehr entgegengewirkt werden. Dafür stellt die EU den Mitgliedsstaaten jährlich 90 Millionen Euro zur Verfügung. Zu Obst- und Gemüselieferungen an vorschulische und schulische Einrichtungen gibt die EU 50 Prozent Zuschuss. Die andere Hälfte muss von Vereinen, Eltern oder Sponsoren getragen werden. Die CAP-Lebensmittelmärkte basieren auf der Idee des ­Social-Franchising-Systems. Deutschlandweit gibt es über 90 Filialen mit rund 1 300 Beschäftigten. Über die Hälfte davon haben Handicaps. Ziel ist es, psychisch kranken und behinderten Menschen die Teilhabe am Arbeitsleben zu ermöglichen und ihnen einen Lebensmittelpunkt zu geben. Im Kreis gibt es drei CAP-Märkte, in Ötlingen, Stetten und Neuhausen. Betrieben werden die Märkte im Kreis von der Filderwerk­statt, die vom Reha-Verein für soziale Psychiatrie im Landkreis Esslingen getragen wird. Das Kinderhaus Kirchheim ist ein von der Stadt Kirchheim anerkannter Kindergarten in freier Trägerschaft und bietet eine alternative Betreuung. Zwei Erzieherinnen und wechselnde Elterndienste betreuen dort vormittags eine Kleingruppe von 15 Jungen und Mädchen im Alter von drei Jahren bis zum Schuleintritt. Entstanden ist das Kinderhaus vor 40 Jahren aus einer Elterninitiative heraus.kh