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Im Sattel zu Riesling und Trollinger

Der neue Württemberger Weinradweg führt auch durch Esslingen – Beschilderung sorgt für Verwirrung

Nach Fellbach seien es 13 Kilometer, versprechen Radwegweiser beim Esslinger Bahnhof und an der Frauenkirche. Sie wurden für den neuen „Württemberger Weinradweg“ montiert. Die Beschilderung führt zu einer anstrengenden Buckeltour über Rüdern, Uhlbach und Rotenberg. Kein Alltagsradler würde sich das antun, die merkwürdige Beschilderung kommt deshalb wieder weg. Der Württemberger Weinradweg bleibt aber – und ist trotzdem attraktiv.

Das lilafarbene Logo weist den Weg zum Württemberger Weinradweg, in Esslingen wird die Beschilderung aber noch einmal überarbeit
Das lilafarbene Logo weist den Weg zum Württemberger Weinradweg, in Esslingen wird die Beschilderung aber noch einmal überarbeitet.Foto: Peter Dietrich

Kreis Esslingen. Die neue touristische Route führt vom Marktplatz in Rottenburg am Neckar nach Niederstetten, südlich von Weikersheim. Die 355 Kilometer lange Strecke ist größtenteils asphaltiert. Insgesamt sind, egal in welcher Richtung, gut 1 800 Höhenmeter Anstieg zu bewältigen. Die größten Anstiege befinden sich bei Metzingen, Esslingen, im Remstal und im Kocher- und Jagsttal. Für Erholung sorgen flache Abschnitte entlang der Flüsse, vor allem am Neckar. In der Klassifizierung der Fernradwege ergibt das in der Summe den Schwierigkeitsgrad „mittel“.

Gefragt war nicht die kürzeste und schnellste Verbindung, sondern die Erschließung der schönen Rebenlandschaft. Die Route führt an traditionsreichen Weingütern vorbei, an Weinlehrpfaden und Museen. Dabei wurden, etwa bei Neuffen und Metzingen, auch Strecken ausgeschildert, die bisher noch keine Radrouten waren. Zur Finanzierung der Beschilderung haben der Weinbauverband Württemberg, die Tourismusförderung des Landes Baden-Württemberg und die durchfahrenen Regionen beigetragen.

Die neue Route sei mit rund 1 800 Schildern markiert worden, sagt Jörn Büttner, Referent Landesradfernwege beim Landesverband Baden-Württemberg des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC). Von seinem Büro in Aschenburg aus hat er die Beschilderung koordiniert. Beim Hohenzollern-Radweg und beim Neckartal-Radweg habe Büttner die Beschilderung sehr gut geplant, lobt Ulrich Thäsler, Verkehrsplaner bei der Stadt Esslingen. Doch diesmal sei auf Esslinger Gemarkung etwas schief gelaufen. Davon war zwischen Rüdern und Mettingen auch ein Abschnitt der vom Verkehrsclub Deutschland (VCD) konzipierten „Tour de Zwiebel“ betroffen. Dort hatte Büttner – und nicht die zu Unrecht verdächtigte Stadtverwaltung – einzelne Schilder entfernt. Die Probleme kommen größtenteils daher, dass beim Württemberger Weinradweg nicht nur touristische Ergänzungstäfelchen, sondern immer Schilder mit Ortsangaben vorgesehen sind. So gelangte Fellbach als Ziel auf die Wegweiser, obwohl es dorthin deutlich bequemere Strecken gibt.

Wo genau die lokale Abstimmung schief gelaufen ist, kann Tanja Gems, Tourismusförderin im Landratsamt, im Nachhinein nicht sagen. Als Thäsler die fremde Beschilderung entdeckte, nahm er aber sogleich mit Büttner Kontakt auf. Dieser hat da­rauf für das Esslinger Stadtgebiet einige Ersatzschilder bestellt. Bis spätestens September würden sie montiert, verspricht er. Wie in Filderstadt setzt sich nun auch in Esslingen immer mehr die große Radwegbeschilderung mit Ziel- und Kilometerangaben durch.

Unten an den Schildern können jeweils mehrere Logos touristischer Routen eingehängt werden. Treffen allerdings wie an der Sirnauer Brücke Neckartal-Weg, Württemberger Weinradweg, Deutsche Fachwerkstraße und Tour de Zwiebel aufeinander, ist der Platz an den Schildern beinahe ausgereizt. „Bei fünf Tafeln muss man fast anhalten“, beschreibt Thäsler die schwindende Übersichtlichkeit.

An vielen anderen Stellen ist das neue Symbol des Württemberger Weinradwegs mit Radfahrer und Weintrauben jedoch alleine montiert. Es lädt zu einer abwechslungsreichen Route ein, die bei den Begriffen „Erlebnis“ und „Landschaft“ mit jeweils sechs Sternen klassifiziert wurde. Das ist die Höchstpunktzahl: Interessanter geht es kaum.

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